Alexander Geist_Aufmacher (Quelle: DDH)
„Obwohl es auf dem Areal tagelang noch weiterbrannte, ging die Arbeit schon am nächsten Tag weiter“, sagt Alexander Geist. Fotos: DDH (Quelle: DDH)

Porträts

17. January 2017 | Teilen auf:

Respekt macht glücklich

Am 12. Mai 2011 verbrannte fast der ganze Besitz der Firma Geist Bedachungen. Die meisten Mitarbeiter halfen die ganze Nacht – und kamen am nächsten Morgen wieder zur Arbeit. Kein Wunder, denn Alexander Geist und das 50 Mann-Team pflegen ein freundschaftliches Miteinander.

Im Büro von Alexander Geist liegt ein Bildband auf dem Schreibtisch. Zu sehen sind Fotos von der Brandkatastrophe. Nach einer vermutlichen Brandstiftung eines Mieters fraß sich das Feuer in Sekundenschnelle durch die Hallen und Gebäude des rund 5.500 m² großen Firmenkomplexes der Dachdeckerei aus Berwangen – und vernichtete die Hälfte. Die Aufnahmen sind beeindruckend – ein Mischung aus Grauen und Ästhetik, manchmal sogar Komik.

Verkohlte Fahrzeuge, kontaminierte Werkzeuge, undefinierbare Materialreste. Zum Beispiel eine Glühbirne, in der rasenden Hitze zu einem schmalen Stift geschmolzen. Ein Löschschlauch, der verzweifelt Wasser aus einem kleinen Swimmingpool saugt. Oder der fast verbrannte Aufkleber von der Telekom: „Wenn du nicht weiterweißt: 11833“. Die Bilder aus der Vogel-Perspektive kamen von einem befreundeten Hobby-Segelflieger, der nach der Katastrophe zufällig über das Areal flog. Durch die Rauchentwicklung wurde die A 6 gesperrt – und die ist einige Kilometer vom Tatort weg. Bauern stellten ihr Feld als Rettungsplatz zur Verfügung – „und ein Landwirt schleppte die Firmenfahrzeuge, gemeinsam mit einigen Bewohnern, aus dem Ort“.

Brandwand verminderte Schlimmeres

Stabil blieb eine wichtige Brandschutzmauer der Halle, in der Tanks, Gasflaschen und leicht entzündliche Baumaterialien lagerten. „Zum Glück sind einige Mitarbeiter von uns bei der freiwilligen Feuerwehr. Und die haben regelmäßig bei uns Übungen abgehalten. Die 200 Feuerwehrleute haben an diesem Tag Großartiges geleistet und zum Teil ihr Leben riskiert. Zum Beispiel zerbrach die Scheibe des Rettungsfahrzeugs, so dicht standen die Helfer bei der Brandwand in einer von 6 Hallen. Dennoch war der Schaden immens. Unser komplettes Archiv ist verbrannt“, so der Firmenchef.

Zum Glück kam auch externe Hilfe schnell und unbürokratisch: Die Firma Förch lieferte über Nacht einen Übersee-Container mit Zubehör, denn das ganze Materiallager war verbrannt. „Existentiell war für uns natürlich, dass wir schnell wieder arbeiten konnten“. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand ernsthaft verletzt wurde. Vermutlich war es Brandstiftung, die Sachlage ist beim Gericht noch immer anhängig. Die Aktenlage ist auf 4000 Seiten angewachsen, die vermutlichen Brandstifter hatten sich nach Gran Canaria abgesetzt. Die Versicherung zahlte, nach jahrelangem Rechtsstreit, nur die Hälfte der Schadenssumme.

Auf dem Firmengelände in Berwangen: Senior Dieter und Sohn Alexander leiten das Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern.

Dass die Mitarbeiter so selbstlos bei der Rettungsaktion beteiligt waren, ist für Geist keine Selbstverständlichkeit, aber überrascht hat es ihn auch nicht. „Wir legen Wert auf ein respektvolles Miteinander. Das ist mir wichtig. Ich möchte ein fairer Chef sein – der Umgang untereinander ist freundschaftlich, auf Augenhöhe. Meine Tür ist immer offen“. So verfährt er auch bei der Auswahl der Azubis. „Ganz wichtig ist mir das Elternhaus der Jungen, da schaue ich genau hin, bevor ich einen Lehrvertrag abschließe“. Ganz einverstanden ist Alexander Geist mit den Aktivitäten auf Landes- und Bundesebene in Sachen Nachwuchssuche nicht. „Auf örtlichen Veranstaltungen mit Skateboards Werbung für Dachdecker zu machen, passt für mich nicht zusammen“.

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 03.2017