Punstein
Ältester Bruder, Unternehmer aus Oberwesel und Schiefer-Kenner: Berthold Punstein. Foto: DDH

Porträts

17. December 2015 | Teilen auf:

Herren der Steine

Das Unternehmen Punstein Bedachungen ist Sieger des Sanierungspreis 15, Kategorie Steildach. Wer den Betrieb kennt, weiß, dass Schiefer auf das Gewinnerobjekt kam.

Wanderndes Fachwerk

Über zwei Jahre arbeiteten mehrere Gewerke (Schreiner, Zimmerer und drei Dachdecker von Punstein – alle aus der Region) pausenlos an der umfangreichen Restaurierung des denkmalgeschützten Restaurants „Altes Haus“. Im Jahr 2009 wurde das Fachwerkhaus ausgemessen, Handwerker und Planer krabbelten buchstäblich durch die kleinsten Winkel des verschachtelten Gebäudes und legten zunächst alle Schwachstellen offen. „Wir haben hier ein verformungsgerechtes Aufmaß erstellt. Alle Schäden wurden mit Maß-Toleranzen bis zu einem Zentimeter kartiert. Das war auch nötig, um zu sehen, wie sich die Verformungen an der Fassade vollzogen haben. Das Gebäude wanderte hin und her, das Haus geht immer noch in die Knie. Das liegt auch daran, dass die Fachwerkfassungen – wie bei vielen historischen Gebäuden – von unten alle faul sind. Wir haben das Haus vom Kern saniert, jetzt müssen wir an die Hülle gehen“, berichtet anschaulich Architekt Hubertus Jäckel.

DDH 24/2014 Zum Glück waren die Anforderungen am Dach berechenbar. Dennoch war die hohe Handwerkskunst der Schieferdeckung gefordert (siehe auch Titelstory ): Unregelmäßig eingebundene Einfällerkehle, Türmchen, Grate – auch bei der rund 250 m² großen Dachfläche glich keine Ecke der anderen. Für das Unternehmen Punstein wie „gemalt“. Die Mitarbeiter erneuerten die Schalung und deckten spanischen Schiefer in Altdeutscher Deckung auf das rheinische Fachwerkhaus.

Gewinner-Objekt des Sanierungspreis 15: das „Alte Haus“ in Bacharach, immer noch nicht fertiggestellt. Foto: DDH

Bistümer als Geldgeber

Die Firma Punstein Bedachungen gibt es seit 45 Jahren. 1970 gründete Dachdeckermeister Berthold Punstein den Betrieb. Zurzeit beschäftigt der 75-Jährige 9 Mitarbeiter. Natürlich arbeiten die Söhne Wolfgang und Markus im Betrieb mit. Spezialisiert ist das Unternehmen auf Schieferdeckungen aller Art, „davon mindestens neunzig Prozent in Altdeutscher Deckart“, sagt Berthold Punstein. Neben den klassischen Dachdeckerarbeiten werden auch alle Klempner- und Gerüstbauarbeiten ausgeführt.

Zu den Auftraggebern zählen vor allem Bistümer und Denkmalämter, die Referenzen können sich sehen lassen. Dazu gehören unter anderem Sanierungen am Mainzer Dom St. Martin, Burg Pfalzgrafenstein mitten im Rhein, die Rochuskapelle in Bingen oder die Katharinenkirche in Oppenheim. „Neulich sind meine Leute bis nach Mannheim gefahren, um Schieferdächer zu decken. Diese Kunst beherrschen nur noch die wenigsten“, sagt Berthold Punstein stolz.

Im Laufe der Jahre hat er über 30 Lehrlinge ausgebildet, jetzt will er nicht mehr. Dass das Unternehmen keine Auszubildenden mehr findet, damit hat er sich scheinbar abgefunden. Der Senior winkt resigniert ab: „Vor einigen Wochen hatten wir zwei Praktikanten hier. Der eine war einen Tag hier, der andere zwei Tage. Dann sind beide nicht mehr wiedergekommen. Das Handwerk stirbt bei uns aus.“

Johannes Messer

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