Bauphysik: Anfang des Jahres wurden die überarbeitete DIN 4108-7 „Luftdichtheit von Gebäuden“ und auch das WTA Merkblatt „Luftdichtheit im Bestand“ Teile 1 – 3 veröffentlicht. Neben der üblichen redaktionellen Überarbeitung, Aufnahme neuer Abdichtungsstoffe, neuer Details usw. steht die Planung der Luftdichtheitsschicht mithilfe eines Luftdichtheitskonzepts im Fokus.
Bevor wir uns damit auseinandersetzen, eine kleine Geschichte aus dem (Dachbau-)Leben. Ein guter Freund will sein Dach sanieren lassen. Was liegt da näher, als zu fragen, ob man sich nicht einmal das Angebot des Dachdeckerfachbetriebs ansehen kann.
Wenig Raum für Luftdichtheit
Das LV stammt von einem guten Betrieb, auch was das Thema Luftdichtheit betrifft, sehr sensibel und sorgfältig. Was bei der Durchsicht des äußerst detaillierten Angebots aber auffällt ist, dass es unter anderem acht Positionen für Abrissarbeiten, 16 Positionen für die Dacheindeckung sowie neun Positionen für Klempnerarbeiten gibt.
Weiterhin fällt auf, dass in Bezug auf die Ausführung einer Luftdichtheitsschicht nur die folgende Position auftaucht: „Lieferung und fachgerechte Verlegung einer Luft- und Dampfsperre nach Herstellervorschriften. Anschlüsse an Holz und Mauerwerk entsprechend der Ausführungsbeispiele der DIN 4108-7.“ Bei diesem Punkt, der sich zwischen den Dämmarbeiten versteckt, tut sich die Frage auf: Reicht eine einzige Position für eine so wichtige Schicht? Klare Antwort: Nein. Noch deutlicher gesagt: Wieso gibt es 16 Positionen für die Dacheindeckung? Würde nicht auch hier eine Position ausreichend sein?
Ausschreibung: Details fehlen
Aus Gesprächen mit Sachverständigen, Energieberatern, Luftdichtheitsprüfern und eigener Erfahrung kann Folgendes festgehalten werden: Es kommt immer wieder zu Diskussionen über die unter Umständen gewerkeübergreifenden Übergabepunkte der Luftdichtheitsschicht und die „fachgerechte Ausführung“ – gerade, weil die Ausschreibungen nicht eindeutig und detailliert verfasst worden sind.
Genau hier soll das Luftdichtheitskonzept helfen. Es umfasst:
- den Verlauf der Luftdichtheitsebene (Rote Linie), die Beschreibung der Anschlüsse und Durchdringungen (zum Beispiel Anschlüsse an der Traufe, Lüfter, Wohnraumdachfenster usw.).
Das Luftdichtheitskonzept ist unter anderem Grundlage für die spätere Ausführungsplanung, Ausschreibung sowie die Ausführung. Es kann sowohl für ein ganzes Gebäude als auch für einzelne Gebäudeteile, zum Beispiel ein Dach, aufgestellt werden. Je nach „Planungskette“ sollte das Luftdichtheitskonzept vom Architekten, Energieberater oder vom ausführenden Fachbetrieb erstellt werden.
Prinzip des „roten Strichs“
Beispiel für die Erstellung eines Luftdichtheitskonzepts (Abb. 1) bei einer geplanten Dachsanierung mit Aufsparrendämmung. Die rote Linie zeigt den geplanten Verlauf der Luftdichtheitsebene eines Einfamilienhauses. Überall da, wo der rote Strich nicht „lückenlos“ durchgezeichnet werden kann, sind Anschlüsse/Detailpunkte, die berücksichtigt werden müssen. Nicht immer sind Planungszeichnungen von Gebäuden zu erhalten, mit einer „Handskizze“ des Daches (Abb. 2) kann Gleiches erreicht werden. Jeder der in der Beispielskizze aufgelisteten sieben Punkte wird im Luftdichtheitskonzept separat beschrieben (Abb. 3).

Wichtig bei der Umsetzung in der Praxis ist die Festlegung der Übergabepunkte zur „Bestandsluftdichtheitsschicht“, z. B. die neu verlegte Luft- und Dampfbremse an vorhandenem, verputztem Mauerwerk (Abb.4).
Ein weiteres Detail, das im Luftdichtheitskonzept aufgelistet wird: Kabel- und Rohrdurchführungen von Solaranlagen, die die Luftdichtheitsschicht durchdringen. Allgemein wird gerade bei nachträglich auf Dächern verlegten Anlagen diese Durchdringung mit dem „Mut zur Lücke“ nicht luftdicht ausgeführt. (Abb.5).
Die Abdichtung von z. B. durchlaufenden Sparren bei Verlegung der Luftdichtheitsschicht auf den Sparren ist nicht nur zeitaufwändig, auch das zu verwendende System zur Abdichtung muss geeignet sein. Flüssigdichtstoffe, wie z.B. Delta-Liquixx mit Vlieseinlage GT 10, haben sich hierfür in der Praxis bewährt. Flüssigdichtstoffe wurden sowohl in der DIN 4108-7 als auch im WTA Merkblatt neu aufgenommen.
Im Luftdichtheitskonzept werden diese Detailpunkte erfasst und die geeigneten Materialien und deren Anwendung beschrieben. Diese Beschreibung kann wiederum als Grundlage für die Ausschreibung genutzt werden (Abb. 6).




