Ein Dachdecker montiert ein langes Metallblech auf dem Dach vor einem historischen Backsteinturm aus Backstein; im Vordergrund sind die Metallverkleidung, Unterlage und Werkzeuge sichtbar, im Hintergrund die Ziegelarkaden des Gebäudes.
Sebastian Lauterbach positioniert die handgefertigte Titanzink-Schare auf der runden Apsis, die mit Wirrgelege vorgedeckt ist. (Quelle: DDH)

Steildach 2026-08-05T07:45:37.112Z Konische Scharen
händisch gefahren

Denkmalschutz: Eingebundene Schieferarbeiten, filigrane Bleiabdeckungen und eine Apsis mit handgefertigten konischen Scharen repräsentieren die Kunst des Dachdeckerhandwerks. Die Mitarbeiter der Weiler und Gilles GmbH perfektionierten die Arbeit mit den unterschiedlichen Materialien.

Dachdeckermeister Christian Gilles berichtete in Ausgabe 2.2025 bereits über die Bekleidung des Turms der Kapelle des Nordfriedhofs in Bonn. Nun sind die Dachdeckerarbeiten an dem neoromaischen Backsteinbau abgeschlossen, und für DDH lohnt sich ein zweiter Blick auf das gesamte Werk.

Kleine Hohlwulstdeckung

Bei der Verlegung von Blei als Dachdeckung stehen unterschiedliche Deckarten zur Disposition, neben der traditionellen „klassischen" Hohlwulstdeckung, der Holzwulstdeckung, die aus einem bleiummantelten Rundholz besteht, existiert die Möglichkeit der Ausbildung von filigranen Dächern als sogenannte Kleine Hohlwulstdeckung. Das Portikus-Dach deckten die Gilles-Mitarbeiter nach Planung der Architekten in dieser Deckart ein. Das Überlappen und Verfalzen der Bleischaren ermöglicht eine dauerhafte, spannungsfreie Verbindung, die flexibel bleibt und thermische Längenänderungen des Metalls kompensieren kann. Dies verhindert Spannungen und Risse, die bei starr verbundenen Bleiflächen oder bei zu groß gewählten Formaten entstehen könnten. Gerade an geneigten Dächern oder Fassaden bietet die Falztechnik eine wartungsarme und langlebige Lösung, die gleichzeitig regensicher ist und optischen Ansprüchen an denkmalgeschützten Sakralbauten gerecht wird.

Handwerker führt präzise Blecharbeiten auf einem Dach aus; er trägt Arbeitshandschuhe und Schutzbrille und benutzt Handwerkzeuge zur Kantung und Montage eines Metallblechs vor grünem Hintergrund.
Sebastian Lauterbach arbeitet konzentriert: Für eine dauerhaft dichte Schweißnaht ist besondere Sorgfalt vonnöten, und die Lötkanten sind vorab zu reinigen und abzuziehen. (Quelle: DDH)
Nahaufnahme einer Dachabdichtung: sichtbare Metallbleche mit Schweißnähten, angeschweißte Rohre und eine gelochte Metallleiste am Dachrand. Im Hintergrund liegen Werkzeuge wie Hammer und Zange sowie eine Werkzeugtasche, die auf laufende Reparatur- oder Montagearbeiten hinweisen. Hauptmotiv: Metallene Dachabdichtung mit Schweißnähten und Rohren.
Am Versprung ist das Blei aufgekantet und auf der Wulst verlötet. (Quelle: DDH)
Nahaufnahme eines konischen Schieferdachs auf einem runden Backsteinturm mit dekorativen blinden Arkaden und detailliertem Mauerwerk vor einer einheitlichen Backsteinfassade.
Die Eindeckung eines Kegels in Altdeutscher Deckung erfordert Können – bei der Einteilung und der Deckung. (Quelle: DDH)

Walzblei zählt seit jeher zu den vielseitigsten und traditionsreichsten Materialien an Dächern und Fassaden von Sakralbauten, da der Werkstoff langlebig und formbar ist – Eigenschaften, die ihn besonders für diesen Einsatz geeignet machen. Für die Verbindung der Bleiteile stehen unter anderem zwei bewährte Methoden zur Verfügung: das Falzen und das Schweißen. Das Schweißen kommt bei Anwendungen zum Einsatz, bei denen Stabilität und absolute Dichtheit eine entscheidende Rolle spielen, wie etwa bei Verwahrungen, Anschlüssen oder filigranen Eckausbildungen. Durch das Verschmelzen der Bleiteile entsteht eine durchgehende Lötnaht, die sowohl extremen Witterungsbedingungen standhält als auch punktuellen Belastungen mühelos widersteht.

Altdeutsch (fast) ohne Steigung

Kegeldächer werden im Gegensatz zu „normalen“ Steildächern mit sehr geringer Gebindesteigung eingedeckt bzw. ab 70° Dachneigung ohne. Es ist eines der anspruchsvollsten Dachdetails der altdeutschen Schieferdeckung, bei dem neben dem handwerklichen Können des Dachdeckers besonders auf eine solide Ausführung der Unterkonstruktion ankommt. Erfahrene Zimmerer beherrschen die Ausführung des runden Schalens der Dachfläche noch, ohne dass Kanten hier abgehobelt werden müssen. Bei der Einteilung muss besonders auf die Verkürzung der Sparrenlänge geachtet werden. Die Gebinde laufen konisch. Die Trauflängen werden beispielsweise in vier gleich große Abschnitte eingeteilt und jeweils senkrecht zur Traufe abgemessen. Diese Linien dienen als ideale Bezugspunkte für die Einteilung der Deckgebinde. Anschließend wird die Gebindesteigungslinie angezeichnet. Zum Einzeichnen der Gebindelinien eignet sich ein Blechstreifen oder Stabstahl. An der Spitze des Halbkegels wird ein Deckgebinde mit derselben Steigung markiert. Bei großen Flächen sind zusätzliche Hilfslinien sinnvoll. Die Eindeckung erfordert fortlaufendes Nacharbeiten der Schieferplatten: je stärker die Rundung, desto intensiver die Nacharbeit. Außerdem wird der Decksteinhieb von Gebinde zu Gebinde zunehmend stumpfer. Der erfahrene Dachdeckermeister Volker Stenger setzte die Deckung konsequent um.

Einzeln angefertigt

Die halbrunde Apsis der Kapelle wurde energetisch ertüchtigt. Auf der vorhandenen Betondecke wurde eine Dampfsperre als Behelfsabdichtung für die Bauphase aufgebracht. Der konstruktiv neu hergestellte belüftete Dachaufbau - bestehend aus einer wärmegedämmten, be- und entlüfteten Distanzkonstruktion aus technisch getrocknetem Vollholz - erhielt eine neue 30 mm Holzschalung. Als temporären Witterungsschutz erhielten die Bretter eine hochwertige Vordeckung, die für die hohe mechanischen Beanspruchung während der Verlegung ausgelegt war. Für die Aufnahme der Scharen verlegten Sebastian Lauterbach und Ingo Zimmer eine Trennlage mit Drainagefunktion, die gemäß § 4.3.1 der Fachregel für Metallarbeiten für Doppelstehfalzdeckungen mit Zink bei Dachneigungen bis 15 ° vorgeschrieben ist, um der sogenannten „Heißwasserkorrosion“ an der Unterseite der Scharen vorzubeugen. Darunter versteht man bei Titanzink eine punktuelle Tiefenkorrosion (Lochfraß), die entsteht, wenn die Materialunterseite dauerhaft Feuchtigkeit in Kombination mit hohen Temperaturen ausgesetzt ist.


Rinne und Einlaufbleche montierten die Dachdecker in Segmenten, wobei sie darauf achteten, jede Naht aus optischen Gründen hinter den oberflächenbündig eingelassenen Rinneisen zu platzieren. Nach Montage einer Schare mit Fest- und Schiebehaften aus Edelstahl wurde die nächste auf gemessen, von Hand zugeschnitten und gekantet. Aufgrund der geringen Dachneigung wurden Dichtstreifen eingefalzt, vorgeschrieben bei einer Doppelstehfalzdeckung bei Unterschreitung der Regeldachneigung von 7°. Die Mindestdachneigung beträgt 3°. 

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 08. 2026

Eine fachmännische Dachabdichtung mit einem Blei-Anschluss an einem gemauerten Schornstein. Die Aufnahme zeigt den Übergang zwischen Ziegelmauerwerk und der metallischen Abdichtung auf dem Dach.
Detailaufnahme eines Metallanschlusses (Blechanschluss) am Fuß einer Betonwand. Sichtbar sind das angeschlagene Flachblech, Schweiß- bzw. Lötreste und Ablagerungen an der Anschlusskante sowie die angrenzende Betonoberfläche.
Die Einschnitte im Mauerwerk am Wandanschluss wurden denkmalgerecht und vor allem langlebig mit Bleiwolle verstemmt. (Quelle: DDH)
Nahaufnahme einer Metallbedachung (Blech) mit sichtbarem Dachfenster/Dachluke und Stehfalzplatten neben einer Sandsteinfassade; leichte Reflexionen auf den Blechen, im Hintergrund blauer Himmel und Baumkronen.
Das Portikus-Dach und die Attikaabdeckung aus Blei sind fertiggestellt. (Quelle: Christian Gilles)
Nahaufnahme eines Schieferdachs als Hauptmotiv: überlappende Schieferziegel bilden eine dunkle Dachfläche, darunter verläuft eine metallische Dachrinne, auf einer runden Traufzone mit sichtbarer Backsteinmauer. Das Bild zeigt ein architektonisches Detail eines historischen Gebäudes bei diffusem Licht.
Das runde Gesims der Apsis erhielt eine Bleiabdeckung. (Quelle: DDH)
Nahaufnahme einer grünen Metall-Regenrinne mit Fallrohr und Blecheinfassung an einem Altbau. Zu sehen sind die Dachziegel, die Backsteinwand und die Befestigung der Dachentwässerung in einem architektonischen Detail.
Den Wandanschluss sichern Bleinocken und ein -überhangstreifen, die mit Bleiwolle verstemmt sind. (Quelle: DDH)
Nahaufnahme eines Schieferdachs als Hauptmotiv: überlappende Schieferplatten/Schindeln mit sichtbarer Metall-Dachrinne im Vordergrund, feine Struktur und leichte Witterungsspuren, unscharfer bewachsener Hintergrund.
Das leicht nach außen geneigte Gesims sichert eine Zinkabdeckung vor Witterungseinflüssen. (Quelle: DDH)
Ein Dachdecker/Handwerker arbeitet an der Reparatur und Montage eines Metalldachs an einem historischen Gebäude. Er trägt ein kariertes Hemd und Schutzhandschuhe und verwendet Metallbleche und Werkzeuge zur Anpassung und Befestigung.
Ingo Zimmer treibt das Blei mit dem Klopfholz. (Quelle: DDH)
zuletzt editiert am 05. August 2026
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