Energetische Sanierung: Ursprünglich sollte nur das Dach mit der etwas ungewöhnlichen Form erneuert werden. Die Sanierung nahm jedoch während der Planung immer größere Dimensionen an. Neben Dämmung, Dach- und Fassadeneindeckung nahm das Team von Creusen sogar die notwendig gewordenen Betonarbeiten selbst in die Hand.
Was ursprünglich als energetische Betrachtung und notwendige Dachsanierung begann, entwickelte sich im Laufe der Planung zu einem deutlich umfangreicheren Bauvorhaben. Den Grundstein legte im Jahr 2025 eine Energieberatung, um die mich die Bauherren ersucht hatten.
Mehr Ideen, höhere Ansprüche
Mit der Erarbeitung eines energetischen Sanierungskonzepts und der Einbindung öffentlicher Fördermittel eröffneten sich für die Bauherrschaft neue Möglichkeiten, das Bestandsgebäude am Wurmtal zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Mit jeder Planungsphase wuchsen dabei nicht nur die Ideen, sondern auch die Ansprüche an das Gebäude. Aus der ursprünglich vorgesehenen Dachsanierung entstanden Überlegungen zur Wohnraumerweiterung, zur Schaffung einer zweiten Wohneinheit und schließlich zur umfassenden Neugestaltung der Dach- und Fassadenflächen. Großflächige Aluminiumeindeckungen, moderne Fassadenakzente und großzügige Tageslichtlösungen rückten zunehmend in den Mittelpunkt.
Nach Abschluss der Planung und den erforderlichen Antragsverfahren bei Stadt und BAFA begann die handwerkliche Umsetzung. Über einen Zeitraum von rund sechs Monaten wurden die betroffenen Dach- und Fassadenbereiche energetisch saniert und gestalterisch neu aufgestellt. Das Ergebnis ist eine vollständig mit Holzfaser gedämmte Dachkonstruktion mit einer markanten Aluminiumdeckung, die zeigt, wie aus einer zunächst überschaubaren Sanierungsabsicht ein ganzheitliches Gebäudekonzept entstehen kann.
Holzfaser als Grundlage der energetischen Sanierung
Mit der Entscheidung, die Dachflächen nicht nur neu einzudecken, sondern auch energetisch umfassend zu sanieren, rückte der konstruktive Aufbau zunehmend in den Mittelpunkt der Planung.
Die Wahl fiel auf ein Dämmsystem aus Holzfaser, das sowohl innerhalb der Sparrenebene als auch oberhalb der Tragkonstruktion zum Einsatz kam. Ziel war es, eine möglichst durchgängige Dämmebene auszubilden, Wärmebrücken im Bereich der Sparren zu reduzieren und gleichzeitig die bauphysikalischen Eigenschaften des Dachaufbaus zu verbessern.
Neben dem winterlichen Wärmeschutz spielte dabei auch der sommerliche Wärmeschutz eine wichtige Rolle. Gerade bei der geplanten Erweiterung der Wohnnutzung und den großzügigen Tageslichtlösungen war es entscheidend, die Dachkonstruktion nicht nur auf geringe Wärmeverluste, sondern auch auf ein möglichst angenehmes Raumklima auszulegen.
Die Kombination aus Gefachdämmung und zusätzlicher Dämmschicht oberhalb der Sparren ermöglichte es, die vorhandene Konstruktion energetisch aufzuwerten, ohne den gesamten Dämmaufbau ausschließlich innerhalb der Sparrenebene unterbringen zu müssen.
Besonderes Augenmerk lag auf der sorgfältigen Ausbildung der Anschlüsse, der durchgängigen Luftdichtheitsebene sowie dem abgestimmten Feuchteschutz des gesamten Dachaufbaus. Denn gerade bei energetischen Sanierungen im Bestand entscheidet nicht allein die Dämmstoffdicke über die Qualität, sondern vor allem das funktionierende Zusammenspiel sämtlicher Schichten.
Neue Lasten, neue Anforderungen an die Tragkonstruktion
Wer ein Bestandsdach so umfangreich verändert, muss sich zwangsläufig auch mit der vorhandenen Tragkonstruktion beschäftigen. Schließlich soll das Dach nicht nur optisch und energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden, sondern auch die kommenden Jahrzehnte sicher überstehen. Daher wurde ein Tragwerksplaner hinzugezogen, der sich die gesamte Konstruktion genauer ansah und die neuen Anforderungen statisch bewertete. Dabei kamen einige Arbeiten zum Vorschein, die man bei einer klassischen Dachsanierung nicht unbedingt auf dem Schirm hat. So musste das gesamte umlaufende Fußholz erneuert und mit der darunterliegenden Stahlbetondecke neu verankert werden. Auch verschiedene Verbindungen innerhalb des Dachstuhls sowie die Wechsel für die neu geplanten Dachfenster mussten nach den Vorgaben des Statikers verstärkt und teilweise neu hergestellt werden.
Durch die deutlich vergrößerten Fensteröffnungen in den Giebelseiten waren auch umfangreichere Eingriffe in das vorhandene Mauerwerk notwendig. Neue Stahlbetonstürze mussten her, ebenso wie eine Erneuerung der Giebelkronen einschließlich der Ringanker.
Da sich unser Dachdeckerteam in den vergangenen Jahren auch im Bereich der Beton- und Rohbauarbeiten einiges an Know-how angeeignet hat, konnten wir diese Arbeiten ebenfalls selbst übernehmen. Die Schalungen wurden hergestellt, die Bewehrung nach den Vorgaben des Statikers eingebracht und die entsprechenden Bauteile anschließend betoniert.



Aluminium statt Dachziegel
Bei der Wahl der Dacheindeckung durfte es gestalterisch etwas ausgefallener werden. Während zu Beginn noch eine klassische Ziegeldeckung vorgesehen war, entschied sich die Bauherrschaft schließlich für eine Aluminium-Dachraute in Anthrazit. Die gleichmäßige Rautenstruktur verleiht dem Dach ein modernes und zugleich zeitloses Erscheinungsbild. Neben der Optik überzeugte vor allem das geringe Eigengewicht von rund 2,6 kg/m², womit die Aluminiumdeckung gegenüber klassischen Dachziegeln eine erhebliche Gewichtsersparnis mit sich bringt.
Ein weiterer Vorteil zeigte sich mit Blick auf die später vorgesehenen Photovoltaik-Anlagen. Durch die speziell auf die Dacheindeckung abgestimmten Solarhalter des Herstellers lassen sich die benötigten Befestigungspunkte flexibel in die Dachfläche integrieren. Dabei müssen die zusätzlichen Lasten selbstverständlich sicher in die Tragkonstruktion abgeleitet werden.
Handwerklich verlangte die Eindeckung vor allem bei der Einteilung der Deckflächen und den zahlreichen Anschlüssen an Dachfenster und Fassaden ein hohes Maß an Genauigkeit.
Lichtlösungen, ein Stück Draußen im eigenen Wohnraum
Bei der Planung der neuen Dachgeschosswohnung spielte neben der energetischen Sanierung auch die natürliche Belichtung eine wichtige Rolle. Ziel war es, möglichst viel Tageslicht in die Räume zu bringen und gleichzeitig eine angenehme, gleichmäßige Lichtverteilung zu schaffen.
Dafür wurden die Dachfenster und die großzügigen Giebelfenster bewusst so angeordnet, dass sie sich nicht unmittelbar gegenüberliegen, sondern das Tageslicht aus unterschiedlichen Richtungen in die Wohnräume gelangt.
Durch die Kombination aus geneigten und senkrechten Fensterflächen entstehen abwechslungsreiche Blickachsen und ein offenes Raumgefühl. Besonders die großzügigen Ausblicke lassen die Grenzen zwischen Innen- und Außenbereich ein Stück weit verschwimmen. So entstand unter dem Dach ein Wohnraum, der trotz seiner Lage im obersten Geschoss ein bemerkenswertes Gefühl von Weite vermittelt. Fast so, als würde man mitten im Grünen sitzen, statt unter einem Dach.
Der letzte Schliff für die Gebäudehülle
Auch an den Giebelflächen und den Bekleidungen unterhalb der Dachrinnen sollte die Neugestaltung nicht haltmachen. Wo zuvor eine klassische Schieferbekleidung das Bild prägte, entschied sich die Bauherrschaft für eine moderne Aluminiumfassade aus Sidings in der Farbe Bronze.
Durch die markante Oberflächenstruktur und den warmen Bronzeton entstand ein schöner Kontrast zur anthrazitfarbenen Dacheindeckung. Gleichzeitig verbinden die neu gestalteten Giebel- und Gesimsflächen die einzelnen Gebäudeteile optisch miteinander und runden das Gesamtbild ab.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 11. 2026.






