Drei Dachdeckermeister vor neuem Biberschwanzdach eines Einfamilienhauses
Drei Meister, ein Dach: Nicht ohne Handwerkerstolz präsentieren sich Dustin und Maik Stöber sowie Marvin Bürger (v. l.) vor dem neuen Biberdach im Sauerland. (Quelle: DDH)

Steildach 2023-11-06T10:31:16.326Z Biber im Sauerland

Steildach: Das Sauerland ist für klassische Schieferdeckungen bekannt. Maik und Christina Stöber von Dachkonzepte Stöber GmbH haben sich jedoch bewusst entschieden, ihr neues Wohnhaus mit Biberschwanzziegeln decken zu lassen – von ihrem Sohn Dustin. Der lehrgangsbeste Jungmeister hat gemeinsam mit Schulkollege Marvin Bürger ein weiteres Meisterstück geschaffen.

Schon vor zehn Jahren reifte im Ehepaar Stöber die Idee, noch einmal neu zu bauen – mit dem Wunsch nach einem Biberschwanzdach. Im Herbst 2022 griff die Familie das Projekt an, und der Maurer erstellte den Rohbau, früher als eigentlich geplant. „Obwohl es hier Wetter gibt, haben wir uns entschlossen, das Risiko einzugehen, mit der Vordeckung zu überwintern“, erklärt Maik Stöber. „Ein paar Monate schützte also lediglich die Unterdeckbahn den Bau. Wir haben ganz bewusst nur hochwertige Materialien verwendet, trotz höherer Kosten. Die Unterdeckbahn hat gut gehalten. Dazu haben wir natürlich Dichtbänder verwendet und die Konterlattung extra verschraubt, damit es möglichst wenig Durchdringungen gibt.“

Zwischen zwei Meisterschulen

Die Dacheindeckung und die dazugehörigen Klempnerarbeiten erfolgten dann in der Zeit zwischen dem Dachdecker- und dem Klempnermeisterlehrgang, den Dustin Stöber und Marvin Bürger zurzeit besuchen. Das Dach musste somit in einem Zeitraum von sechs Wochen fertiggestellt werden. Maik legte die ganze Verantwortung für den Bau komplett in die Hände seines Juniors und dessen Mitschülers. Den beiden Jungmeistern wurde noch ein Lehrling mit an die Hand gegeben. „Und ich durfte auch manchmal gucken“, betont Maik Stöber. Letztlich war nur das Gründach der Garage noch nicht fertiggestellt wegen den ungünstigen Witterungsbedingungen. Aber auch diese Arbeit ist nun an schulfreien Samstagen beendet worden.

Ausbau möglich

Das Mauerwerk besteht aus 36,5 cm Porenbeton. Zusätzlich gedämmt sind die Außenwände mit 6 cm Steinwolleplatten. Den Untergrund für den Putz bietet abschließend eine Zementplatte für Außenwände. Diese hat einen Kern aus Portlandzement und ist beidseitig mit einem Glasgittergewebe armiert. Zurzeit ist der Dachboden noch nicht ausgebaut, das kann aber jederzeit nachgeholt werden. Ein großes Dachflächenfenster fand bereits seinen Platz, und die Dämmung ist ebenfalls darauf ausgelegt. Bei der Zwischensparrendämmung entschieden sich die Stöbers für eine 22 cm dicke Zellulose-Dämmung. Beplankt wurde die Innenseite mit 1,5 cm starken OSB-Platten. Die 20 cm starke Betondecke wurde erst mit druckfester Steinwolle (8 cm) belegt. Darauf brachten die Dachdecker 14 cm dicke alukaschierte PIR-Flachdachdämmplatten mit einer Druckfestigkeit von ≥120 kPa (≥0,12 N/mm2) und einer Wärmeleitfähigkeit von 0,023 W/mk auf. Den Abschluss bilden auch hier OSB-Platten, allerdings in einer Stärke von 1,8 cm.

Große und kleine Biber

Die Vordeckung besteht aus einer diffusionsoffenen Unterdeckbahn mit verklebten Nähten und Stößen, die Konterlattung aus 3/5-Kanthölzern mit Dichtbändern unterlegt. Auf die 3/5 cm starke Traglattung verlegten die Jungmeister die tiefschwarz glasierten Biberschwänze 18/38 in Doppeldeckung. Traufe und First wurden nicht klassisch in Kronendeckung gedeckt, sondern mit den systemeigenen kürzeren Trauf- und Firstplatten erstellt. Die eingesetzten Lüfter sind keramisch wie auch die Walmkappen. Die Schneesicherung besteht aus 20 mm Alu-Doppelrohr auf Metall-Träger-Platten, passend zum Rundschnittbiber. Zusätzlich wurden Schneestophaken über die komplette Fläche verteilt montiert. Konische Firstziegel bilden den Abschluss an First und Grat, gesichert durch First- und Grat-Rolle. Die Kehldeckung wurde natürlich eingebunden ausgeführt. Um eine filigranere Optik zu erreichen, entschieden sich die Bauherren für eine zwei Biber breite Kehle.

Eine Besonderheit bildet der Übergang des Firstes zum Verfallgrat. Die Jungmeister hatten sich einen sanft geschwungenen Übergang vorgestellt. „Wir wussten, wie es aussehen sollte, aber nicht wie wir es hinkriegen. Am Ende lief es doch relativ gut und ohne Komplikationen. Es war Learning by doing“, erklärt Dustin Stöber. Den Kamin bekleiden die kleineren Turmbiber im Format 13,5/28. Jeder Ziegel wurde verschraubt, kleine Firstziegel bilden den Abschluss an den vier Außenecken.

Gekantet und gefalzt

Mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail fertigten die neuen Meister die An- und Abschlüsse in Kupfer. Hier sieht ganz besonders Marvin seine Passion. Die Kamineinfassung wurde komplett gekantet und eingefalzt. Hier findet sich keine Lötnaht. Umlaufend sind die Traufen von Haus und Garage mit Kupfer-Stehfalz-Scharen bekleidet. Sogar die Rinnenwinkel sind Handarbeit. Die Verbindung der Rinnenstücke erfolgte im Heißlötverfahren. Ein besonderes Schmuckstück ist die Wetterfahne, die nun die kupferne Kaminhaube ziert.

PV auf steil und flach

Auf Nachhaltigkeit setzten die Bauherren nicht nur bezüglich der Wärmedämmung. Natürlich wurden auch Photovoltaik-Anlagen ein- und aufgebaut. Eine Indachanlage ist in die Steildachfläche integriert worden. Auf der zweilagig bituminös abgedichteten Garage ist eine weitere Anlage aufgeständert. Dachkonzepte Stöber setzt schon länger auf das Tätigkeitsfeld Photovoltaik. Der Betrieb baut selbst Anlagen ein, beliefert aber auch Mitbewerber. „Hier müssen aber die Behörden dringend mal tätig werden. Die Montage gehört in Dachdeckerhand. Man kann nicht alle über einen Kamm scheren, aber was man teilweise sieht, wie die Solarteure arbeiten, lässt einem den Atem stocken“, gibt Maik Stöber zu bedenken.

Fast alles dabei

Der Aufbau des Flachdaches der Garage erfolgte mit Dampfsperre, Gefälledämmung und bituminöser wurzelfester Abdichtung im System eines Herstellers. Eine extensive Begrünung bildet den Abschluss. Auch diese entstammt den Händen der Dachdecker. Das Bauvorhaben zeigt die Vielseitigkeit des Berufes und das Ergebnis, was Handwerkskunst bedeutet. Ein weiteres Meisterstück!

Dachdecker beim Montieren einer Indach-Photovoltaikanlage auf einem Biberschwanzdach
Eine Indachanlage erzeugt zukünftig Strom auf dem Steildach, zusätzlich wurden auf dem Flachdach der Garage Module aufgeständert. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Anbau Garage mit neu erstellter Dachbegrünung und Photovoltaikanlage
Das Gründach musste lange auf sich warten lassen – aus Witterungsgründen. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Handgefertigter Rinnenaußenwinkel in Kupfer mit Verbindungspunkten aus Hartlot
Nicht von der Stange: Auch die Rinnenwinkel wurden in Handarbeit gefertigt und hartgelötet. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Beginn der Eindeckung einer zwei-ziegel-breiten eingebundenen Biberschwanzkehle mit schwarz glasierten Biberschwanzziegeln
Wegen des filigraneren Erscheinungsbildes entschieden sich die Bauherren für die Deckung einer zwei Biber breiten Kehle. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Drohnenaufnahme eines Neubaus: Winkelbungalow mit Biberschwanzdach und angrenzender Garage mit Photovoltaik-Gründach
Bezugsfertig – Mittlerweile haben Stöbers ihr neues Heim bezogen. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Kupfer-Kaminhaube mit Wetter-Kreuz mit Himmelsrichtungen und mittig einem Dachdecker aus Kupfer
Der Wetter-Dachdecker zeigt in Zukunft die Windrichtung. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Firstdetail eines Biberschwanzdaches - gerundeter Übergang zwischen First und Verfallgrat
First und Verfallgrat gehen durch die Rundung ganz geschmeidig ineinander über. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Rohbau eines Winkelbungalow mit eingelattetem Walmdach
Der Rohbau hat die Überwinterung unter der Vordeckung dank hochwertiger Produkte laut Bauherren gut überstanden. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Brustblech eines Kamins aus Kupfer auf eingelattetem Dach, teilweise mit schwarzen Biberschwanzziegeln eingedeckt
Die Kupfer-Einfassung des Kamins wurde komplett in Falztechnik ausgeführt. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Kaminsattel aus Kupferblech in teilweise eingedecktem Biberschwanzdach
Auch am Kaminsattel gibt es keine Lötnaht. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Seitliche Kaminverwahrung aus Kupferblech mit Nocken in teilweise eingedecktem Biberschwanzdach
Die Seitenteile wurden aus Nocken gefertigt. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Dachdecker beim Festschrauben von Biberschwanzziegeln am Kamin mit einem Akku-Schrauber
Dustin Stöber befestigte jeden einzelnen Turmbiber im Maß 13,5/28 mit Edelstahlschrauben. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Dachdecker beim Eindecken einer eingebundenen Biberschwanzkehle
Beste Konditionen für ein glückliches Dachdeckerleben: Dachdeckermeister Marvin Bürger in seinem Element. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Dach eines Einfamilienhauses während der Eindeckung mit Biberschwanzziegeln, Details bereits fertiggestellt
Zuerst erfolgte die Eindeckung aller Details, dann die der Dachfläche. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Dachausschnitt eines Biberschwanzdaches mit Schneestoppern
Zusätzlich zum Schneefangsystem aus Alu-Doppelrohr montierten die Dachdecker Schneestopper auf der ganzen Dachfläche. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Eingebundene Biberschwanzkehle aus schwarz glasierten Ziegeln in Doppeldeckung mit Rinnenerweiterung am Rinenwinkel aus Kupfer
Die Rinnenerweiterung am Innenwinkel sichert den kontrollierten Wasserablauf auch bei stärkerem Regen. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Dachdecker beim Einbau von Schneefangsystem im Biberschwanzdach
Dustin Stöber legt Wert auf Qualität – dazu gehört auch der Einbau von Systembauteilen. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
zwei Dachdecker beim Eindecken des Grates eines Biberschwanzdaches
Die komplette Verantwortung für die Eindeckung lag in den Händen der Jungmeister. Azubi Jannis Senger unterstützte die beiden. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
Biberschwanzdach mit Grat
Auch Gratabdeckung und Lüfter wurden vollkeramisch ausgeführt. (Quelle: Dachkonzepte Stöber)
zuletzt editiert am 11. Januar 2024