Endlich wieder Jakobsweg! Die diesjährige Gruppe der Dachdecker-Jakobspilger*innen hatte sich im Oktober 2023 die letzten 105 km des „Camino Primitivo“ als Wegstrecke ausgesucht, um von Lugo aus bis zur Kathedrale nach Santiago de Compostela zu wandern. Eindrucksvolle galizische Landschaften, malerische Ausblicke und romatische Wegführungen, das sind die heraustragenden Merkmale dieses Geheimtipps unter den Jakobswegen. Nicht ganz einfach, lang und schweißtreibend waren die ersten beiden Etappen ab dem Startpunkt in Lugo. In Melide, der Hauptstadt des Pulpo`s , trifft der einsame Camino Primitivo dann auf den belebten Hauptweg, den Camino Francés“, der sich im Herbst aber eher von der ruhigen Seite zeigte. Jeder Pilgertag für einen Jakobsweg begann morgens mit dem Packen des kleinen Tagesrucksackes und einem guten Frühstück. So gestärkt ging es um 09:00 Uhr raus aus dem Hotel und zum gemeinsamen Treffpunkt. Dort erklärte der Reiseleiter Manuel Mallo die Entfernungen, die Sehenswürdigkeiten und die Einkehrmöglichkeiten der Tagesetappe. Jetzt drängt der Aufbruch. Mit einem besinnlichen Tageseinstieg in Form von gelesenen Gleichnissen und Gedichten stimmte sich die Gruppe der Dachdeckerpilger*innen jeden Morgen auf ihren Weg ein. Ein bekannter und gern gelesener Text handelt von der „Kunst der kleinen Schritte“.

Mit dem Wunsch zu einem „Buen camino“ (traditioneller Gruß und Wunsch zu einem guten Weg) beginnt dann die Reise über die romatischen Wege eines Jakobsweges in Galizien. Kaum ist man losgegangen und schaut auf die Kilometerzahl auf den Wegsteinen des Jakobsweges oder auf die Berge, die noch zu Fuß zu erwandern sind, errechnet man im Kopf die noch zu bewältigende Entfernung bis zum Tagesziel. Jetzt kommt der Moment in dem die Erinnerung an die Kunst der kleinen Schritte wach wird. Bei einer Start-Ziel-Entfernung von 105 km und einer durchschnittlichen Schrittlänge von 60 Zentimer waren es insgesamt 175.000 kleine Schritte, die bis nach Santiago zu gehen waren. Einen Jakobsweg zu gehen heißt nicht sportlich und schnell unterwegs zu sein, sondern im ruhigen Gehtempo Menschen, Landschaft, Stimmungen und Einkehr genießen. Schließlich führt der Jakobsweg nicht nur zum bekannten Ziel, der Kathedrale in Santiago de Compostela, er führt auch zu sich selbst. Jeder Tag ist mit Gehzeitenvon 6-8 Stunden gut gefüllt, aber in der Gemeinschaft der Dachdecker*innen wurde die Zeit kurzweilig für einen ehrlichen fachlichen und privaten Austausch genutzt. Am Tagesziel angekommen, kurz frisch machen und dann den erlebnisreichen Pilgertag bei einem Bier oder Wein mit gutem Essen ausklingen lassen. Viel zu schnell war die Pilgerwoche vorbei und vom „Monte Gozo“ dem „Berg der Freude“, ging es hinunter nach Santiago de Compostela. Der Sonnenschein und sommerliche Temperaturen begleiteten uns auch hier bis zur „Praza do Obradoiro“, dem Hauptplatz vor der Kathedrale. Hier heißt es „Danke sagen“ – Danke für einen guten Weg, die guten Gespräche und die vielen kleinen Aufmerksamkeiten untereinander. Ein Ausflug zum Ende der Welt, dem „Cap Finisterre“ und der Aufenthalt in der romatischen Altstadt von Santiago de Compostela rundeten einen gelungenen Dachdecker-Jakobsweg 2023 perfekt ab.
