Solar: Wie der erfolgreiche Einstieg in die Solarbranche für die Betriebe aussehen kann, zeigt das Beispiel von Coletta Giltz aus Xanten in Nordrhein-Westfalen. Für die Dachdeckermeisterin sind es im Rückblick fünf Schritte, die für die Transformation ihres Betriebes entscheidend waren.
Photovoltaik ist für Dachdecker und Dachdeckerinnen alles andere als eine neue Technologie. Aufdachanlagen gehören hier seit Jahrzehnten in den Arbeitsalltag. Auch für Giltz, die 2017 ihre Meisterschule abschloss, war der Bau von Unterkonstruktionen und das spätere Anbringen von PV-Modulen an der Tagesordnung. „Zu dieser Zeit liefen die Aufträge immer über einen Heizungsbauer oder in Kooperation mit Solarteuren“, beschreibt die 37-Jährige. Zu Beginn der Pandemie entschied sie sich mit ihrem Geschäfts- und Lebenspartner dazu, in die nächste Phase aufzubrechen: „Wir wollten nicht länger nur mitmachen, sondern unseren Kunden proaktiv PV-Lösungen anbieten, energetische Dachsanierungen forcieren und unser Team dementsprechend weiterbilden.“
Expertise aufbauen
Ist die Entscheidung getroffen, beginnt der für Giltz wichtigste Schritt beim solaren Aufbruch. Für die Unternehmerin galt es, sich neues Wissen anzueignen. „Das Feld der Solartechnologie ist weit. Wer hier erfolgreich und vor allem seriös mitspielen will, braucht ein Grundverständnis, das über das Anbringen von PV-Modulen hinausgeht“, sagt Giltz. Im Januar 2021 startete sie mit der Weiterbildung zur Gebäudeenergieberaterin, im Jahr darauf folgte der Photovoltaik-Manager im Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks, am BBZ Mayen. „Rückblickend habe ich hier die wichtigsten theoretischen Werkzeuge, die ich bis heute im Alltag brauche und anwende, erlernt. Besonders geholfen hat dabei vor allem, dass fast alle Teilnehmer ebenfalls Dachdecker waren. Verständigungsprobleme waren demnach ausgeschlossen. Die Kontakte, die ich in dieser einen Woche gemacht habe, bestehen bis heute“, so Giltz. Beendet sei der Aufbau ihrer Expertise damit aber nicht: „Jeder Kunde hat andere Bedürfnisse, neue Technologien verändern den Markt stetig. Ausgelernt gibt’s hier nicht.“
Neue Partner finden
Ein neues Geschäftsfeld bedeutet auch immer neue Partnerschaften und den Ausbau bestehender Partnerschaften. So auch bei Giltz und ihrem Team. Auf Nachfrage eines Kunden kam Giltz 2022 erstmals mit dem Solardachziegel-System von Autarq in Kontakt. Das Brandenburger Climate-Tech-Unternehmen veredelt Standard-Tondachziegel der Traditionshersteller Jacobi-Walther und Creaton zu Solardachziegeln. Mit dem patentierten Kabelbaum bilden sie eine gebäudeintegrierte PV-Lösung, die in sicherer Kleinspannung arbeitet und sich optisch kaum von traditionellen Dächern unterscheidet. Für Giltz bedeutet die Technologie die Möglichkeit, innovative Solarlösungen anzubieten, ohne dabei auf die Kooperation mit Solarteuren oder anderen Betrieben angewiesen zu sein. „Ich habe Kontakt mit dem Außendienst von Jacobi-Walther aufgenommen und kurze Zeit später meine erste Baustelle mit einem Lehrverleger von Autarq gemacht“, erzählt Giltz.

Zum Berater werden
Mit den Solardachziegeln hatte Giltz die für sich und ihren Betrieb attraktivste Lösung gefunden. In einem 1,5-tägigen Workshop mit zehn weiteren Dachdeckerbetrieben vertiefte Giltz gemeinsam mit ihrem Team ihre ersten Erfahrungen und erlernte die Montage des Autarq-Systems an einem auf Kniehöhe gelegten Dachstuhl. „Wer seine Kunden erfolgreich beraten möchte, muss schlichtweg zum Experten werden“, sagt sie. „Wir bekommen Aufträge, wenn wir unsere Kunden überzeugen. Das bedeutet auch, auf ihre ganz individuellen Bedürfnisse, Fragen und Bedenken zu reagieren. Die Solardachziegel ermöglichen es uns, unser handwerkliches Fachwissen mit einer Solartechnologie zu verbinden und anzuwenden. Wir können damit komplexe Lösungen für jedes Dach finden und haben damit ein echtes Alleinstellungsmerkmal in unserer Region.“
Technologie implementieren
Die neue Technologie gilt es dann in die Arbeitsabläufe des Teams zu implementieren. Wie unterscheidet sich eine Baustelle mit Autarq-System von anderen? „Der Stylist-PV von Jacobi-Walther, der auf der Autarq-Technologie basiert, ist uns als Produkt sehr vertraut. Das bedeutet, dass im Grunde alles gleich bleibt: Maße, Planungsanforderungen, Statik, Handhabung und Bezugswege“, beschreibt Giltz. „Auch die Montage ist schnell verinnerlicht, da sich das Produkt gut in die Arbeitsschritte integriert. Steht der Dachstuhl, wird der Kabelbaum bei unkomplizierten Dächern in der Regel innerhalb eines Arbeitstages verlegt. Damit ist das Dach komplett vorbereitet. Beim Verlegen stecken wir dann lediglich das Kabel am Solardachziegel in den Kabelbaum. Das dauert nicht länger als zehn bis 15 Sekunden“, so Giltz.
Sichtbarkeit schaffen
Ist die Entscheidung getroffen, die Expertise aufgebaut und die neuen Partner gefunden, heißt es nicht zuletzt, diesen Fortschritt auch nach außen zu kommunizieren. Das Online-Angebot muss auf der Webseite dementsprechend erweitert werden. Auch erfolgreiche Projekte können hier oder auf Social Media gezeigt werden. „Wer als proaktiver Player in der Solarbranche wahrgenommen werden möchte, muss das natürlich auch zeigen“, fasst Giltz zusammen.