Photovoltaik: Die meisten PV-Schäden entstehen durch Planungs- und Montagefehler am Dach – konkret durch mangelhafte Regensicherheit, ungeeignete Montagesysteme und ungenügende Dokumentationen. Wir beschreiben, wie PV-Nachrüstungen die bauphysikalischen Risiken auf dem Dach verändern und welche Hilfe das Merkblatt Solar Dachdeckern bietet.
Für den Tauwasserschutz stehen drei gleichwertige Nachweiswege zur Verfügung. Welcher gewählt wird, richtet sich nach Konstruktion und Randbedingungen; alle drei Wege sind im Merkblatt genannt, normativ verankert und als gleichwertig anzusehen.
Drei Nachweiswege – kurz erklärt
Hygrothermische Simulation (projektbezogen): Wissenschaftliche Berechnungsart, die Wärme- und Feuchtetransport zeitabhängig abbildet. Sie kann alle standortbezogenen Parameter (Klima, Ausrichtung, Verschattung), Materialkennwerte, sd-/R-Werte, Dickenverhältnisse der Wärmedämmungen und die Lage der Luftdichtheit berücksichtigen. Sie ist immer dann der richtige Weg, wenn Randbedingungen vom Standard abweichen oder detailliert bewertet werden müssen. (Als Verfahren in DIN 4108-3 vorgesehen.)
Glaser-Verfahren (Periodenbilanz): Normativ definiertes Vereinfachungsverfahren auf Monatsbasis; betrachtet primär Diffusion. Es ist nur für klar umrissene Konstellationen zulässig. Nicht anwendbar ist Glaser unter anderem bei gedämmten, nicht belüfteten Holzdachkonstruktionen mit Metalldeckung oder Abdichtung auf Schalung ohne Hinterlüftung sowie weiteren in DIN 4108-3 genannten Fällen. In solchen Konstellationen stößt Glaser an Grenzen und darf nicht eingesetzt werden.
Nachweisfreie Bauteile (Beispielaufbauten gemäß Merkblatt): Eine kuratierte Sammlung vorgeprüfter Standardaufbauten: Werden die vorgegebenen sd-Werte, R-Werte/Materialarten, das Dickenverhältnis der Dämmungen und die Lage der Luftdichtheit exakt eingehalten, ist kein projektspezifischer Rechennachweis nötig; die Anforderungen an Wärme-/Feuchteschutz und DIN 68800-2 (Holzschutz) sind damit abgedeckt. Diese Beispiele wurden im Rahmen der Regelwerksarbeit hygrothermisch überprüft (inklusive Parameter wie Ausrichtung, Verschattung, Absorptionsgrad), um praxisnahe Standardisierungen zu ermöglichen.
Nachweisfreie Bauteile und Konstruktionen sind die Spielwiese der Dachdecker – mit klaren Regeln.
Michael Zimmermann
Aber, da PV-Aufdachanlagen nicht geprüft wurden, gilt die Nachweisfreiheit nur für die definierten Randbedingungen – einschließlich des Absorptionsgrads der Dacheindeckung.
PV-Module verschatten und kühlen die Dachfläche spürbar
Einen guten Anhalt liefern die aktuellen Mess- und Simulationsdaten des Fraunhofer Instituts für Bauphysik. Die Auswertungen zeigen: PV-Module verschatten und kühlen die Dachfläche spürbar. In den Sommermonaten lag die Unterdach-Temperatur (gemessen in der Mitte des Daches zwischen Traufe und First) unter den Modulen bei Stundenmittelwerten bis zu circa 15,5 K unter der Südseite ohne Module– und immer noch rund 4,5 K unter der Nordseite (Abb. 1).

Die niedrigere Temperatur senkt den Dampfdruck und schwächt die sommerliche Rücktrocknung. In einer Simulation für eine von innen sanierte Altbaukonstruktion bei einer außen aufgebrachten Bitumen-Unterdeckbahn mit hohem Diffusionswiderstand stiegen dadurch die Wassergehaltsspitzen der Schalung auf etwa +5 M.-% über der Variante ohne PV-Module. Die oft verwendete Nordannahme lag im Vergleich rund 3 M.-% darunter – sie ist also nicht konservativ. Das WTA-Verfahren 6-8 (für Flachdächer) erwies sich für Steildächer als zu streng: Ab Jahr 3 wurden > 20 M.-% erreicht, ab Jahr 6 lagen die Spitzen mehr als 5 M.-% über dem realistischen PV-Verlauf. Zudem zeigte sich: Beim kritischen Aufbau (außen diffusions- bzw. dampfdichten Zusatzmaßnahmen oberhalb der Sparren) kann der Richtwert von 20 M.-% bereits im 2. Jahr überschritten werden (Abb. 2).

Besonders sensible Konstruktionen mit PV sind:
- Innen nachträglich gedämmte Dächer ohne Überdämmung der Sparren (fehlende „Puffer“-Wirkung der oberen Dämmebene – höhere Spitzen, geringere Toleranzen).
Bewährte Konstruktionen wählen, die im eigenen Betrieb nachweislich gut funktionieren
Der ZVDH begleitet die DIN-Weiterarbeit und informiert die Betriebe, sobald belastbare Regeln für „Steildach + PV“ vorliegen. Parallel entwickelt das Fraunhofer IBP ein validiertes Simulationsmodell (Ziel: Einsatz ab 2026). Im besten Fall werden die nachweisfreien Konstruktionen künftig um Varianten mit PV-Anlagen ergänzt, als praxistaugliche Standardaufbauten.
Bis dahin gilt: fehlertolerante, bewährte Konstruktionen wählen, die im eigenen Betrieb nachweislich gut funktioniert haben.
Empfehlungslinie A – Energetische Dachsanierung
Bei der energetischen Dachsanierung von außen bietet der Aufbau die größte Hebelwirkung. In vergleichbaren IBP-Szenarien blieb die Dachsanierung von außen mit Aufsparrendämmung + diffusionsoffener UDB langfristig unkritisch, auch mit einer PV-Anlage. Bewährt haben sich einfache, robuste Konstruktionen: Zwischensparrendämmung plus Aufsparrendämmung mit diffusionsoffener Unterdeckbahn. Das Dämmstärken-Verhältnis ist in Anlehnung an die nachweisfreien Konstruktionen des Merkblatts zu wählen; anstelle einer Minimalvariante wird bewusst eine etwas dickere Aufsparrendämmung als die untere Regelwerksgrenze empfohlen – das erhöht die Fehlertoleranz und verbessert die Rücktrocknungsreserve (Abb. 4).

Die Luftdichtheitsschicht wird dort geführt, wo An- und Abschlüsse am einfachsten und dauerhaftesten herzustellen sind: auf den Sparren/zwischen den Dämmebenen. sd-Werte der Dampfbremse/Luftdichtheit und der Unterdeckbahn sind moderat zu wählen. Leitprinzip: so diffusionsdicht wie nötig, so offen wie möglich – und von innen nach außen zunehmend diffusionsoffener werden; maßgeblich ist weniger der winterliche Diffusionseintrag als die Rücktrocknung im Sommer. Feuchtevariable Dampfbremsen haben sich hierbei praxisbewährt. Da die Dächer in der Regel nicht vollflächig mit Modulen belegt werden, bleibt der Strahlungsabsorptionsgrad der Deckung ein Planungsparameter (Vorgabe: α ≥ 0,6 dunkel/oxidiert, Abb. 5).
Bei Unsicherheit empfiehlt sich eine objektbezogene hygrothermische Simulation; einige Hersteller bieten hierfür Service-Berechnungen an.

Empfehlungslinie B – PV-Nachrüstung auf Bestandsdächern (ohne energetische Gesamtsanierung)
Risikobehafteter als bei einer vollständigen energetischen Sanierung ist die Nachrüstung einer PV-Anlage auf dem Bestandsdach.
Besonders kritisch sind:
- innen nachträglich gedämmte Dächer ohne Überdämmung der Sparren sowie
Was zeigen die IBP-Ergebnisse in Kurzform?
Unter PV steigt die Schalungsfeuchte früher und höher an (typisch ≈ +5 M.-% gegenüber Süd ohne PV). Die verbreitete Nordannahme liegt ≈ 3 M.-% unter dem realistischen Verlauf und ist damit nicht konservativ. In kritischen Varianten kann der Richtwert von 20 M.-% im frühen Zeitraum (ab etwa Jahr 2/3) überschritten werden, während er ohne PV-Anlage unterschritten blieb. Folge: „Früher unauffällig“ bedeutet nicht, dass eine Nachrüstung ohne Risiko ist.
Konkrete Vorgehensweise:
- Bestand ganzheitlich bewerten. Neben Eindeckung, Alter und Regensicherheit sind bauphysikalische Parameter zwingend mitzuerheben: Schichtenfolge, sd-Werte (insbesondere oberhalb der Sparren), R-Werte/Dicken, Lage und Qualität der Luftdichtheit, vorhandene Zusatzmaßnahmen mit hohem Diffusionswiderstand, Absorptionsgrad (α) der Deckung.
Mit sorgfältiger Bewertung, passender Ausführungstechnik, gegebenenfalls konstruktiver Entschärfung mit einem projektbezogenen Nachweis lassen sich Feuchte- und Haftungsrisiken minimieren.
Robust planen, sauber ausführen
Feuchtigkeit kann Dächer auf zwei Wegen schädigen: von außen durch Undichtheiten an Eindeckung und Zusatzmaßnahmen (Havarie) sowie von innen durch hygrothermische Prozesse wie Diffusion und – deutlich relevanter – Konvektion über Leckagen.
Die BSB/IFB-Kurzstudie „Mängel und Schäden an Photovoltaikanlagen“ (2023) zeigt zugleich: Die Mehrzahl der PV-Schäden entsteht durch Planungs- und Montagefehler am Dach (ungeeignete Montagesysteme, unsaubere Durchdringungen, mangelnde Regensicherheit, Fehler auf der DC-Seite) – nicht primär durch bauphysikalische Grenzfälle.
Das bedeutet nicht, dass bauphysikalische Schäden ausgeschlossen sind; vielmehr gilt: Nicht jede PV-Anlage auf einem Steildach ist per se eine Gefahrenquelle. Besonders fragil sind jedoch vollsparren-gedämmte Flachdächer in Holzbauweise ohne Überdämmung der Schalung – hier fehlt die Fehlertoleranz. Ähnlich sieht es bei diffusionshemmenden Eindeckungen auf Schalung aus, wie beispielsweise Metall- oder Schiefer als unbelüftete Konstruktionen.
Robuste Steildachkonstruktionen im Rahmen einer energetischen Außensanierung (Zwischensparren + Aufsparrendämmung, diffusionsoffene UDB, moderate sd-Werte, sauber geführte Luftdichtheit auf den Sparren) bieten diese Fehlertoleranz, wenn sie nach bauphysikalischen Grundsätzen geplant und ausgeführt werden (Abb. 6).
Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 01. 2026.
