rotbuche Aufmacher
Leben wie ein Schlossherr: Das ehemalige Alten- und Pflegeheim „Gebrüder-Heinrich-Stift“ wurde im neugotischen Stil erbaut und erstrahlt nach der umfangreichen Sanierung in neuem Glanz. Fotos: Braas

Steildach

15. June 2016 | Teilen auf:

Rotbuche für Neogotik

Im dritten Teil unserer Serie Historische Bauten begeben wir uns nach Luckenwalde. Die Schaldach & ­Schröter Dachbau GmbH verlegte Doppelmulden-Falz­ziegel in der Fläche und Biberschwanzziegel an den Türmen. Mit rund 170 m³ Holz restaurierten die Handwerker das übergroße historische Dachtragwerk .

Der großzügige, in neugotischen Formen gestaltete rote Ziegelbau mit Satteldächern besitzt ein sockelartiges Kellergeschoss, das etwas erhöhte Hauptgeschoss sowie ein Obergeschoss. Der traufständige Mitteltrakt mit den typischen neugotischen Staffelgiebeln wird durch giebelständige Seitenflügel begleitet. Dies ergibt einen symmetrischen, H-förmigen Grundriss des Gebäudes um den dominierenden Mittelrisalit. Die beiden Seitenflügel werden durch Türme mit achteckigem Grundriss und Pyramidendächern gekennzeichnet. Der Mittelrisalit springt zur Straßenseite aus der Fassadenebene vor und ist durch große Spitzbogenfenster besonders hervorgehoben, in die aufwendig gestaltete Glasmotive, ähnlich Kirchenfenster, eingesetzt wurden. Die Fenster der Frontseite des Mittelrisaliten werden von Spitzbogenblenden überfangen. Die Dachflächen wurden damals mit braun schimmernden, glasierten Doppelmulden-Falzziegeln gestaltet und in der Folgezeit in großen Teilen mit DDR-Dachsteinen ergänzt. Immerhin hat die Dachkonstruktion so einen Zeitraum von über 110 Jahren nahezu schadlos überstanden.

Dachstuhl überarbeitet

Im Zuge der denkmalgerechten Erneuerung wurde auch das Dach komplett überplant. Den Auftrag für die Sanierung von Dachtragwerk und Dachdeckung erhielt die Firma Schaldach & Schröter Dachbau GmbH aus Trebbin. Das mächtige Tragwerk präsentiert sich als ein Kehlbalkendach mit einfach stehendem Stuhl, Kopfstreben und diagonal eingeklinkten Windstreben mit einer Dachneigung von circa 50°. Das Kehlbalkendach gilt als eine Weiterentwicklung des einfachen Sparrendaches. Durch die eingeschobenen Kehlbalken konnten so größere Spannweiten erreicht werden, da die Kehlbalken die Knick- und Biegebeanspruchung der Sparren reduzieren. Das gesamte Tragwerk wurde von den Zimmerern des Teams von Schaldach & Schröter nach statischer Vorgabe überarbeitet. So wurden neue statisch wirkende Zerrbalken eingebaut, die auch als Basis für einen neuen Fußbodenaufbau wirken, sowie eine zweite, neue Ebene mit offenem Spitzgiebel in das mächtige Tragwerk eingezogen. Über 170 m³ Holz und Furnierschichtholz wurden von den Zimmerern verbaut. Beide neuen Wohnebenen werden nun über neue Wohnraum-Dachfenster, Schleppgauben aus dem Bestand sowie neue Gauben belichtet.

Horst Pavel

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 12/2016.