Die Vereinbarkeit von strengem Denkmalschutz und moderner Energiegewinnung durch Solardächer gilt oft als unlösbare Herausforderung. In der Salzburger Altstadt, einem UNESCO-Weltkulturerbe, gelingt nun ein historischer Präzedenzfall: Ein historisches Gebäude erhält ein vollständig integriertes Solardach.
Realisiert wird das Projekt von Architekturbüro Strobl Architekten in Zusammenarbeit mit dem Solardach-Hersteller Roofit.Solar. Dies markiert einen historischen Meilenstein, da es sich um die einzige Photovoltaik-Lösung handelt, die in der streng geschützten Salzburger Altstadt zugelassen wurde - Solarlösungen waren dort in denkmalgeschützten Ensembles bislang konsequent untersagt. Dem Projekt ging ein langer und intensiver Austausch mit der zuständigen Altstadtschutzkommission voraus, da dem Dach eine immense architektonische Bedeutung als „zweitwichtigste Fassade“ beigemessen wurde. Aufgrund der starken Höhenunterschiede in Salzburg sind die Dächer von den Aussichtspunkten der umliegenden Stadtberge aus ebenso permanent sichtbar wie die straßenseitigen Fassaden und prägen das historische Panorama maßgeblich. “Wir sind der festen Überzeugung, dass jedes Haus ein Energieproduzent und nicht nur ein Energiekonsument sein sollte”, erklärt Architekt Michael Strobl. “Das Dach wurde seit 60 Jahren nicht erneuert. Es ist wichtig, jetzt, wo das technische Know-how vorhanden ist, die richtige Entscheidung zu treffen, damit die nächste Generation von einem nachhaltigen und soliden Objekt profitiert.”
Der Schlüssel zur Genehmigung lag in der maßgeschneiderten ästhetischen Anpassung der Technologie. Roofit.Solars integrierte 2-in-1-Solardachmodule, die seit 2025 in verschiedenen Farben verfügbar sind, eröffneten neue Möglichkeiten. Die Wahl fiel schließlich auf eine eisengraue Oberfläche. Das Sanierungsprojekt umfasst eine Gesamtdachfläche von 330 m² mit einer installierten Leistung von 28,5 kWp, die das historische Gebäude künftig hocheffizient mit sauberem Strom versorgt. Das System erhält den ursprünglichen Charakter traditioneller Falzdächer. “Ein großer Vorteil ist, dass jeder Spengler mit den gängigen Techniken der Blechdächer damit umgehen kann und die Instandhaltung des Solardaches dadurch enorm vereinfacht wird”, betont Strobl. Andres Anijalg, CEO und Gründer von Roofit.Solar, sieht in dem Projekt eine Bestätigung der 2025 neu eingeführten Produktfarben: “Wir wollten neue Gestaltungsmöglichkeiten für Gebäude ermöglichen, bei denen herkömmliche schwarze Solarmodule aufgrund gesetzlicher Vorschriften, ästhetischer Vorgaben oder denkmalpflegerischer Anforderungen nicht geeignet sind. Das Projekt in Salzburg unterstreicht, dass Solarenergie und Denkmalschutz Hand in Hand gehen können.”
Für die Umsetzung zeichnet die Spenglerei und Dachdeckerei Nimmervoll-2 verantwortlich.
