Ein Tortendiagramm zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zu Konflikten mit verschiedenen Auftraggebern. Private Auftraggeber haben den höchsten Anteil mit 71 %, gefolgt von gewerblichen Auftraggebern mit 56 % und öffentlichen Auftraggebern mit 35 %.
Quelle: ZVDH

Markt 2026-05-26T10:24:37.972Z Liefersituation und Materialpreise bleiben für Dachdeckerbetriebe ein Belastungsfaktor

Über 700 Innungsbetriebe – und damit rund 10 Prozent der insgesamt circa 7.000 Dachdeckerbetriebe – haben sich Ende April an einer aktuellen Umfrage zur Materialverfügbarkeit, Liefersituation und Preisentwicklung beteiligt. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Lieferverzögerungen und Unsicherheiten bei Terminen und Preisen sind weiterhin spürbar und wirken sich in vielen Betrieben direkt auf die Bauausführung und die Kommunikation mit Auftraggebern aus.

Lieferverzögerungen weit verbreitet

Ein Großteil der teilnehmenden Betriebe berichtet, dass es in den letzten vier Wochen zu Lieferverzögerungen gekommen ist. Zwei Drittel der Betriebe gaben an, betroffen gewesen zu sein. Nur ein Drittel meldete noch keine Verzögerungen. Aus den Kommentaren wird aber deutlich, dass auch von denjenigen, die zum Zeitpunkt der Umfrage (22. April 2026) noch nicht betroffen waren, Verzögerungen befürchtet werden. Auch die Häufigkeit zeigt, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt: Von den betroffenen Betrieben berichteten 60 Prozent von vereinzelten Verzögerungen. 30 Prozent hatten häufig Probleme, während rund 10 Prozent von durchgehenden Verzögerungen sprachen.

Produktionsabläufe geraten unter Druck

Lieferprobleme bleiben nicht ohne Folgen. Viele Betriebe gaben an, dass es infolge fehlender Materialien zu Verzögerungen in der Bauausführung kam. Teilweise mussten Baustellen sogar vollständig unterbrochen oder einzelne Leistungen verschoben werden. Damit steigen nicht nur organisatorischer Aufwand und Kosten, sondern auch der Kommunikationsdruck gegenüber Bauherren und Auftraggebern.

Betroffene Materialien: breite Streuung

Besonders auffällig ist, dass die Engpässe nicht auf einzelne Produktgruppen begrenzt sind. Die Nennungen zeigen vielmehr eine breite Streuung über verschiedene Materialbereiche hinweg – von klassischen Dachbaustoffen bis hin zu Komponenten für energetische Sanierung und technische Systeme. Dies erschwert die Planung zusätzlich, da Ausweichprodukte nicht immer verfügbar oder technisch zulässig sind.

Ein Tortendiagramm zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zur Verlässlichkeit von Lieferzusagen im April 2026. Die Kategorien sind verlässlich, eingeschränkt verlässlich und kaum verlässlich.
Quelle: ZVDH

Lieferzusagen und Preisangebote oft nicht mehr verlässlich

Ein zentrales Problem bleibt die mangelnde Planbarkeit: Betriebe berichten, dass bereits zugesagte Liefertermine nachträglich verschoben oder sogar storniert wurden. Auch die Frage nach verbindlichen Preisangeboten zeigt eine deutliche Unsicherheit im Markt. Gerade bei länger laufenden Bauvorhaben wird dies zum Risiko, weil Kalkulationen und Angebotspreise unter hohem Anpassungsdruck stehen. Preisbindungen, wie sie früher üblich waren, sind in vielen Fällen nicht mehr realistisch umsetzbar.

Konflikte mit Auftraggebern nehmen zu

Lieferverzögerungen und Preissteigerungen führen zunehmend zu Konflikten mit Auftraggebern. In vielen Fällen entsteht zusätzlicher Erklärungsbedarf, etwa wenn Bauzeiten nicht eingehalten werden können oder Mehrkosten weitergegeben werden müssen. Dies betrifft sowohl private als auch gewerbliche und öffentliche Auftraggeber – mit spürbaren Auswirkungen auf die Betriebsorganisation. Viele Betriebe berichten, dass Preisgleitklauseln bei Preiserhöhungen von bis zu 50 Prozent schlicht nicht durchsetzbar seien, auch wenn sie vertraglich vereinbart seien.

Fazit: Betriebe brauchen mehr Sicherheit und bessere Vertragsgrundlagen

Die Ergebnisse machen deutlich: Auch wenn sich einzelne Lieferketten punktuell stabilisieren, bleibt die Gesamtsituation angespannt. Die Betriebe kämpfen weiterhin mit Verzögerungen, Unsicherheiten bei Terminen und Preisen sowie zunehmenden Konflikten im Projektablauf. Für die Praxis wird damit erneut deutlich, wie wichtig belastbare vertragliche Regelungen sind – insbesondere zu Lieferfristen, Preisgleitklauseln und Nachtragsregelungen. Gleichzeitig bleibt eine enge Abstimmung mit Lieferanten notwendig, um Baustellenabläufe möglichst stabil zu halten.

Maßnahmenpaket des ZVDH

Das Präsidium und die Geschäftsführung des ZVDH haben sich auf ein erstes Maßnahmenpaket verständigt.

Dieses Paket verfolgt drei Ziele:

  • konkrete Hilfestellung für Betriebe in akuten Problemfällen,

  • Information über die rechtlichen Rahmenbedingungen und mögliche Strategien,

  • Einleitung rechtlich unkritischer Gespräche zur Versorgungssicherheit.

Die Ergebnisse der bundesweiten Abfrage liefern eine hinreichende Grundlage für erste Maßnahmen. Im Vordergrund stehen nun konkrete Unterstützungsangebote. Die Innungsbetriebe finden im internen Bereich direkt auf der Startseite unter der Kachel „Materialkrise“ eine Übersicht mit Ergebnissen aus der Umfrage sowie folgende Dokumente:

  • Checkliste für Betriebe bei Lieferstörungen
  • ZVDH-Praxisleitfaden Musterformulierungen und Anwendungshinweise für Betriebe bei Lieferstörungen und Marktverwerfungen
  • Hinweise zur Meldung gravierender Einzelfälle
  • Hinweise für Einzelgespräche mit Marktakteuren zur Liefersituation
  • ZVDH-Infoblatt: Was tun bei unvorhergesehenen Preiserhöhungen?

Dieses Maßnahmenpaket zielt ausschließlich auf die Unterstützung einzelbetrieblicher Strategien zum Umgang mit der aktuellen Marktentwicklung und nicht auf koordinierte Marktintervention. Parallel führt der ZVDH auf Grundlage der Umfrageergebnisse Gespräche zur Versorgungssicherheit. Gegenstand solcher Gespräche sind ausschließlich:

  • allgemeine Versorgungslage und Verfügbarkeitsentwicklungen,
  • Frühwarn- und Informationsmechanismen bei Lieferstörungen,
  • technische Verfügbarkeits- und Substitutionsfragen,
  • Verbesserung von Kommunikation in Störungslagen.

Ausdrücklich nicht Gegenstand solcher Gespräche sind Preise, Preisentwicklungen, Beschaffungsstrategien oder abgestimmtes Marktverhalten. In besonders kritischen Einzelfällen sollten die Mitgliedsbetriebe über die Landesverbände und Innungen gravierende Einzelfälle an den ZVDH melden. Um festzustellen, ob und inwieweit sich die Versorgungslage verändert hat und möglicherweise weitergehende Maßnahmen notwendig sind, ist eine weitere Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben geplant.

ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk: „Die Situation ist noch beherrschbar, aber viele Betriebe befürchten, dass sich die Situation verschlimmern wird, erste Betriebe planen bereits Kurzarbeit.“

(Quelle: ZVDH)

zuletzt editiert am 26. Mai 2026
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