Flachdach 2010-11-16T00:00:00Z Gebündelte Belastungen

Traditionell sind mehrlagige und vollflächig verklebte Dichtungsschichten aus Bitumen- und Polymerbitumenbahnen auch heute noch bevorzugte Bauweisen in der Parkdeckabdichtung. Für Planer, Ausführende und Nutzer ist hierbei die Konstruktionsnorm DIN 18195 Bauwerksabdichtungen ein wichtiger Leitfaden für praxiserprobte und langzeittaugliche Bauweisen.

Bei der Bemessung der Abdichtung auf Parkdecks ist DIN 18195 Teil 5 Bauwerksabdichtungen gegen nicht drückendes Wasser auf Deckenflächen heranzuziehen. Das Regelwerk unterscheidet in mäßig und hoch beanspruchte Flächen, wobei Parkdecks in die Rubrik der hoch beanspruchten Flächen einzustufen sind. Mit der Überarbeitung der DIN 18195 wurde im Jahre 2000 zusätzlich die hoch entwickelte und seit vielen Jahren bereits bewährte Abdichtungstechnik der Brückenbeläge aus dem Bereich des Straßenbaus auf die Anwendung im nicht gedämmten Parkdeckbau mit Schutz- und Verschleißschichten aus Gussasphalt übertragen. Diese "neue" Bauart ist durch eine kompakte mehrschichtige Verbundbauweise gekennzeichnet, deren Aufbauten im Regelwerk der Bundesanstalt für Straßenwesen erläutert werden: In der ZTV-ING Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten werden im Teil 7, Abschnitt 1 (Brücken)-Beläge auf Beton mit einer Dichtungsschicht aus einer Bitumen-Schweißbahn beschrieben.

Verarbeiter mit Befähigungsnachweis

Dieses Regelwerk ist eine Ausführungsrichtlinie und legt detailliert im Einzelnen die einzuhaltenden Baugrundsätze und Systemaufbauten sowie die zu verwendenden Baustoffe und Baustoffgemische fest. Weiterhin die handwerkliche Ausführung und auch die Anforderungen, die an das ausführende Personal gestellt werden. So sind zum Beispiel für die Vorbereitung der Betonbauteile und die Verarbeitung der Kunstharze/Reaktionsharze nur Verarbeiter mit speziellen Befähigungsnachweisen zugelassen. Auch die Abdichtungsbahn darf nur von erfahrenen und geschulten Fachbetrieben eingebaut werden. Alle diese Vorgaben- und Festlegungen sind auch bei der Abdichtung von Parkdecks nach dieser Richtlinie in der Regel zu berücksichtigen. Bei der Sanierung des Parkdecks eines Energieversorgungsunternehmens wurden die Schutzschicht und eine nicht mehr funktionsfähige Abdichtung bis auf die Oberkante Stahlbetondecke abgetragen und entsorgt. Der Neuaufbau der Flächenabdichtung erfolgte nach den Grundsätzen der ZTV-ING Teil 7 Abschnitt 1. Zunächst waren umfangreiche Vorbereitungsarbeiten an der vorhandenen Stahlbetondecke erforderlich. Nach dem Entfernen der alten Abdichtung ist die Decke im Kugelstrahlverfahren von nicht mehr tragfähigen Betonschichten gesäubert worden. Die Eignung und Abreißfestigkeit des vorbereiteten Untergrundes wurde durch Haftzugversuche ermittelt. Anschließend wurde der Betonuntergrund mit einem zugelassenen Zweikomponenten-EP-Reaktionsharz grundiert und mit Quarzsand abgestreut. Das EP-Harz ist in einem vorgegebenen Verhältnis auf der Baustelle angemischt und auf der vorbereiteten Betonfläche gleichmäßig verteilt worden. Da die mit dem Sandflächenverfahren ermittelten Rautiefen der Betondecke zu groß waren, wurde die gesamte Deckenfläche nach dem Erhärten der Grundierung mit einer Kratzspachtelung aus EP-Reaktionsharz mit Füllstoff zusätzlich abgespachtelt. Diese Kratzspachtelung wurde wiederum mit Quarzsand ganzflächig abgestreut. Auf die versiegelte Kratzspachtelung wurde eine mit dem EP-Reaktionsharz verträgliche und für diesen Einsatzzweck geprüfte und zugelassene Polymerbitumen-Systemschweißbahn aufgeschweißt. Diese spezielle Schweißbahn hat eine hochliegende Trägereinlage aus Polyestervlies, auf die die vorgesehene Gussasphalt-Schutzschicht direkt eingebaut werden kann. Die Aufschweißung der Bahn erfolgte mit einem mehrflammigen Gasbrenner, der eine gleichmäßige Erwärmung der unteren Deckmasse zulässt und somit die Bahn vollflächig auf den Untergrund aufgeklebt. Beim Einbau der Schweißbahn von Hand wird die Bahn unmittelbar nach dem Aufkleben mit einem Druckblech oder Druckholz auf die versiegelte Fläche gedrückt, so dass ein homogener Verbund mit dem Untergrund entsteht. Die Werkstoffdaten der eingesetzten Polymerbitumen-Abdichtungsbahn sind in den technischen Lieferbedingungen zur ZTV-ING festgeschrieben und werden beim Hersteller über eine regelmäßige Fremdentnahme und -überwachung durch eine unabhängige Materialprüfungsanstalt sichergestellt.

Wolfgang Schmidt

Themenfeld Abdichtungen

Themenfeld Bitumen

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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