Dachdeckermeister David Jakobs und 26 Meisterschüler aus Eslohe vor dem Betrieb von David Jakobs. (Quelle: DDH)
Glücklich über die vereinte Hilfe: DDM David Jakobs (vorne, Mitte) freute sich über die Unterstützung der Esloher Meisterschüler. Auch Spenden aus der Berufsorganisation und Material aus der Industrie tragen dazu bei, dass sein Betrieb wieder eine Perspektive hat. (Quelle: DDH)

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11. October 2021 | Teilen auf:

Wieder aufgetaucht

Fluthilfe: Mit Spenden aus der Berufsorganisation und tatkräftiger Hilfe der Meisterschüler aus Eslohe kann es nun für Dachdecker David Jakobs weitergehen.
Malte von Lüttichau

Die Volme ist den Einwohnern Hagens eigentlich nicht als reißender Strom bekannt. Als am 14. Juli in einer der größten Unwetterkatastrophen Deutschlands der Regen einfach immer weiter fiel, ging von dem 50 km langen Nebenfluss der Ruhr plötzlich eine große Gefahr aus. David Jakobs, dessen Dachdeckerbetrieb in Hagen-Dahl unmittelbar am Ufer der Volme lag, erinnert sich an den Morgen nach der Flut, als er mit hohen Stiefeln durch das ölverschmierte Wasser watete, um sich den Überresten seines Betriebes zu stellen. Der Betrieb, in einem älteren einstöckigen Gebäude untergebracht, lag in Trümmern. „Anhand der Spuren an den Wänden konnte ich sehen, dass das Wasser 1,70 m hoch im Gebäude gestanden hatte“, beschreibt Jakobs das Ausmaß der Schäden. Neben dem Schock über die Zerstörung stellte sich Existenzangst ein. Der Betrieb war nicht gegen Elementarschäden versichert. Nach einem auch privat schwierigen Jahr stürzte alles über David Jacobs zusammen, „es ging nichts mehr“, berichtet der Dachdeckermeister.

Unterdessen versuchte Fritz-Marius Sybrecht, sich nach dem Unwetter einen Überblick zu verschaffen. Der Geschäftsführer des Innungsverbands des Dachdeckerhandwerks Westfalen sortierte die Informationen: Welche Mitgliedsbetriebe waren überhaupt betroffen, und wie schwer? Wer ist ausreichend versichert, wer droht in Schieflage zu geraten? „Zum Glück stellte sich relativ schnell heraus, dass nur wenige unserer Betriebe wirklich substanziell betroffen waren. Und davon waren die meisten versichert.“ Ein Inhaber jedoch stand buchstäblich vor dem Nichts: Jakobs.

Zahlreiche Spenden

Schnell ging es darum, konkrete Hilfe zu organisieren. Dass nur so wenige Betriebe ohne Versicherungsschutz wirklich hart betroffen waren, hat sich als Glück für David Jakobs erwiesen. Dank des großen Zusammenhalts in der Berufsorganisation blieb es nicht bei symbolischer Hilfe. Es konnte echte Aufbauarbeit geleistet werden. Da sind zunächst die Spendenaktionen: Über die Aktion des ZVDH konnte eine vierstellige Summe bereitgestellt werden. Eine vergleichbare Aktion der Westfälischen Dachdecker brachte Mittel in ähnlicher Höhe. Zahlreiche Materialspenden gingen von anderen Betrieben ein. Und schließlich: Hilfe vor Ort.

„Als die Frage aufkam, ob wir da mitmachen wollen, hat die komplette Meisterklasse sofort einstimmig zugesagt“, berichtet Frank Lerch, mit 53 Jahren unbestreitbar der Senior des Meistervorbereitungs-Jahrgangs in Eslohe. Ein Team unter der Führung des technischen Leiters Josef Mester sowie des Leiters der Meisterschule Timo Kösters bot sich als pragmatischste Lösung an.

Kleiner Bagger, große Fortschritte

Und so trafen sich Ende September alle auf der Baustelle, um Container voller Schutt und Schlamm zu entfernen, Putz von den Wänden abzutragen und gemeinschaftlich dafür zu sorgen, dass David Jakobs wieder eine Perspektive als Dachdeckerunternehmer bekommt. Gut gelaunt hatte unter anderem das mit einem kleinen Bagger ausgestattete Helferteam bereits zum Mittag große Fortschritte erzielt. Mittendrin ein sichtlich erleichterter David Jakobs, der nun mit weiterer finanzieller Hilfe vom Landesverband Westfalen für den Einbau einer neuen Heizung rechnen darf.  Für ihren Einsatz belohnt wurden die Helfer mit einem gemeinsamen Grillen. Wichtiger aber die Erkenntnis des Tages: Die organisierten Dachdecker stehen in der Not zusammen.