Ein Mann übergibt einem anderen Mann einen großen Strohhut während eines Banketts.
Bei der großen Tombola während des Festabends wechselten die Vogelhäuschen ihre Besitzer: Ehrenobermeister Rainer Edier (l.) freut sich über seinen Gewinn. (Quelle: DDH)

Markt 2026-05-13T12:00:17.076Z Sonnenkinder und Wettermenschen

Büsum: Für den 63. Landesverbandstag der Dachdecker Schleswig-Holstein luden die Reetdachdecker anlässlich ihres 80. Geburtstages an die Nordsee ein. Trotz schwerer globaler und politischer Lage sind die Dachdecker wirtschaftlich noch gut aufgestellt. Landesinnungsmeister Torsten Kriedemann inspirierte die Teilnehmer mit einer engagierten Rede und ermunterte zu Optimismus.

Die öffentliche Tagung fand in den Seminarräumen des Watt´n Hus statt, wo Jörn Arp, Präsident der Handwerkskammer Flensburg, und Björn Felder, Präsident Handwerk Schleswig-Holstein e.V., die Grußworte sprachen. Beide stellten die herausragende Stellung der Dachdecker bezüglich der Energiewende heraus und lobten die beeindruckende Verbindung von Tradition und Innovation.

Beschäftigungshoch im Norden

Das Handwerk erweist sich insbesondere in den zurückliegenden zehn Jahren als Rückgrat und zugleich Motor der deutschen Wirtschaft, konstatierte Landesinnungsmeister Torsten Kriedemann in seinem Jahresbericht. In seinem fundierten Beitrag forderte er, dass Politik und Presse für die Menschen arbeiten müssten – genau wie das Handwerk. Das wird für Menschen gemacht. Es wird allerdings immer mehr Last auf die Schultern der arbeitenden Bevölkerung gelegt. Unabhängig von der tatsächlichen wirtschaftlichen Verfassung des Handwerks befindet sich die allgemeine Stimmungslage auf dem Tiefpunkt. „Ich möchte Sie bitten, begleiten Sie mich auf dem Weg aus dieser miesen Stimmung heraus. Kommen Sie mit in die Zukunft und sehen Sie sich an, was wir gerade in der jüngsten Vergangenheit auf den Weg gebracht haben“, ermunterte Kriedemann seine Zuhörer. Positive Entwicklungen sind sichtbar, Veränderungen sind da und werden langsam spürbar sein. Der Fokus muss darauf liegen, zu mehr Leistungsgerechtigkeit zurückzukehren, damit den Menschen wieder mehr Netto vom Brutto bleibt. Hier erweist sich das Dachdeckerhandwerk wieder als Vorreiter, erklärte der Dachdeckermeister. Allein in Schleswig-Holstein wurden die Beschäftigenzahlen in den letzten 15 Jahren um 41 Prozent gesteigert. Dazu müssen Nachwuchskräfte ausgebildet werden, sonst ist langfristiger Erfolg nicht mehr gewährleistet. Mit Dankesworten an das Ehrenamt und einem malerisch positiven Bild schloss Torsten Kriedemann seinen Bericht: „Wir sind die Sonnenkinder und Wettermenschen, die wissen, wie man ein Gebäude warm und wetterdicht bekommt. Wir fangen nun auch noch die Sonne und den Regen ein, sperren Kälte, Hitze und die Witterung aus.“

Präsident Dirk Bollwerk überbrachte Neuigkeiten vom ZVDH und stellte die Task-Force Gebäudetechnik vor. Das Dachdeckerhandwerk allein ist zu klein, um im politischen Berlin Gehör zu finden. Die „Einsatztruppe“ ist der Weg des Handwerks, durchzudringen, hörbar und sichtbar zu sein. Auch er verwies auf vielversprechende Entwicklungen im Dachdeckerhandwerk, wie der Leitfaden PV, die steigenden Azubizahlen und das Alleinstellungsmerkmal der Fachregeln, „die nur von Leuten aus unserer Mitte erstellt werden“.

Flachdachrichtlinie geht eher ins Detail als die Norm

Jan Redecker, Leiter Technik des ZVDH, erklärte mit Blick auf die neue Flachdachrichtlinie, dass der Text der Grundregel jetzt in jeder Fachregel steht. Es gibt viele beispielhafte Abbildungen, die aber nicht als Ausführungszeichnungen zu verstehen sind. Der Begriff der Behelfsabdichtung wurde aus der Grundregel übernommen und ergänzt durch den Hinweis, dass Dampfsperren, die die Funktion einer Behelfsabdichtung übernehmen sollen, nach planerischen Vorgaben ausgeführt werden müssen. Das muss sich allerdings auch in der Vergütung ausdrücken. „Wir gehen mit der Flachdachrichtlinie eher ins Detail als die Norm“, so Redecker.

Er wies auf kleine Verbesserungen und Nachjustierungen hin: Ergänzungen gab es zum Beispiel bezüglich der Pfützen, der besonderen Leistungen, der Regeneration oder der lastverteilenden Schichten. Weiterhin gibt es etliche kleine Änderungen, die den Arbeitsalltag erleichtern sollen. „Über die Flachdachrichtlinie zu sprechen, ohne das Gefälle zu erwähnen, wäre vielleicht für den Referenten ratsam, aber nicht möglich“, unkte Redecker und betonte diesbezüglich auch die Wichtigkeit modaler Hilfsverben. Eine gezielte und transparente Absprache in der Planungsphase ist essenziell in Bezug auf das ausgeführte Gefälle. Er ging auf den Unterschied der barrierefreien Anschlüsse im Vergleich mit der Abdichtung an Terrassentüren ein und stellte klar: „Für diese Anschlüsse sind nur Flüssigkunststoffe geeignet. Bahnenförmige Abdichtungen können nur mit Los-Festflansch-Konstruktionen angeschlossen werden.“

Demografie, Immobilien und Soziales

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen legte seine Finger in die Wunde des Mittelstandes. „Wir haben die höchsten Steuerquoten und Beiträge, die wir jemals hatten", klagte er. Er forderte auf, die Verantwortlichen in der Politik zu fragen, warum sie nicht mit den Einnahmen auskommen, zumal die Leistungen geringer sind. „Ein Drittel der Wertschöpfung wird für diejenigen ausgegeben, die nie daran beteiligt waren. Wir brauchen Leute wie Sie, die wissen, wie die Verbindung von Kopf und Hand läuft“, bekräftigte der Statistiker. „Wir müssen das Image des Handwerks stärken und Handwerksberufe wieder attraktiv machen.“ Die Grundsicherung sollte nicht passivieren, sondern aktivieren. Jeder kann einen Beitrag leisten, und wo das nicht ausreicht, ist eine ergänzende, gezielte Unterstützung zu gewähren. Die Energiewende und die Bildungspolitik brauchen deutlich mehr Effizienz und Praxisorientierung; parallel ist eine klare Wachstumsstrategie nötig, die unternehmerische Freiräume fördert. Bürokratieabbau ist nur dann nachhaltig möglich, wenn Aufgaben und Personal in den Verwaltungen und überflüssige Doppelstrukturen abgebaut werden. Verantwortungsvolle Familien- und Sozialpolitik ist zentral für die Zukunft unseres Renten- und Pflegesystems. „Sie haben kein Problem mit der Altersvorsorge, Sie sind das Problem“, machte Raffelhüschen mit Ironie deutlich.

Neuer Online-Auftritt

Mit der Vorstellung der neuen Webseite des Landesinnungsverbands und deren Entstehung endete die Fachtagung. Heinrich Nissen, Geschäftsführer der Wittkiel Gruppe, erklärte mit seinen Mitarbeitern Rick Juling und Ahmad Alhasan, wie die Dachdecker Social Media als Werkzeug für den Nachwuchs nutzen können und müssen. Die Webseite, die nun schneller, einfacher und übersichtlicher ist, ist die beste Infobasis für Berufseinsteiger und deren Familien. Selbstverständlich kam auch die KI noch zur Sprache. Sie kann zwar kein Dach decken, aber sie ersetzt Zeitfresser, wie die IT-ler mit Livebeispielen etwa Stellenanzeigen, Social-Media-Posts oder freundlichen Mahnungen dokumentierten.

Ein Konferenzraum mit einem Strohmodell im Vordergrund und einer Gruppe von Menschen im Hintergrund.
Volles Haus, gute Stimmung und tolle Umgebung: Die Reetdachdecker-Innung feierte ihren 80. Geburtstag auf dem Landesverbandstag in Büsum. (Quelle: DDH)
Ein Mann hält eine Präsentation über das Dachdeckerhandwerk auf einer Bühne.
Jan Redecker informierte erneut über die kleinen und größeren Änderungen in der neuen Flachdachrichtlinie. (Quelle: DDH)
Zwei Männer bei einer Preisverleihung des Dachdeckerverbands Schleswig-Holstein.
Prof. Dr. Raffelhüschen (l.) sorgt sich um das Land, das sich über 200 Professuren fürs Gendern leistet, aber keine mehr für Kernspaltung. Torsten Kriedemann und die Zuhörer signalisierten weitestgehend ihre Zustimmung. (Quelle: DDH)
Eine Frau hält eine Präsentation über das Dachdeckerhandwerk in Schleswig-Holstein, während ein Mann daneben steht.
Obermeisterin Katrin Jacobs freute sich über die große Besucherzahl zu „ihrem“ Verbandstag. Axel Reink-Schürmann, Obermeister von der Dachdecker-Innung Westküste, lud für 2027 ein. (Quelle: DDH)
zuletzt editiert am 13. Mai 2026