Denkmalschutz: Eingebundene Schieferarbeiten, filigrane Bleiabdeckungen und eine Apsis mit handgefertigten konischen Scharen repräsentieren die Kunst des Dachdeckerhandwerks. Die Mitarbeiter der Weiler und Gilles GmbH perfektionierten die Arbeit mit den unterschiedlichen Materialien.
Dachdeckermeister Christian Gilles berichtete in Ausgabe 2.2025 bereits über die Bekleidung des Turms der Kapelle des Nordfriedhofs in Bonn. Nun sind die Dachdeckerarbeiten an dem neoromaischen Backsteinbau abgeschlossen, und für DDH lohnt sich ein zweiter Blick auf das gesamte Werk.
Kleine Hohlwulstdeckung
Bei der Verlegung von Blei als Dachdeckung stehen unterschiedliche Deckarten zur Disposition, neben der traditionellen „klassischen" Hohlwulstdeckung, der Holzwulstdeckung, die aus einem bleiummantelten Rundholz besteht, existiert die Möglichkeit der Ausbildung von filigranen Dächern als sogenannte Kleine Hohlwulstdeckung. Das Portikus-Dach deckten die Gilles-Mitarbeiter nach Planung der Architekten in dieser Deckart ein. Das Überlappen und Verfalzen der Bleischaren ermöglicht eine dauerhafte, spannungsfreie Verbindung, die flexibel bleibt und thermische Längenänderungen des Metalls kompensieren kann. Dies verhindert Spannungen und Risse, die bei starr verbundenen Bleiflächen oder bei zu groß gewählten Formaten entstehen könnten. Gerade an geneigten Dächern oder Fassaden bietet die Falztechnik eine wartungsarme und langlebige Lösung, die gleichzeitig regensicher ist und optischen Ansprüchen an denkmalgeschützten Sakralbauten gerecht wird.



Walzblei zählt seit jeher zu den vielseitigsten und traditionsreichsten Materialien an Dächern und Fassaden von Sakralbauten, da der Werkstoff langlebig und formbar ist – Eigenschaften, die ihn besonders für diesen Einsatz geeignet machen. Für die Verbindung der Bleiteile stehen unter anderem zwei bewährte Methoden zur Verfügung: das Falzen und das Schweißen. Das Schweißen kommt bei Anwendungen zum Einsatz, bei denen Stabilität und absolute Dichtheit eine entscheidende Rolle spielen, wie etwa bei Verwahrungen, Anschlüssen oder filigranen Eckausbildungen. Durch das Verschmelzen der Bleiteile entsteht eine durchgehende Lötnaht, die sowohl extremen Witterungsbedingungen standhält als auch punktuellen Belastungen mühelos widersteht.
Altdeutsch (fast) ohne Steigung
Kegeldächer werden im Gegensatz zu „normalen“ Steildächern mit sehr geringer Gebindesteigung eingedeckt bzw. ab 70° Dachneigung ohne. Es ist eines der anspruchsvollsten Dachdetails der altdeutschen Schieferdeckung, bei dem neben dem handwerklichen Können des Dachdeckers besonders auf eine solide Ausführung der Unterkonstruktion ankommt. Erfahrene Zimmerer beherrschen die Ausführung des runden Schalens der Dachfläche noch, ohne dass Kanten hier abgehobelt werden müssen. Bei der Einteilung muss besonders auf die Verkürzung der Sparrenlänge geachtet werden. Die Gebinde laufen konisch. Die Trauflängen werden beispielsweise in vier gleich große Abschnitte eingeteilt und jeweils senkrecht zur Traufe abgemessen. Diese Linien dienen als ideale Bezugspunkte für die Einteilung der Deckgebinde. Anschließend wird die Gebindesteigungslinie angezeichnet. Zum Einzeichnen der Gebindelinien eignet sich ein Blechstreifen oder Stabstahl. An der Spitze des Halbkegels wird ein Deckgebinde mit derselben Steigung markiert. Bei großen Flächen sind zusätzliche Hilfslinien sinnvoll. Die Eindeckung erfordert fortlaufendes Nacharbeiten der Schieferplatten: je stärker die Rundung, desto intensiver die Nacharbeit. Außerdem wird der Decksteinhieb von Gebinde zu Gebinde zunehmend stumpfer. Der erfahrene Dachdeckermeister Volker Stenger setzte die Deckung konsequent um.
Einzeln angefertigt
Die halbrunde Apsis der Kapelle wurde energetisch ertüchtigt. Auf der vorhandenen Betondecke wurde eine Dampfsperre als Behelfsabdichtung für die Bauphase aufgebracht. Der konstruktiv neu hergestellte belüftete Dachaufbau - bestehend aus einer wärmegedämmten, be- und entlüfteten Distanzkonstruktion aus technisch getrocknetem Vollholz - erhielt eine neue 30 mm Holzschalung. Als temporären Witterungsschutz erhielten die Bretter eine hochwertige Vordeckung, die für die hohe mechanischen Beanspruchung während der Verlegung ausgelegt war. Für die Aufnahme der Scharen verlegten Sebastian Lauterbach und Ingo Zimmer eine Trennlage mit Drainagefunktion, die gemäß § 4.3.1 der Fachregel für Metallarbeiten für Doppelstehfalzdeckungen mit Zink bei Dachneigungen bis 15 ° vorgeschrieben ist, um der sogenannten „Heißwasserkorrosion“ an der Unterseite der Scharen vorzubeugen. Darunter versteht man bei Titanzink eine punktuelle Tiefenkorrosion (Lochfraß), die entsteht, wenn die Materialunterseite dauerhaft Feuchtigkeit in Kombination mit hohen Temperaturen ausgesetzt ist.
Rinne und Einlaufbleche montierten die Dachdecker in Segmenten, wobei sie darauf achteten, jede Naht aus optischen Gründen hinter den oberflächenbündig eingelassenen Rinneisen zu platzieren. Nach Montage einer Schare mit Fest- und Schiebehaften aus Edelstahl wurde die nächste auf gemessen, von Hand zugeschnitten und gekantet. Aufgrund der geringen Dachneigung wurden Dichtstreifen eingefalzt, vorgeschrieben bei einer Doppelstehfalzdeckung bei Unterschreitung der Regeldachneigung von 7°. Die Mindestdachneigung beträgt 3°.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 08. 2026






