Hier zu sehen der Dachgarten des Hochschulteam X4S von Biberach mit Retentions-Gründach und PV-Röhren als Pergola.
Der Dachgarten des Hochschulteam X4S von Biberach mit Retentions-Gründach und PV-Röhren als Pergola. (Quelle: Team X4S/SDE)

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20. July 2022 | Teilen auf:

Kreativer Nachwuchs baut Grün & Solar

Der Hochschulwettbewerb Solar Decathlon Europe SDE 21-22 in Wuppertal verdeutlicht, wie nachhaltiges Bauen und Wohnen in der Stadt aussehen kann. Oft genug hört man „was alles nicht geht“ und die 18 Teams aus 11 Ländern zeigen hier „was eben doch alles geht“.

Dabei kommen auch teilweise Produktinnovationen zum Einsatz. Auch das Thema „Dachbegrünung in Kombination mit PV-Röhrenmodulen“ ist vertreten und erzielt im Wettbewerb enorme Aufmerksamkeit. ZinCo unterstützte die Teams der Hochschulen Biberach und Düsseldorf bei der Planung und Umsetzung ihrer kreativen Ideen für Grün und Solar auf dem Dach.

Der Solar Decathlon ist ein internationaler, studentischer Innovationswettbewerb für Gebäude, der nach seinem Start in den USA 2002 mittlerweile 13 mal rund um den Globus stattfand und an der Bergischen Universität Wuppertal sein erstes Gastspiel in Deutschland feiert. Sein Ziel ist, den Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand im urbanen Raum aufzuzeigen. Umbauen, Anbauen, Aufstocken und Baulücken schließen sind architektonische Aufgaben die zu lösen sind. Ganz konkret ging es um die Wettbewerbsaufgabe, das Wuppertaler Café Ada im Mirker Quartier umzugestalten und aufzustocken.

Gebäude-Demonstratoren

Wie die Hochschulteams diese Aufgabe gelöst haben, zeigen sie auf dem Solar Campus in Wuppertal anhand von 10 x 10 Meter großen, ein- bis zweistöckigen und voll funktionsfähigen Gebäude-Demonstratoren. Diese sind ein Ausschnitt ihrer Gesamtplanung, die in insgesamt zehn Kategorien bemessen und prämiert wird, weshalb der Wettstreit auch „Decathlon“, also Zehnkampf heißt. Etwa die Hälfte der Gebäude-Demonstratoren wird über die eigentliche Veranstaltung im Juni 2022 hinaus auf dem Solar Campus verbleiben und bewohnt werden, zum Beispiel dauerhaft oder in Form von Hostel-Vermietungen. Unabhängig davon, ob die Gebäude-Demonstratoren weiterhin in Wuppertal stehen oder wieder an die Hochschule des jeweiligen Teams wandern – all die Innovationen und Technologien, die in den Gebäuden stecken, werden in weiterer Forschung über die nächsten 3 Jahre unter die Lupe genommen.

Gründach mit PV-Röhren

Das Hochschulteam X4S aus Biberach realisierte einen Dachgarten, der die Kombination „Dachbegrünung und PV-Röhrenmodule“ vorstellt. Diese Planung unterstützte ZinCo mit seinem Kooperationspartner TubeSolar AG, dem Hersteller der PV-Röhrenmodule. „Unser Kerngedanke bei der Gesamtplanung war, die privaten Grundrissflächen zu minimieren und dafür großzügige Gemeinschaftsorte zu schaffen“ führt Marie-Lise Hofstetter aus, zuständig für Kommunikation und Koordination im Biberacher Team X4S. „Das wollten wir auch auf dem Dach. Daher war es ideal, dort einen intensiv begrünten Garten mit großem Holzdeck zu bauen, der als Pergola gleich die Solarmodule verwendet – ohne Flächenkonkurrenz. Und drunter kann jetzt gemeinsam gechillt, gelacht und gegärtnert werden.“ Die Dachnutzung mit Photovoltaik ist nämlich außerdem verknüpft mit Urban Farming: in mehreren Hochbeeten wachsen Tomaten, Paprika, Zucchini, Salat, Kräuter und Beeren.

Holzdeck mit Gründach
Pergola mit PV-Röhren, Holzterrasse, Intensivbegrünung und Retention – sämtliche Funktionen sind ohne Flächenkonkurrenz verwirklicht. (Quelle: Zinco)

Retention kommt dazu

Die Biberacher verwendeten außerdem den ZinCo-Systemaufbau „Retentions-Gründach“, um Regenwasser zu speichern und zeitversetzt abfließen zu lassen. Damit soll die Kanalisation bei Starkregen entlastet werde. Dazu wurde auf der Kunststoffabdichtung das Systemfilter PV vollflächig auf 64 m² verlegt. Diese Spacer können bis zu 95 Liter Regenwasser pro Quadratmeter speichern. Die Retentionsdrossel reguliert den Wasserabfluss vom Dach und fungiert gleichzeitig als Notüberlauf. Auf die Retentions-Spacer folgte das Systemfilter PV als Abdeckung und im Bereich des geplanten Holzdecks moosgummibeschichtete Aluminiumprofile, auf welchen die Holzlattung verschraubt wurde. Die Beschichtung gleicht kleinere Unebenheiten aus und dient der Trittschalldämmung. Eine dünne Schicht Zincohum wurde auch aufgebracht, um den humosen Anteil für die durstigen Tomaten und die anderen Nutzpflanzen zu steigern. Unterstützung mit Rat und Tat erfuhr das Projekt durch Christoph Hokema von der Staudengärtnerei Fehrle, die die Pflanzen lieferte.

Zukunftsweisende Ideen

Urban Farming und auch Hydroponic (hocheffizienter Nutzpflanzenanbau in Wasser) machen die Dachgeschoss-Idee des Düsseldorfer Hochschulteams MIMO in ihrer fiktiven Gesamtplanung aus (siehe Rendering). „Wir wollen damit ein Bewusstsein schaffen für einen autarken Lebensstil und gesunde Ernährung. Das Dachgeschoss ist wie ein Gewächshaus, das zu jeder Jahreszeit genutzt werden kann. An kalten Tagen schließt sich die Klimahülle und die Dachterrasse wird zum Wintergarten“ erklärt Patricia Keck, Verantwortliche für den Projektentwurf. „Im Gebäude-Demonstrator spiegelt sich die Urban Farming Idee nun in einer außenliegenden Terrasse wider, weil wir den verfügbaren Innenraum für die vorgesehene Bewohnung benötigten. Die besondere Klimahülle ist natürlich im Demonstrator umgesetzt.“ Mit Klimahülle ist die gesamte Gebäudestruktur gemeint, welche aus beweglichen, horizontalen Lamellen besteht, die sowohl der Belüftung als auch der Stromgewinnung dienen, da sie mit Photovoltaikzellen belegt sind.

Dachlichtbänder Gründach
Die Dachlichtbänder lassen sich komplett öffnen und sind ebenfalls mit Photovoltaikzellen ausgestattet. Es gibt also großflächig Strom, Licht und Luft vom Dach (Quelle: MIMO/SDE21-22)

Zwischen den Lichtbändern ist auf Basis einer Edelstahlabdichtung begrünt. „Wir haben uns für Edelstahl entschieden, da es langlebiger und nachhaltiger als jedes andere Abdichtungsmaterial ist“, konstatiert Patricia Keck.

Unterstützung vom ZinCo-Dachgärtner

In der Ausführung bekam das Düsseldorfer Team MIMO Hilfe durch den Dachgärtner-Fachbetrieb GRÜN+DACH von Jürgen Quindeau. Er verlegte vorkultivierte Sedum-Kräuter-Vegetationsmatten. Grundsätzlich wäre auch eine Aussaat oder Pflanzung von Flach- bzw. Kleinballenpflanzen möglich – nur nicht, wenn sich ein Gebäude-Demonstrator für einen Wettbewerb spontan hübsch macht.

Alle sind Gewinner

Unabhängig davon, welcher Gebäude-Demonstrator in welcher Kategorien wie bewertet wurde oder sich nachher als Gesamtsieger herausstellte – alle sind Gewinner, weil Grün und Solar gebaut wurde.

zuletzt editiert am 21.07.2022