Steildach 2010-03-11T00:00:00Z Mönch und Nonne auf einer Bank

Dachdeckermeister Andreas Ulland ist der Gewinner unseres ersten DDH Sanierungspreises. Ziel der Dachsanierung war die Wiederherstellung des ursprünglichen Aussehens. Dabei setzte der Dachdecker die neuesten ökologischen und fachlichen Techniken ein. Die handwerkliche Qualität der Ausführung erfüllt die hohen Ansprüche des Bauherrn.

Um 1909 war der denkmalgeschützte Altbau ein Gebäude der Landesbank Provinz Westfalen. 1951 wurde er durch einen seitlichen Anbau zu einem durchgehenden Gebäudekomplex erweitert. Letzterer wurde im Zuge der jetzt durchgeführten Sanierung für die heutige NRW.Bank wieder entfernt, sodass sich das Objekt wie ursprünglich wieder freistehend zeigt. Schon im frühen Planungsstadium wurden zwischen Dachdecker, Bauherrn und Architekten Problemlösungen bis ins Detail besprochen. So kamen zum Beispiel zur Sicherung der Mönch-Nonnen-Ziegel gegen Windsogkräfte speziell angefertigte Sturmklammern aus Edelstahl (FOS) zur Anwendung. Bis zur Sonderfertigung der 6.000 Klammern waren fünf Probebiegungen und Bemusterungen erforderlich. Um Passschnitte an den Mönch-Nonnen-Ziegeln links und rechts der Gauben zu vermeiden, wurde schon vor Beginn der Dachstuhlarbeiten ein genaues Verlegeraster erstellt. Danach wurde die genaue Position der Gauben festgelegt. Eine eigens angefertigte maßstabsgerechte Mustergaube bildete die Basis für die Entscheidung über die Ausführung der Bekleidungen der Gaubenflächen. Mit Hilfe von CAD-Zeichnungen wurde die Anschlussplanung der Lichtbänder in Abstimmung mit dem Hersteller an die Dachdeckung vorgenommen.

Der fachgerechte Innenausbau wie das Einbringen der Wärmedämmung und die Verlegung der Schallschutzplatten wurde vom Dachdecker mit übernommen. Die Bekleidung der Gauben, außenseitig mit voroxidierten Kupferplatten (auch auf den Gauben) von KME und innenseitig mit verzinnten Edelstahl (Uginox) lag ebenfalls in der Hand des Dachdeckers. Bei der Verlegung der Mönch-Nonnen-Ziegel (Koramic) kamen diverse Formteile wie Firstanschlussziegel (Nonne und Mönch) zum Einsatz, die speziell für das Objekt gefertigt waren. Der Kamin wurde zweischalig ausgeführt, das heißt, der eigentliche Kamin wurde mit Kupfer-Oxidblech bekleidet. Als optischer Sichtschutz wurde eine zweite Schale aus dem gleichen Material in einem Abstand von dreißig Zentimeter um den Kamin herum angebracht. In dem Hohlraum wurden diverse Entlüftungsleitungen verlegt und mit handgefertigten Formteilen aus Kupfer angeschlossen.

Weitere Arbeiten des Dachdeckers: Die Bekleidung von Natursteinvorsprüngen mit Kupfer-Oxidblech sowie der konvex und konkav gewölbten Giebelflächen (westseitige Einschiftung) mit zwei Millimeter dickem Turmblei sowie die Verlegung der eigens angefertigten Dachhaken einschließlich Schneefanggitter.

Durch bauliche Sanierungsmaßnahmen wurde ein Bankgebäude wieder in seinen ursprünglichen Zustand von 1909 versetzt. Alle Details waren frühzeitig unter den Beteiligten besprochen und festgelegt worden. Es kamen viele, eigens für das Objekt hergestellte Bau- und Zubehörteile zur Anwendung. Der Dachdecker führte seine Arbeiten nach technisch und ökologisch neuesten Erkenntnissen aus. Das übergreifende Ziel der Sanierungsmaßnahme, eine klare und einfache, vor allem raumbildende Struktur, die in Verbindung mit einem separaten Neubau wertvolle städtische Räume entstehen lässt und eine hohe Nutzungsqualität der Gebäude, wurde architektonisch und funktional erfüllt.

Hans G. Rüschenpöhler

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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