Sagt man heute noch Selfmademan? Stefan Golißa hat seinen Betrieb von null aufgebaut – und führt ihn heute nach klaren Prinzipien. Fotos: DDH

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06. September 2016 | Teilen auf:

Baustein für Baustein

Nur mit Meisterbrief und Gründungskredit begann Stefan Golißa 2004 seine Laufbahn als Unternehmer. Betrieb und Karriere hat er seitdem systematisch weiterentwickelt, technisch und kaufmännisch. Heute ist das Unternehmen so gut strukturiert, dass Golißa sich politisch engagieren kann – als Bezirksbürgermeister.

Später mal Chef zu sein, wird vielen Unternehmern im Dachdeckerhandwerk geradezu in die Wiege gelegt. Nicht wenige und viele erfolgreiche Dachdeckerunternehmen bestehen seit Generationen. Vieles ist bereits da, wenn der Junior in die erste Reihe rückt – das Firmengelände, die Mitarbeiter, der Fuhrpark, ein örtliches Netzwerk und vor allem Kunden. Die Hauptaufgabe des neuen Chefs besteht dann meist darin, frischen Wind in das Unternehmen zu bringen, dessen Teil er oder sie jahrelang war.

Stefan Golißa stieg 2004 unter anderen Voraussetzungen in das Bedachungsgeschäft ein. „Eigentlich wollte ich Bankkaufmann werden“, sagt der 38-Jährige beim Treffen im Düsseldorfer Stadtbezirk 5 im Norden der Stadt. Das Interesse am Dachdeckerhandwerk kam eher zufällig über einen Ferienjob, berichtet er. Sein Betrieb befindet sich in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Reifenhändlers, eher funktionell als repräsentativ. Aber mit einem entscheidenden Vorteil, erklärt Golißa: „Von hier aus erreichen wir unsere Kunden mit deutlich weniger Zeitaufwand als früher. Sie können sich ausrechnen, was es kostet, wenn acht Fahrzeuge jeden Tag im Berufsverkehr festhängen.“ Ausrechnen, analysieren, planen – typische Ansätze für den zweifachen Familienvater, der genauso zielstrebig seinen Betrieb aufgebaut hat. 2004, vier Wochen nach Erhalt des Meisterbriefs in Moers, machte Golißa seinen Betrieb auf. Mehr Risiko, aber auch mehr Geld, wenn man es gut macht – diese Voraussetzung schreckte Golißa nicht ab: „Ich habe mir das von Anfang zugetraut, es gut zu machen.“

Start vier Wochen nach dem Meisterbrief

Beraten von der örtlichen Handwerkskammer und ausgestattet mit einem Existenzgründungsdarlehen der KfW finanzierte Golißa die ersten Betriebsmittel, inserierte in Stadtteilmagazinen und begann bei null. „Rückblickend betrachtet wäre es natürlich hilfreich gewesen, einen Mentor oder einen familiären Dachdeckerhintergrund zu haben.“ Offen berichtet Golißa über Bereiche, in denen er als Anfänger Lehrgeld zahlen musste. In der Kalkulation zum Beispiel: „Man will in den Markt rein und setzt einen Stundenverrechnungssatz an, der eigentlich zu niedrig ist. Erklären Sie dann mal den Kunden, warum Sie plötzlich mehr Geld brauchen. Das ist ein Problem.“ Auch mal bewusst nicht zu tun, was der Kunde wünscht, sieht Golißa als Teil seines Lernprozesses in den ersten Jahren.

Malte von Lüttichau

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 17.2016