Harald Lüdtke, Geschäftsführer Soudal Deutschland, im Hintergrund das Lager. (Quelle: Soudal)
„In der aktuellen Silikonkrise kommt es darauf an, gemeinsam mit den Anwendern die richtige Alternativ-Technologie zu ermitteln und die entsprechenden Produkte verfügbar zu haben“, sagt Harald Lüdtke, Geschäftsführer Soudal Deutschland. (Quelle: Soudal)

Markt

12. October 2021 | Teilen auf:

Engpass bei Silikon

Für Silikone sind nicht nur hohe Preisanstiege unausweichlich, es ist auch mit Lieferausfällen zu rechnen.

Der aktuelle Mangel an Siliziummetall, dem wichtigsten Rohstoff für Silikonpolymer und Silikonöl, ist alarmierend. Die Anzahl an Force-Majeure-Meldungen zu Siliziummetall steigt. Sie sind auf den derzeit stark limitierten chinesischen Markt zurückzuführen. Das hat dramatische Folgen für die Produktion und die Lieferfähigkeit von Silikonprodukten für bauchemische Anwendungen.

Lieferfähig bleiben

Soudal setzt auf Kommunikation und hat seine Kunden sofort über die Auswirkungen der Rohstofflage informiert. „Wir sind mit einer besorgniserregenden Situation konfrontiert, wie es sie auf dem Silikon-Markt bisher noch nie gab. Wir tun alles dafür, um lieferfähig zu bleiben und diese Krise mit verschiedenen Mitteln zu überbrücken. Dazu zählt neben dem Ausweichen auf Alternativen eine Preiserhöhung bei Silikonen. Sie ist leider unvermeidbar, da die Rohstoffpreise täglich drastisch steigen“, erklärt Harald Lüdtke, Geschäftsführer Soudal Deutschland.

Je nach Anwendungssituation empfiehlt Soudal als Alternative zu Silikon passende Acrylate, Hybridpolymere oder PU-Schäume aus seinem umfangreichen Sortiment (Quelle: Soudal)

Andere Technologien als Alternative

Der große Vorteil von Soudal in dieser Situation ist die breite Aufstellung und das tiefe Angebotsspektrum. Soudal beherrscht, nach eigenen Aussagen, eine Vielzahl von Dichtstofftechnologien auf unterschiedlichster Werkstoffbasis. Gibt es Engpässe bei einer Produktgruppe, hat das Unternehmen, nach eigenen Angaben, Alternativen parat. „Unser Pluspunkt ist, dass wir im Gegensatz zu anderen Herstellern unseren Kunden alternative Technologien für Silikon anbieten können. Die Koordination der umgeleiteten Mengenströme wird allerdings eine Herausforderung werden“, so Harald Lüdtke. Je nach Einsatzzweck kann ein hochwertiges Acryl oder ein Hybridpolymer wie Soudaseal® oder Fix All® ein Silikon ersetzen. Hybridpolymere kleben bauübliche Materialien auf nahezu allen Untergründen und können aufgrund ihrer Flexibilität auch zum Abdichten und Verfugen verwendet werden. Polyurethan kann ebenfalls eine Alternative für Silikon sein.

Angesichts der Rohstoffknappheit appelliert das Unternehmen, Silikon sparsam einzusetzen und – wo möglich – auf die angebotenen Alternativen auszuweichen. Soudal rät auch dringend von Hamsterkäufen ab. Momentan ist nicht abzusehen, ob und wann sich der Rohstoffmarkt von der aktuellen Lage erholen wird. Der Hersteller arbeitet bereits seit Längerem an weiteren Alternativ-Technologien, die unabhängiger von Rohstoff-Engpässen machen und sich zugleich als nachhaltig und zukunftsfähig erweisen sollen.

Gründe für den weltweiten Rohstoffmangel für Silikone

Verschiedene Ursachen führen zu der angespannten Situation für Silikone. Derzeit ist in China die Produktion von Siliziummetall, dem wichtigsten Rohstoff für Silikonpolymer und Silikonöl, stark eingeschränkt. Silizium ist als zweithäufigstes Element auf der Erde zwar ausreichend vorhanden, jedoch mangelt es derzeit an Energie für die Rohstoff-Gewinnung. Das liegt vor allem daran, dass die chinesische Regierung vielerorts die Energiezufuhr um bis zu 90 Prozent reduziert hat. Der Grund ist in den strengen Vorgaben der chinesischen Führung zur Emissionsreduzierung zu sehen. In der Folge müssen sich Hersteller von chemischen Grundstoffen auf höhere Gewalt berufen (Force-Majeure-Meldungen). Zusätzlich sind Lieferketten durch eingeschränkte See- und Landfrachtwege unterbrochen. Das alles bewirkt die momentane schwierige Marktsituation.