Denkmalschutz: Der idyllisch gelegene Gutshof in Ostwestfalen überlebte zwei Brände, bei dem seine Scheunen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nun wird er auf Vordermann gebracht. Die Eindeckung war für die Heiße GmbH aus Marsberg schon durch ihre Größe eine Challenge. Noch herausfordernder war für den Vier-Mann-Betrieb die Ertüchtigung des alten Dachstuhls.
Gut Wohlbedacht ist ein historisches Anwesen in Bad Wünnenberg, dessen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Es wurde ursprünglich errichtet, um die umliegenden Gebiete auf dem Sintfeld landwirtschaftlich zu bewirtschaften. Heute umfasst das Anwesen elf Gebäude und bietet circa 22.000 Quadratmeter umbauten Raum. Es dient als Firmenstandort und Wohngebäude. Dachdeckermeister-Betrieb Heiße aus Marsberg erneuerte Teile des Dachstuhls, brachte das Dach energetisch auf aktuellen Stand und erneuerte die Ziegeldeckung.



Harte Eiche, weiche Fichte
Der historische Dachstuhl war stark in Mitleidenschaft gezogen. Er bestand teils aus Eichenbalken, teils auch aus Fichte. Obwohl tatsächlich das alte Eichengebälk deutlich angegriffener war als die Balken aus Fichtenholz, musste Dachdecker Heiße auf Wunsch des Denkmalamtes in einem Giebel wieder Eiche einbauen. „Und dann guck mal, wo du so viele Eichenbalken herbekommst“, macht Heiße senior das Dilemma deutlich. Der Dachstuhl besteht nun aus KVH. Die Schleppgaube konnte mit Zustimmung der Behörde entfernt, die Dachfläche aufgebaut und durchgedeckt werden. Insgesamt wurden 55 Kubikmeter Holz verbaut.
„Und dann guck mal, wo du so viele Eichenbalken herbekommst.“
Michael Heiße
Schritt für Schritt
Das Heiße-Team arbeitete abschnittweise. Es teilte das Dach in sechs Segmente. Nach der Demontage der alten Eindeckung und Lattung – eine Unterspannung war nicht vorhanden – baute es den Dachstuhl neu auf. Dann kam eine hoch diffusionsoffene Unterdeck- und Unterspannbahn mit Spezial-Membran als Luftdichtigkeitsbahn auf den Sparren zum Einsatz. Sie ist als Luftdichtigkeitsbahn nach EN 12114 in Übereinstimmung mit EN 13859-1/-2 mit diffusionsoffener Überdämmung geeignet. In Kombination mit systemeigenen Klebebändern konnte die Konstruktion luft- und winddicht gesichert werden. Als Behelfsdeckung konnte die dreilagige Bahn auf Polypropylenbasis sechs Wochen frei bewittert werden. Aufgrund der Aufteilung der Dachfläche konnte allerdings eine längere Freibewitterung vermieden werden.
Diffusionsoffen gedämmt
Die darauf aufgebrachte 60 Millimeter dicke Holzfaserdämmplatte ist winddicht, diffusionsoffen und wasserableitend. Als Unterdeckplatte Typ UDP nach ZVDH werden keine zusätzlichen Nageldichtbänder gefordert. Der Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λ beträgt 0.046 W/(mK), die Dampfdiffusionswiderstandszahl µ 3, die Baustoffklasse (DIN 4102-1) B2. Die Platten sind mit Nut und Feder ausgestattet. Sie sind allerdings ohne eine darunter befindliche vollflächige Schalung im Sparrenfeld nicht begehbar, sondern nur im Sparrenbereich. Mit Verklebung der Fugen ist ein maximales Sparrenachsmaß bis 135 Zentimeter und eine Dachneigung von >10° möglich. Eingelattet wurde die 850 Quadratmeter große Dachfläche mit Latten der Abmessung 30/50 Millimeter, Sortierklasse
S 10.
Für die Eindeckung wählten Tim und Michael Heiße auf Wunsch des Bauherren und des Denkmalamts nicht mehr für Doppelmuldenfalzziegel, sondern für einen naturroten Hohlfalzziegel. Statt Ortgangziegel decken den seitlichen Dachabschluss Kupfer-Kantbleche auf einer Holzunterkonstruktion ab.
Kupferbraun und Tannengrün
Für die Dachentwässerung kamen Rinnen und Rohre aus Kupfer zum Einsatz. Die Verbindungen wurden hartgelötet. Die Einlaufbleche, ebenfalls aus Kupfer, wurden noch mit einem Kunststoffkamm ausgestattet, um zum Beispiel Vögel daran zu hindern, unter den Ziegeln zu nisten. Den Kamin schützt eine Kupfer-Stehfalzbekleidung, wobei der Anschluss an das aufgehende Bauteil mit Bleinocken versehen wurde.
In Anlehnung an die alten Bauernhäuser und typisch für die Bauweise, bekleideten die Heißes die Giebel mit grün gestrichenem Fichtenholz in Boden-Deckel-Schalung. Die Fugen der zwölf Zentimeter breiten Bodenbretter wurden mit vier Zentimeter breiten Deckelbrettern abgedeckt. Die Befestigung erfolgte mit Edelstahlschrauben.
Auch der Anschluss des Vordaches des südwestlichen Eingangsbereiches erfolgte mit einem Kupferblech. Für die Verbindung des Daches mit dem aufgehenden Mauerwerk schnitt Tim Heiße die Metallkantteile mittels Schablone genau auf die Ziegelwulste zu. Die Gesimse oberhalb der weißen Fenster erhielten ebenfalls noch eine Kupferabdeckung.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 06. 2026.





