Jennifer Konsek, alias Jenni vom Dach, und Stephan Pöschl sind die Gesichter der DACH+HOLZ International 2024. Gemeinsam werben sie für ihre Fachmesse, die vom 5. bis 8. März 2024 in Stuttgart stattfindet. Im Interview berichten sie über die täglichen Herausforderungen ihres Gewerks und ihre Erwartungen an der kommenden DACH+HOLZ.
Die 25jährige Münchnerin Jennifer Konsek setzt sich nicht nur für mehr Frauenpower im Bauhandwerk ein, sondern will zeigen, wie vielseitig und abwechslungsreich ihr Handwerk ist. Gemeinsam mit Zimmerer Stephan Pöschl wirbt Jennifer Konsek als Messebotschafterin für die DACH+HOLZ International, die vom 5. bis 8. März 2024 in Stuttgart stattfindet. Im Interview berichtet sie über die Herausforderungen ihres Gewerks und ihre Erwartungen an der Fachmesse.
Du arbeitest im Dachdeckerbetrieb deines Vaters. Hat er dich dazu ermuntert, im Bauhandwerk tätig zu werden, oder hätte er dich lieber in einem anderen Beruf gesehen, der weniger männerdominant ist?
Jennifer: Ich habe meinen Realschulabschluss gemacht und bin auf die Fachoberschule (FOS) gegangen. Einen konkreten Plan, was ich beruflich machen möchte, hatte ich noch nicht. Für mich war aber klar, dass ich Bewegung im beruflichen Alltag brauche und nicht im Büro vor dem Bildschirm sitzen will. Deshalb habe ich die FOS nach einem halben Jahr abgebrochen. Mit 15 Jahren habe ich ein Praktikum in einer Schreinerei gemacht, das mir sehr gut gefallen hat. Zudem konnte ich in den Ferien im Dachdeckerbetrieb meines Vaters aushelfen, wo ich viel lernen durfte. Also war eines sicher: Handwerk macht mir Spaß, deshalb empfiehl mir mein Vater, eine Ausbildung zu starten.
Wie ist es, sich von seinem Vater ausbilden zu lassen?
Jennifer: Ich habe keine Sekunde überlegt, die Ausbildung in einer anderen Firma zu machen, weil ich wusste, ich kann im Familienbetrieb viel lernen und die Arbeiten selbst ausprobieren. Mein Vater hat mir von Anfang an sehr viel zugetraut und mich gefördert. Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, auch wenn mein Vater manchmal ein bisschen ungeduldig ist (lacht).
Du warst wahrscheinlich eine der wenigen Frauen in der Schule und im Betrieb. Wie war das für Dich?
Jennifer: Im Betrieb gab es von Anfang an keine Probleme. Ich arbeite mit meinem früheren Babysitter zusammen – er ist angestellter Dachdecker in unserer Firma – und es war bzw. ist wie eine zweite Familie. Er kennt mich seitdem ich ein kleines Kind bin und fand es schon immer cool, dass ich in den Beruf eingestiegen bin. In der Berufsschule war ich das einzige Mädchen in der Klasse. Ich musste mir zum Beispiel anhören, dass Frauen in die Küche gehören würden. Oder, dass ich auf den Baustellen nichts zu suchen hätte, weil Männer das machen würden. Aber viele Klassenkameraden haben sich hinter mich gestellt und gesagt, dass auch Frauen in der heutigen Zeit ins Bauhandwerk gehören. Mittlerweise bin ich viel selbstbewusster und antworte den Menschen direkt, die solch überflüssige Kommentare ablassen.
Heißt das, Du hast immer wieder mit solchen Vorurteilen zu kämpfen?
Jennifer: Nein, es ist wirklich extrem selten. Ich habe ein super Arbeitsumfeld. Wir arbeiten mit zwei großen Zimmereien zusammen und wir schätzen uns gegenseitig sehr. Die Kollegen wissen ganz genau, was ich kann, und sie sehen es nicht als Problem, dass ich eine Frau bin. Wenn Handwerker aus anderen Gewerken dabei sind, schauen sie manchmal ein bisschen komisch. Aber ich wurde noch nie richtig blöd angemacht. Es sind eher überraschende Blicke, weil Frauen in dem Beruf selten vertreten sind. Oft ist es sogar ein Anlass, ins Gespräch zu kommen, weil die meisten neugierig sind.
Wie ist es auf Kundenseite? Musst Du sie überzeugen, dass Du als Frau die Arbeit genauso gut machen kannst wie die männlichen Kollegen?
Jennifer: Bisher tatsächlich auch noch nicht. Ich leite bereits viele Projekte. Die Kunden sehen, wer das Sagen hat, und das finden sie immer bewundernswert. Du bist in den sozialen Medien viel unterwegs, zeigst Deine Arbeit und hast sehr viele Follower.
Hast Du hier manchmal mit Widerständen zu kämpfen?
Jennifer: Negative Kommentare kommen hier ebenfalls sehr selten vor. Und wenn doch, kann es ziemlich witzig werden, weil andere Follower sich einschalten und mich unterstützen. Ich finde, dass Leute, die sich für meine Arbeit nicht interessieren, mir auch nicht folgen sollten.
Es ist großartig, dass die Leute dich sowohl in der Ausbildung als auch im Berufsalltag sowie in den sozialen Medien so sehr unterstützen.
Jennifer: Ja, in der Tat. Ich habe von mehreren anderen Handwerkskolleginnen gehört, dass sie zum Teil gegen Vorurteile richtig kämpfen müssen. Das ist traurig.
Was sagst Du zu jemandem, der meint, eine Ausbildung im Bauhandwerk sei nichts für Frauen?
Jennifer: Meistens ist diese Person fassungslos, wenn ich die Gegenfrage stelle: „Warum denn nicht?“ Wenn das Argument kommt, man sei als Frau nicht stark genug für diese Arbeit, antworte ich, dass man auch Gutes leisten kann, wenn man keine Muckis in den Armen hat. Damit ist das Hauptargument gleich hinfällig. Handwerk ist nicht nur körperliche Arbeit. Es braucht auch ein cleveres Köpfchen dazu. Und es kommt sehr selten vor, dass ich Kollegen um Hilfe bitten muss, weil mir die Kraft fehlt. Man kann es mit Sport vergleichen: Wenn man regelmäßig trainiert, wachsen die Muskeln. Zudem erfordert weder das Dachdecker- noch das Klempnerhandwerk Superkräfte, sondern viel Feingefühl.
Das hört sich wie eine richtige Kunst an! Welche Arbeiten machen Dir am meisten Spaß?
Jennifer: Das ist eine schwierige Frage, weil es so viel gibt, was ich gerne tue. Ich finde es schön zu sehen, was ich am Ende des Tages mit meinen eigenen Händen geschafft habe. Ich bin ein Riesenfan von Blechgauben und meine absolute Lieblingsarbeit ist das Einblechen von geschwungenen Turmdächern. Das kommt sehr selten vor, aber ich durfte die Arbeit bereits ausführen und das nächste Projekt steht schon an: ein denkmalgeschütztes Haus mit einem großen, extrem geschwungenen Turm. Ich freue mich riesig darauf!
Welche Tipps hast Du für junge Mädchen und Frauen, die sich für das Handwerk interessieren?
Jennifer: Ich empfehle ihnen, einfach das zu machen, worauf sie Lust haben, auf sich zu hören und sich nichts von anderen ausreden zu lassen. Auch nach einer Ausbildung im Handwerk gibt es viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, zum Beispiel mit dem Meister oder man beginnt ein Studium, das zum Beruf passt.
Apropos Weiterentwicklung: Planst du, den Betrieb deines Vaters zu übernehmen?
Jennifer: Mein Vater und ich teilen uns bereits die Arbeit auf. Wenn er nicht da ist, habe ich auf der Baustelle das Sagen. In naher Zukunft werde ich den fünfköpfigen Betrieb übernehmen, aber davor will ich noch Erfahrungen sammeln. Um Angebote zu schreiben, braucht man viel Praxiserfahrung. Man muss wissen, wie kompliziert das Ausführen mancher Arbeiten werden kann oder wieviel Zeit man hierfür einkalkulieren muss. Ich denke, ich werde in ein oder zwei Jahren langsam mit in die Betriebsführung einsteigen.
Gibt es weitere Themen in der Branche, die deiner Meinung nach angepackt werden sollten?
Jennifer: Ja, das Toiletten-Thema zum Beispiel: Warum bekommt man es nicht geregelt, dass es auf Baustellen eine Männer- und eine Damen-Toilette gibt? Ich finde, das sollte gesetzlich vorgeschrieben sein. Auch beim Thema Nachwuchs muss mehr passieren: In Realschulen, Hauptschulen und auch in Gymnasien wird viel zu wenig über die Vorteile einer Ausbildung gesprochen. Man sollte hier einen Aufklärungstag einführen und über die Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten informieren, so dass Schüler einen klaren Vergleich zwischen Studium und Ausbildung haben und selbst entscheiden können.
Du engagierst Dich stark für Dein Handwerk und hast Dich als Messegesicht für die DACH+HOLZ International 2024 beworben. Warum ist es Dir wichtig, die Messe zu repräsentieren?
Jennifer: Ich liebe meinen Beruf über alles und möchte diese Begeisterung den Leuten da draußen zeigen. Ich will den jungen Menschen die Vielseitigkeit und Abwechslung im Handwerk näherbringen. Und ich will ihnen zeigen, dass es heutzutage auch eine sehr gute Option ist, ins Handwerk zu gehen. Aber vor allem möchte ich auch beweisen, dass Frauen genauso gut ins Bauhandwerk passen wie Männer. Ich freue mich, als Messegesicht viele neue Leute auf der Messe näher kennenzulernen und habe von meinem Vorgänger René Gößling erzählt bekommen, wie schön das ist, diese Erfahrung live vor Ort erleben zu dürfen. Ich kann es kaum erwarten!
Worauf freust Du Dich besonders bei der DACH+HOLZ?
Jennifer: Auf das Zusammenkommen aller Akteure der Branche und darauf, diese Zusammengehörigkeit live vor Ort zu erleben. Das fand ich 2022 in Köln bereits so schön, Menschen kennen zu lernen, nette Gespräche zu führen, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, sich über Neuheiten auszutauschen oder andere Erfahrungswerte zu bekommen und dadurch neue Perspektiven für sich zu entdecken. Das ist enorm wichtig.
Für welche Themen oder Angebote interessierst Du Dich, und was erwartest Du von Deinem Messebesuch im März in Stuttgart?
Jennifer: Ich bin gespannt, welche Neuheiten es im Bereich Solarenergie und Photovoltaik geben wird. Gerade in München ist Denkmalschutz ein großes Thema und ich möchte mir die neuen Lösungen von Herstellern in diesem Bereich ansehen. Es ist mir besonders wichtig, an den Marktentwicklungen dranzubleiben, um unseren Betrieb zukunftsfähig zu machen. Die Maschinenund Werkzeughersteller machen sich viele Gedanken, wie sie den Handwerkern die Arbeit erleichtern. Auch hier werde ich die Produkte genauer unter die Lupe nehmen.
Du warst auf der DACH+HOLZ International 2022 in Köln. Hast Du besondere Tipps für die Kollegen, die die Messe 2024 besuchen wollen?
Jennifer: Sie sollten sich vorab einen groben Plan machen, was sie auf der Messe unbedingt sehen möchten. Bei mir war es in Köln am Ende dann ziemlich knapp, bis ich alle Stände besucht hatte, die ich mir vorgenommen hatte, obwohl ich an allen Messetagen vor Ort war. Denn man kommt zwischendurch immer wieder ins Gespräch, und es gibt interessante Aussteller zu entdecken, mit denen man nicht gerechnet hat. Ich finde, wenn man sich alles gründlich anschauen möchte, sollte man mindestens zwei Tage für den Messebesuch einplanen.
Liebe Jennifer, vielen Dank für das Gespräch!

„Jeder Betrieb sollte in den sozialen Medien aktiv sein.“
Stephan Pöschl aus Schmatzhausen (Niederbayern) ist das Gesicht der DACH+HOLZ International 2024. Der 29jährige Zimmerermeister führt mit seinem Vater den Betrieb in vierter Generation. Er will sich weiterhin digital aufrüsten, ohne dabei die Tradition des Gewerks aus den Augen zu verlieren: Im Interview berichtet er über die täglichen Herausforderungen seines Gewerks und worauf er sich bei der Fachmesse besonders freut.
Wann und wie hast Du den Weg ins Zimmerer-Handwerk gefunden?
Stephan: Mein Vater ist Zimmerermeister und hat den Familienbetrieb vom Opa übernommen. Ich bin mit Holz aufgewachsen und habe mich schon immer mit dem Rohstoff verbunden gefühlt. Für mich war deshalb früh klar, dass kein anderer Beruf in Frage kommt.
Ihr führt den Betrieb in dritter Generation?
Stephan: In vierter Generation sogar! Der Ur-Opa hat ein Sägewerk und eine Schreinerei im 19. Jahrhundert gegründet. In den 50er-Jahren kam die Zimmerei dazu. Am Anfang waren fünf Mitarbeiter beschäftigt. Mittlerweile fokussieren wir uns auf den Bereich Holzbau. Unsere Zimmerei besteht aus einem zehnköpfigen Team und zwei Auszubildenden.
Wie alt warst Du, als Du das erste Mal aufs Dach gestiegen bist?
Stephan: Mein Vater hat mich auf die Baustelle zum Dachstuhlaufstellen mitgenommen, als ich ungefähr zehn Jahre alt war. Ich habe nach der Schule und in den Ferien fleißig mitgeholfen, durfte einige Arbeiten ausführen und erste Erfahrungen sammeln.
Als Du die Lehre angefangen hast, kanntest Du Dich also bereits richtig gut aus!
Stephan: Ja, in der Tat. Durch meine praktischen Kenntnisse habe ich mich in der Lehre leichtgetan. Ich war nicht der typische Auszubildende, dem man von Grund aus alles erklären musste. Da ich aber die Ausbildung in einem anderen Betrieb gemacht habe, konnte ich viel Neues lernen. Es war mir wichtig, in der Lehre Abstand vom Familienbetrieb zu nehmen, ein anderes Arbeitsumfeld kennenzulernen und ein neutrales Verhältnis zu den Arbeitskollegen zu haben. Nach der Ausbildung habe ich zwei Gesellenjahre im Familienbetrieb absolviert und dann meinen Meister in Regensburg gemacht.
Was war bisher Dein schönstes berufliches Projekt?
Stephan: Wir haben vor drei Jahren den größten Teil unserer Firma abgerissen. Die Hallen waren nicht mehr zeitgemäß und, um konkurrenzfähig zu bleiben und der Nachfrage gerecht zu werden, haben wir eine große moderne Abbundhalle mit modernster Technik errichtet. Das Projekt haben wir selbständig betreut und umgesetzt. Es war mit vielen Emotionen verbunden.
Du bist 29 Jahre alt und führst den Betrieb zusammen mit Deinem Vater. Was war für Dich bisher die größte berufliche Herausforderung und wo geht, Deiner Meinung nach, die Reise hin?
Stephan: Es gibt in unserem Beruf tagtäglich neue Herausforderungen, mit denen wir spontan umgehen müssen – egal wie akribisch die Arbeiten geplant sind. Seien es die Wetterbedingungen oder wirtschaftliche Faktoren wie Materialknappheit. Aber bisher konnten wir das alles gut meistern. Aktuell sind energetische Dachsanierungen, Bauen im Bestand und Hausbau mit Massivholz sehr angesagt. Die Nachfrage in diesen Bereichen wird mit Sicherheit in naher Zukunft weiter zunehmen.
Steht die Betriebsübernahme schon an?
Stephan: Ja, Schritt für Schritt, aber wir wollen nichts überstürzen. Die Auftragsbücher sind voll und die Arbeit meines Vaters, der sich um Angebote und Rechnungen kümmert, kann ich im Moment nicht allein bewerkstelligen. Wir müssen schauen, wie wir uns intern organisieren, wenn mein Vater aussteigt.
Hast Du schon eine Idee, wie sich euer Betrieb weiterentwickeln soll?
Stephan: Wir wollen uns technisch natürlich weiterentwickeln und für die Mitarbeiter attraktiv bleiben. An dem Thema Digitalisierung kommen wir zum Beispiel nicht vorbei und wir werden uns hier weiterhin aufrüsten. Aber es ist mir wichtig, die Tradition des Gewerks dabei nicht aus den Augen zu verlieren.
Die Zimmerei Pöschl ist in den sozialen Medien sehr aktiv. Wie wichtig ist diese Online-Präsenz für Dich?
Stephan: Unser Grundgedanke ist, die Firma und den Beruf des Zimmerers auf unseren Kanälen zu präsentieren. Und natürlich Kunden für uns zu begeistern. Wir geben einen Einblick in unseren Berufsalltag, zeigen mit unserem Team, wie sehr die Arbeit Spaß macht. Wir versuchen, diese Begeisterung in Bildern und Videos authentisch rüberzubringen und hiermit junge Leute anzusprechen. Heutzutage sollte jeder Handwerksbetrieb in den sozialen Medien vertreten sein, da geht kein Weg mehr daran vorbei, finde ich. Dein Engagement für den Zimmererberuf zeigst Du nun auch als Botschafter der DACH+HOLZ International 2024.
Man wird Dir auf der Messe in Stuttgart mit Sicherheit über den Weg laufen. Worauf freust Du Dich besonders?
Stephan: Auf den Austausch vor Ort mit den Herstellern und Handwerkskollegen! Ich unterhalte mich gerne über Produktneuheiten, hole mir neue Inspirationen und will mir Lösungen anschauen, die ich in unseren Betrieb anwenden kann. Ich freue mich auch, Menschen auf der Messe zu treffen, die genauso viel Herzblut in den Zimmererberuf stecken und ihre Leidenschaft mit anderen Page 3/4 teilen wollen.
Hast Du Tipps für Kollegen, die die DACH+HOLZ besuchen wollen?
Stephan: Ich empfehle, genug Zeit für den Messebesuch einzuplanen, um sich mit den Leuten zu vernetzen, in Ruhe über den eigenen Tellerrand zu schauen und Ideen für die eigene Weiterentwicklung mitzunehmen. Das rentiert sich!
Lieber Stephan, vielen Dank für das Gespräch!