Sicherheitshaken Einbau
Bei Dächern mit Dacheindeckungen, die bei den zu erwartenden Arbeitsbedingungen keine ausreichende Sicherheit gegen Ausrutschen bieten, ist der Einsatz von Dachauflegeleitern erforderlich. Ein Praxisbeispiel: das Schieferdach des Andreas Quartiers in Düsseldorf mit extrem starker Dachneigung. Foto: DDH

Arbeitssicherheit

09. October 2019 | Teilen auf:

Sicherheitshaken am Dach: Korrekter Einbau

Seit Langem schon wird beim Einbau von Anschlagpunkten – insbesondere im Flachdachbereich – eine Dokumentation gefordert. In unserer zweiteiligen Serie geben wir einen umfassenden Überblick, worauf beim Einbau von Sicherheitsdachhaken zu achten ist, wie Dokumentation und Überprüfung ablaufen sollten (Teil 2) und wie letztendlich die Empfehlungen seitens des ZVDH lautet.

Bei einer Dokumentation müssen grundsätzlich Bilder, Skizzen und Objektinformationen erstellt werden. Darüber hinaus wurde beim Einbau des Sicherheitsdachhakens sogar teils die namentliche Erwähnung des einbauenden „Monteurs“ verlangt, was über die Forderungen aus Normen und Regeln hinausgeht.

Rechtliche Grundlage der Dokumentationspflicht


Aufgrund des § 19 des Arbeitsschutzgesetzes vom 07.08.1996 (BGBI. I S. 1246) verordnete die Bundesregierung in der sogenannten Baustellenverordnung ­(BaustellV) die Berücksichtigung von allgemeinen Grundsätzen zur Verhütung von Gefahren für Sicherheit und Gesundheit bei Ausführungsplanung und Vorbereitung eines Bauprojekts. In der DIN 4426 wird die Gestaltung von Arbeitsplätzen und Verkehrswegen konkretisiert, wobei deren allgemeine Anforderungen zur Instandhaltung baulicher Anlagen in den Bauordnungen der Länder enthalten sind. Hiernach ist der Bauherr verpflichtet, eine Unterlage mit den Merkmalen des Bauwerks zu erstellen und zweckdienliche Angaben zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz zu machen, die bei eventuellen späteren Arbeiten (Instandhaltung) zu berücksichtigen sind. Aber nicht nur der Bauherr selbst muss für die Sicherheit geradestehen. Ungeachtet des Vertragverhältnisses zwischen Bauherr und Unternehmer muss gemäß Musterbauordnung (MBO) § 55 auch der Unternehmer Nachweise und Unterlagen zu den verwendeten Bauprodukten und den angewandten Bauarten erbringen und auf der Baustelle bereithalten.

Normative Grundlagen vor dem Einbau


Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) wird vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) für alle Anschlageinrichtungen und Absturzsicherungen verlangt, die zum dauerhaften Verbleib am Gebäude gedacht sind. Solche Einrichtungen sind gemäß DIBt Bestandteil des Gebäudes. Betroffen sind Personenanschlagpunkte ebenso wie Seilsicherungssysteme und Schienensicherungssysteme. Sicherheitsdachhaken sind von der Regelung bisher allerdings ausgenommen, obwohl sie als Anschlagpunkt herangezogen werden dürfen. Vorab sollte festgehalten werden, dass die DIN EN 795 „Persönliche Absturzschutzausrüstung – Anschlageinrichtungen“ nicht für Sicherheitsdachhaken im Sinne von Anschlageinrichtungen gilt. In Ermangelung von Maßgaben innerhalb der DIN EN 517 kann die Norm DIN EN 795 aber zumindest für Empfehlungen herangezogen werden. Auch wenn die DIN 4426 besagt, dass sie nicht für Schneeräumungen auf Dächern gelte, wird dort darauf hingewiesen, dass bei der Planung und Errichtung baulicher Anlagen Maßnahmen für die sichere Durchführung von Schneeräumarbeiten berücksichtigt werden sollten.

Auszug aus der DGUV-Information 201-056 „Planungsgrundlagen von Anschlageinrichtungen auf Dächern“, Seite 13 Abbildungen: BG BAU

Praktische Grundlagen für die Planung



Seitens gesetzlicher Unfallversicherungsträger (BG BAU, DGUV) kann für die Planung bzw. Verteilung der Sicherheitsdachhaken die bisherige BGI 5164 herangezogen werden. Diese wurde größtenteils in der DGUV-Information 201-056 „Planungsgrundlagen von Anschlageinrichtungen auf Dächern“ übernommen und regelt den Bedarf, die Mindestausstattung von Dächern sowie Wartungs- und Prüfgrundsätze aus Sicht der gesetzlichen Unfallversicherungsträger, in diesem Fall der BG BAU. Hier gibt es empfohlene Ausführungen für Steildächer. Die Abbildungen oben gelten für „Dächer mit Dacheindeckungen, die bei den zu erwartenden Arbeitsbedingungen keine ausreichende Sicherheit gegen Ausrutschen bieten. Hier ist der Einsatz von Dachauflegeleitern erforderlich.“ Das klassische Beispiel wäre eine Schieferdeckung auf einem Satteldach mit einer Dachneigung von 45°, wobei hier keine Körperhaltevorrichtung mit horizontaler Führung betrachtet wird, die allerdings sinnvoll sein kann.

Hans Christian Groß

zuletzt editiert am 13.07.2022