Janina Kitchen auf der Baustelle. Quelle: Planer
Janina Kitchen in Aktion auf der Baustelle. Quelle: Planer

Porträts

29. June 2021 | Teilen auf:

Traufblech statt Torte

Dachdecker-Nachwuchs: Unter Corona-Bedingungen absolvierte Janina Kitchen ihre Prüfung und erhielt Ende Mai 2021 den Meisterbrief – und das als Prüfungsbeste am BBZ Mayen. Obwohl sie schon früh aufs Dach wollte, gab es noch ein paar Umwege. Johannes Messer

Unter der Maske konnte man es nicht so richtig erkennen: Als Janina Kitchen den Meisterbrief am 21. Mai 2021 in die Kamera hielt, sah man ihr die Freude vor allem an den Augen an. Die strahlten – und das zu Recht. Die 29-jährige Mannheimerin war Prüfungsbeste des zweiten Meister-Vorbereitungskurses, der am Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks (BBZ) unter Corona-Bedingungen durchgeführt wurde.

 „Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ich wollte einfach die Meisterprüfung bestehen“, gibt Janina Kitchen offen zu. Die Bedingungen am BBZ waren ganz auf Online-Lernen und Selbstdisziplin zu Hause vor den Rechnern ausgelegt. „Da ich eher der handwerkliche Typ bin, musste ich mich an diese Art des digitalen Lernens erst einmal gewöhnen. Wir haben uns meistens in Teams ausgetauscht. Das ging einwandfrei und wurde von den Fachlehrern des BBZ Mayen gut vorbereitet. Dennoch habe ich den wirklichen Austausch vor Ort vermisst. Die Vorbereitung auf die Prüfung war schon eher ein Selbststudium“, so Kitchen.

Bevor es mit der Dachdeckerei losging, hatte Janina Kitchen schon einen Handwerksberuf erlernt: Konditorin. „Das war eine schöne Erfahrung, aber mir auf Dauer dann doch zu langweilig". Danach ging sie eine Weile ins Ausland. „Der Dachdeckerberuf hat mich schon immer gereizt, vor allem wegen der Vielseitigkeit. Bei uns im Betrieb macht jeder alles, das gefällt mir sehr“, sagt Kitchen. Firmenchef Harald Planer erkannte früh, welches Juwel er bei sich ausbildete, er ist der Onkel von Janina. Der Dachdeckerbetrieb aus Mannheim deckt alle Dach-, Wand- und Abdichtungsarbeiten ab.

Anerkennung selbst erkämpft

„Mein Chef fordert die Mitarbeiter, sich ständig weiterzubilden, das lebt er auch vor. Dass er mein Onkel ist, spielt eigentlich keine große Rolle." Die Umstellung von der Konditorin zur Dachdeckerin ist Kitchen leichtgefallen, obwohl der Dachdeckerberuf immer noch sehr männerdominiert ist. „Ich habe schon registriert, dass mir als Frau zu Beginn nicht so viel Können zugetraut worden ist. Wir werden immer zu oft unterschätzt, sowohl von den männlichen Kollegen als auch von den Kunden. Man muss sich schon durchsetzen können“. Und das ist Kitchen auf ihre ruhige, bescheidene Art gelungen.  "Sie überzeugt durch Leistung", ergänzt Harald Planer.

Mittlerweile hat Anerkennung die Skepsis verdrängt. „Am Dachdeckerhandwerk mag ich, dass man jeden Tag aufs Neue Probleme lösen kann und muss“, berichtet die gebürtige Mannheimerin. Dabei ist Kitchen eigentlich nicht extrem ehrgeizig, sondern eher wissbegierig. Für sie war früh klar, dass es nach der Ausbildung mit der Meisterprüfung weitergehen sollte. „Ich wollte und will immer noch auf der Baustelle Bescheid wissen, und das möglichst in allen Bereichen. Das Steildach macht mir am meisten Spaß“, so Kitchen.

Und je mehr Kitchen sich der Verantwortung stellt, desto häufiger merkt sie, dass sich ihr Chef mit zahlreichen Verordnungen beschäftigen muss, die im Grunde wenig mit der handwerklichen Tätigkeit zu tun haben.

Betriebsübergabe schon geregelt

Das trifft sich gut, denn irgendwann steht im Betrieb eine Übergabe an, und für Harald Planer und Janina Kitchen steht jetzt bereits fest, dass sie den Betrieb übernehmen soll. „Das ist zwar noch ein paar Jahre hin, aber meinem Onkel ist wichtig, dass wir eine längere Übergangsphase haben“, berichtet Janina Kitchen. Bald wollen beide mindestens einen Bürotag gemeinsam installieren, damit die junge Meisterin sieht, was auf sie in Sachen Verwaltung und Verordnungen zukommt. Wenn sie nicht gerade auf der Baustelle ist, geht Janina Kitchen gerne Reiten und Wandern, was dank der aktuell niedrigen Infektionszahlen wieder möglich ist.

Die Prüfungsbesten der Meisterprüfung im Dachdeckerhandwerk sind:

1. Janina Kitchen, Mannheim, Baden-Württemberg
2. Patrick Buschak, Wesel, Nordrhein-Westfalen
3. André Hauft, Hachenburg, Rheinland-Pfalz