Ein Büro mit einem Schreibtisch, einem Stuhl und einem Regal voller Dokumente. Im Vordergrund wird eine Wärmebildkamera gehalten, die den Raum scannt.
Mithilfe der Thermografie können die beschädigten Bereiche des Dachaufbaus eingegrenzt und dann punktuell saniert werden. (Quelle: Christian Gilles)

Steildach 2026-03-31T07:57:46.262Z Niedliche Plagegeister: Wenn Marder Dächer zu Schadensfällen machen

Serie Sachverständige: Sie sind niedlich und ein wichtiges Glied im Ökosystem Wald. Aber wenn Marder Dachsysteme und deren bauphysikalische Funktionalität zerstören, sind sie ein großes Ärgernis. Der Beitrag zeigt eine Bestandsanalyse im Schadensfall und den Nachweis mittels thermografischem Verfahren.

Marder sind nahezu weltweit verbreitet, die Mehrzahl der Marderarten kommt in Eurasien vor. Marder sind einzelgängerische und territoriale Tiere, die ihre Reviergrenzen mit dem Sekret ihrer Analdrüsen, mit Urin oder Kot markieren. Die Mehrzahl der Marderarten ist dämmerungs- oder nachtaktiv, manche gehen jedoch auch am Tag auf Nahrungssuche.

Das Marder-Zuhause

Als Ruheplätze verwenden viele Marder selbst gegrabene, von anderen Tieren übernommene Baue oder andere Unterschlüpfe. Dazu gehören leider aus Sicht von Immobilieneigentümern und Bewohnern auch Dächer über ausgebauten und beheizten Dachräumen. Marderschäden am Dach können für den Hausbesitzer signifikante Schäden bedeuten: durchgebissene Kabel, zerstörte Wärmedämmung, Verschmutzung durch Urin oder Fäkalien. Das kann zu hohen Sanierungskosten führen. Die Wohngebäudeversicherung deckt diese Schäden nur mit einem speziellen Zusatzbaustein ab.

Hinweise auf „Untermieter“

Erkennbar sind Marderschäden an Wärmedämmungen von außen mit bloßem Auge nur schwierig. Indikatoren wie Beutereste (Federn, Kleinnagerknochen usw.) können erste Hinweise geben. Die Präsenz des heimischen Raubtieres kann an nächtlichen Geräuschen wie Kratzen oder Scharren, an starken Gerüchen und Nahrungsresten im Bereich der Zugangswege wahrgenommen werden. Marder bevorzugen Nest- und Fraß-Gänge im Bereich von warmen Dämmungen, auch innerhalb des Gefachs nach entsprechendem Zugang. Der Zugang gelingt den heimischen Raubtieren und ihren scharfen Zähnen mit verhältnismäßig geringem Aufwand, zum Beispiel durch Zerfressen von Unterdeckbahnen, die oft oberhalb der Wärmedämmschichten verbaut sind, oder in Belüftungszwischenräumen, deren konstruktive Öffnungen nicht ausreichend durch Lüftungsgitter aus Metall oder ähnlich geschlossen wurden.

Ein Wärmebild, das Temperaturunterschiede in einem Bereich zeigt, mit einem Fokus auf eine kältere Stelle in der Mitte.
Beispiel eines detektierten Ruheplatzes – die Dämmung aus Mineralwolle im Zwischensparrenraum ist unsymmetrisch entfernt worden. (Quelle: Christian Gilles)

Typische Schäden

Wenn sich die Nagetiere einmal Zugang verschafft haben, können sie unterschiedliche Schäden verursachen:

  • Elektrik/Solaranlagen: Durchbissene Kabel können Kurzschlüsse, Stromausfälle und sogar Brände verursachen.
  • Dämmung: Marder wühlen sich durch Dämmmaterial, wodurch Wärmeverlust und höhere Energiekosten entstehen.
  • Verschmutzung: Kot und Urin dringen in Bausubstanz ein und verursachen starke Gerüche.

Feuchteschäden und Schimmel

Ein Wärmebild eines Hauses bei -3,8°C, das Wärmeverluste anzeigt.
Um aussagekräftige Messergebnisse zu bekommen, sollte ein größerer Temperaturunterschied zwischen innen und außen bestehen. (Quelle: Christian Gilles)

Wird das Dämmmaterial großflächig bis auf die darunter liegende Bauteilschicht durch die Tieraktivität entfernt und die erforderliche Mindestdicke der Dämmung ist nicht mehr vorhanden, können durch Kondensatausfall noch weitere Schäden durch die Feuchtebeanspruchung, wie Feuchteschäden an den eingebauten Hölzern oder sogar Schimmelbildung, entstehen.
Der Versicherungsschutz durch die Wohngebäudeversicherung deckt Schäden nur ab, wenn „Tierschäden“, Schäden durch Tierbisse oder ähnliche Klauseln explizit eingeschlossen sind, und das nur bis zur Höhe der vereinbarten Schadensdeckungssumme. Wenn entsprechende Vereinbarungen getroffen wurden, gilt es die Spuren zu sichern als Nachweis für den Sachversicherer und als Schadenskataster für die behebende Fachfirma.

Zerstörungsfreier Nachweis

Hier sind als erster zerstörungsfreier Nachweis thermografische Aufnahmen von innen möglich, bei denen bei einem entsprechenden Temperaturgefälle von innen nach außen Fehlstellen in der Wärmedämmung sichtbar gemacht werden können. Thermografie-Aufnahmen sind Wärmebilder, die mit einer Infrarotkamera erstellt werden, um die Oberflächentemperatur von Objekten sichtbar zu machen und so energetische Schwachstellen wie Wärmebrücken, Dämmfehler oder eben Schäden durch Marder an Gebäuden zu identifizieren. Sie visualisieren Temperaturunterschiede durch Falschfarben (oft Rot für heiß, Blau für kalt) und helfen, Energieverluste zu erkennen, wobei ideale Bedingungen wie große Temperaturunterschiede zwischen innen und außen wichtig sind. Temperaturdifferenzen von mindestens 10–15 K Unterschied zwischen innen und außen sind ideal.

Anderes Schadensbild

Bei Marderschäden entstehen oft signifikante Fehlstehlen im Dachaufbau, die nicht symmetrisch sind oder lineare Muster haben, wie zum Beispiel konstruktive Wärmebrücken, mögliche Platten- oder Bahnen-Stöße der verbauten Dämmstoffe, Kreuzfugen, unzureichend überdämmte Hölzer oder ähnliches.
Diese unsymmetrischen Fehlstellen durch Fraßgänge und Ruheplätze können durch farblich differenzierte Sichtbarmachung des Temperaturgefälles durch Thermografie-Aufnahmen visuell nachgewiesen werden.
Nach entsprechender visueller Beurteilung der Aufnahmen hinsichtlich der Form und des Verlaufs durch einen Fachmann können so die Laufwege und Fraßgänge der Tiere in der Wärmedämmung sichtbar gemacht und nachgewiesen werden.

Nachweis und Dokumentation

Im Anschluss an die Thermografie-Aufnahmen kann ein Schadenskataster angelegt werden. Dies hat den Vorteil, dass nach dieser Erstmaßnahme Dämmstoffe lokal eingegrenzt werden können. Ohne ungeordneten, großen wirtschaftlichen Suchaufwand kann von außen das Dach geöffnet werden, um die detektierten Schwachstellen zu begutachten. Je nach Art und Umfang des Schadens erfolgt die Schadensbeseitigung recht zügig.
In manchen Fällen kann die Schadensbeseitigung durch lokale Eingriffe und Austauschmaßnahmen der Wärmedämmung erfolgen, bei großflächigen Fehlstellen, verteilt über die gesamte Dachfläche, kann ein wirtschaftlicher Totalschaden entstehen, wenn die Rauminnenseite des Daches zu Wohnzwecken vollständig ausgebaut ist und mit einer Beplankung zum Beispiel aus Gipskartonplatten oder anderen raumseitigen Beplankungen verschlossen ist und bewohnt wird.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 04. 2026.

Ein defekter Dachziegel auf einem Ziegeldach, der eine Reparatur benötigt. Ein Bauarbeiter inspiziert den Schaden.
Marder sind ordentliche, saubere Tiere. Sie trennen strikt ihre Lebensbereiche. (Quelle: Christian Gilles)
Ein Marder schaut aus einem Loch in der Isolierung eines Dachbodens hervor.
Im Haus sind Marder ein Ärgernis, in der Natur nützlich. Auch wenn Hausbesitzer in Versuchung kommen könnten, die Nagetiere zu vergiften ist eine Straftat. Die possierlichen Tierchen unterliegen dem Jagdrecht. Um sie zu fangen ist ein Marderbeauftragter hinzuzuziehen. Die Kontaktdaten erhält man beim Jagdpächter oder bei der unteren Jagdbehörde. (Quelle: Christian Gilles/KI-generiert)
zuletzt editiert am 26. März 2026
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