Steildach: Das Sauerland ist für klassische Schieferdeckungen bekannt. Maik und Christina Stöber von Dachkonzepte Stöber GmbH haben sich jedoch bewusst entschieden, ihr neues Wohnhaus mit Biberschwanzziegeln decken zu lassen – von ihrem Sohn Dustin. Der lehrgangsbeste Jungmeister hat gemeinsam mit Schulkollege Marvin Bürger ein weiteres Meisterstück geschaffen.
Schon vor zehn Jahren reifte im Ehepaar Stöber die Idee, noch einmal neu zu bauen – mit dem Wunsch nach einem Biberschwanzdach. Im Herbst 2022 griff die Familie das Projekt an, und der Maurer erstellte den Rohbau, früher als eigentlich geplant. „Obwohl es hier Wetter gibt, haben wir uns entschlossen, das Risiko einzugehen, mit der Vordeckung zu überwintern“, erklärt Maik Stöber. „Ein paar Monate schützte also lediglich die Unterdeckbahn den Bau. Wir haben ganz bewusst nur hochwertige Materialien verwendet, trotz höherer Kosten. Die Unterdeckbahn hat gut gehalten. Dazu haben wir natürlich Dichtbänder verwendet und die Konterlattung extra verschraubt, damit es möglichst wenig Durchdringungen gibt.“
Zwischen zwei Meisterschulen
Die Dacheindeckung und die dazugehörigen Klempnerarbeiten erfolgten dann in der Zeit zwischen dem Dachdecker- und dem Klempnermeisterlehrgang, den Dustin Stöber und Marvin Bürger zurzeit besuchen. Das Dach musste somit in einem Zeitraum von sechs Wochen fertiggestellt werden. Maik legte die ganze Verantwortung für den Bau komplett in die Hände seines Juniors und dessen Mitschülers. Den beiden Jungmeistern wurde noch ein Lehrling mit an die Hand gegeben. „Und ich durfte auch manchmal gucken“, betont Maik Stöber. Letztlich war nur das Gründach der Garage noch nicht fertiggestellt wegen den ungünstigen Witterungsbedingungen. Aber auch diese Arbeit ist nun an schulfreien Samstagen beendet worden.
Ausbau möglich
Das Mauerwerk besteht aus 36,5 cm Porenbeton. Zusätzlich gedämmt sind die Außenwände mit 6 cm Steinwolleplatten. Den Untergrund für den Putz bietet abschließend eine Zementplatte für Außenwände. Diese hat einen Kern aus Portlandzement und ist beidseitig mit einem Glasgittergewebe armiert. Zurzeit ist der Dachboden noch nicht ausgebaut, das kann aber jederzeit nachgeholt werden. Ein großes Dachflächenfenster fand bereits seinen Platz, und die Dämmung ist ebenfalls darauf ausgelegt. Bei der Zwischensparrendämmung entschieden sich die Stöbers für eine 22 cm dicke Zellulose-Dämmung. Beplankt wurde die Innenseite mit 1,5 cm starken OSB-Platten. Die 20 cm starke Betondecke wurde erst mit druckfester Steinwolle (8 cm) belegt. Darauf brachten die Dachdecker 14 cm dicke alukaschierte PIR-Flachdachdämmplatten mit einer Druckfestigkeit von ≥120 kPa (≥0,12 N/mm2) und einer Wärmeleitfähigkeit von 0,023 W/mk auf. Den Abschluss bilden auch hier OSB-Platten, allerdings in einer Stärke von 1,8 cm.
Große und kleine Biber
Die Vordeckung besteht aus einer diffusionsoffenen Unterdeckbahn mit verklebten Nähten und Stößen, die Konterlattung aus 3/5-Kanthölzern mit Dichtbändern unterlegt. Auf die 3/5 cm starke Traglattung verlegten die Jungmeister die tiefschwarz glasierten Biberschwänze 18/38 in Doppeldeckung. Traufe und First wurden nicht klassisch in Kronendeckung gedeckt, sondern mit den systemeigenen kürzeren Trauf- und Firstplatten erstellt. Die eingesetzten Lüfter sind keramisch wie auch die Walmkappen. Die Schneesicherung besteht aus 20 mm Alu-Doppelrohr auf Metall-Träger-Platten, passend zum Rundschnittbiber. Zusätzlich wurden Schneestophaken über die komplette Fläche verteilt montiert. Konische Firstziegel bilden den Abschluss an First und Grat, gesichert durch First- und Grat-Rolle. Die Kehldeckung wurde natürlich eingebunden ausgeführt. Um eine filigranere Optik zu erreichen, entschieden sich die Bauherren für eine zwei Biber breite Kehle.
Eine Besonderheit bildet der Übergang des Firstes zum Verfallgrat. Die Jungmeister hatten sich einen sanft geschwungenen Übergang vorgestellt. „Wir wussten, wie es aussehen sollte, aber nicht wie wir es hinkriegen. Am Ende lief es doch relativ gut und ohne Komplikationen. Es war Learning by doing“, erklärt Dustin Stöber. Den Kamin bekleiden die kleineren Turmbiber im Format 13,5/28. Jeder Ziegel wurde verschraubt, kleine Firstziegel bilden den Abschluss an den vier Außenecken.
Gekantet und gefalzt
Mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail fertigten die neuen Meister die An- und Abschlüsse in Kupfer. Hier sieht ganz besonders Marvin seine Passion. Die Kamineinfassung wurde komplett gekantet und eingefalzt. Hier findet sich keine Lötnaht. Umlaufend sind die Traufen von Haus und Garage mit Kupfer-Stehfalz-Scharen bekleidet. Sogar die Rinnenwinkel sind Handarbeit. Die Verbindung der Rinnenstücke erfolgte im Heißlötverfahren. Ein besonderes Schmuckstück ist die Wetterfahne, die nun die kupferne Kaminhaube ziert.
PV auf steil und flach
Auf Nachhaltigkeit setzten die Bauherren nicht nur bezüglich der Wärmedämmung. Natürlich wurden auch Photovoltaik-Anlagen ein- und aufgebaut. Eine Indachanlage ist in die Steildachfläche integriert worden. Auf der zweilagig bituminös abgedichteten Garage ist eine weitere Anlage aufgeständert. Dachkonzepte Stöber setzt schon länger auf das Tätigkeitsfeld Photovoltaik. Der Betrieb baut selbst Anlagen ein, beliefert aber auch Mitbewerber. „Hier müssen aber die Behörden dringend mal tätig werden. Die Montage gehört in Dachdeckerhand. Man kann nicht alle über einen Kamm scheren, aber was man teilweise sieht, wie die Solarteure arbeiten, lässt einem den Atem stocken“, gibt Maik Stöber zu bedenken.
Fast alles dabei
Der Aufbau des Flachdaches der Garage erfolgte mit Dampfsperre, Gefälledämmung und bituminöser wurzelfester Abdichtung im System eines Herstellers. Eine extensive Begrünung bildet den Abschluss. Auch diese entstammt den Händen der Dachdecker. Das Bauvorhaben zeigt die Vielseitigkeit des Berufes und das Ergebnis, was Handwerkskunst bedeutet. Ein weiteres Meisterstück!


















