Ein Holzbalken mit Schimmelbefall in einem Dachbodenbereich.
Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich der Dachboden in eine Tropfsteinhöhle mit unerwünschten Bewuchs verwandelt. (Quelle: Falko Ansperger)

Steildach 2026-06-23T11:30:03.310Z In der Wohnung regnet´s

Serie Sachverständige: Ein Meisterbrief ist zwar keine Garantie für gute Arbeit, aber der Lehrplan sieht die Vermittlung grundlegenden Wissens in Theorie und Praxis vor, die beim nachfolgend beschriebenen Bauvorhaben unbeachtet blieben. Das Dach war zwar regensicher eingedeckt, nass von oben wurde es für die Bewohner trotzdem - ein Gesetz der Bauphysik.

Der Sachverständige wurde mit der Aufgabe betraut, die Ursache der im Wohnraum festgestellten, feuchten Stellen zu ermitteln. Die Ortsbegehung wurde im Januar bei sonnigem, kaltem und trockenem Wetter durchgeführt. Auf dem Dach lag eine dichte Schneedecke. Ein Fassadengerüst für die Sanierung des Gebäudes erlaubte es, auch die Dacheindeckung zu erreichen.

Dachbaufbau: Dampfbremsbahn, Wärmedämmung, Unterspannbahn, Konter- und Traglattung

Vor zwei Jahren begann die Sanierung des Gebäudes. Als erste Maßnahme ließen die Bauherren die Dacheindeckung erneuern. Der Aufbau bestand aus Dampfbremsbahn, Wärmedämmung, Unterspannbahn, Konter- und Traglattung sowie einer Betondachsteindeckung mit Dachentwässerung. Die Ausführung dieser Arbeiten erfolgte durch einen einzelnen Dachdecker ohne Meisterbrief, der jedoch über die erforderlichen Zulassungen gemäß der Altgesellenregelung verfügte und dabei von mehreren Helfern unterstützt wurde.


Die Sanierungsarbeiten in den privaten Wohnbereichen im Dachgeschoß wurden vor einem Jahr abgeschlossen und seitdem zu Wohnzwecken genutzt. Gegenwärtig wird das Objekt einer umfassenden Kernsanierung in den unteren Etagen unterzogen.

Eine Dachkonstruktion mit sichtbarer Dampfsperre und Holzbalken.
Anpresslatten sucht man hier vergebens. (Quelle: Falko Ansperger)
Das Bild zeigt Schimmelbildung auf der Isolierung eines Dachbodens, sichtbar durch eine beschädigte Dampfsperre.
Schimmelbildung sichtbar durch eine beschädigte Dampfsperre. (Quelle: Falko Ansperger)

Satteldach: Variable Dachtraufen

Das Objekt wurde im Jahr 1971 in massiver Betonbauweise errichtet und dient sowohl der gewerblichen als auch der privaten Nutzung. Die Fassade wurde unter Verwendung von Betonteilen konstruiert und mit einem Putz versehen. Die Fenster und Türen weisen dem Alter entsprechend angemessene Zustandsmerkmale auf.


Das Satteldach wird durch variable Dachtraufen sowie die Integration von innenliegenden Dachbalkonen unterbrochen. Die 250 Quadratmeter große Fläche hat eine Neigung von ca. 19 – 20 Grad. Die Dachkonstruktion ist mittels Holzsparren in einer Abmessung von 200 x 100 mm, bei einem Achsmaß von 70 bis 75 cm, errichtet.

Ein Bild von Schimmelbefall an einer Decke, das die Ausbreitung von Feuchtigkeitsschäden zeigt.
Wasserlachen auf der Dampfsperre zeugen von viel Kondensat. (Quelle: Falko Ansperger)

Schadensbild im bewohnten Innenraum

Die Deckenanschlüsse zur Außenwand weisen bereits schimmelbildende schwarze Flecken auf. Die Tapeten der Decken im Wohnzimmer sind lokal mit Wasserflecken durchfeuchtet.
Im Schlafzimmer wurde eine großflächige Durchnässung des Drempelbereichs festgestellt, welche sich bis zum tragenden Wandbereich erstreckt. Ein Trocknungsgerät ist bereits in Betrieb. In weiteren Deckenbereichen der Wohnung, die an tragende Zwischenwände, Stürzen und weiteren Komponenten mit Kaltstellen angebunden sind, wurden signifikante Durchnässungen festgestellt. Diese führt zu Tropfenbildungen innerhalb der Wohnung, die einem Leitungswasserschaden ähneln.

Istzustand des Daches

Das Dachschichtenpaket ist wie folgt aufgebaut:

  • Betondachsteine
  • Traglattungen 32x52mm
  • Konterlatten 30x50mm
  • diffusionsoffene Unterspannbahn
  • Mineralwolle WLG 035 Dicke 140mm
  • Dachsparren in Abmessung 200x100mm, bei einem Achsmaß von 70cm
  • Dampfbremsbahn Sd 100 mm mit Haltelatten unterhalb der Sparren
  • Innenausbau

Die Decke im Wohnraum ist ungedämmt und diffusionsoffen

Durch die lokale Demontage von Deckenplatten in den Innenräumen waren direkte Zugänge zum Dachschichtenaufbau der Dachschrägen möglich. Die Erfassung weiterer Erkenntnisse ermöglichte ein Zugang durch eine Bodentreppe in den Dachboden.
In den Gefachen zwischen den Sparren der bewohnten Bereiche und im Spitzboden ist eine Wärmedämmung bis zum First installiert. Als Dampfbremse wurden eine stark diffusionshemmende Bahn mit einem Sd-Wert von 100 verwendet. Diese ist lapidar über die Sparren gezogen und wickelt die Wärmedämmung im Zwischenbereich darin ein. Die Art der Ausführung ist für eine Dampfbremsfolie mit diesen technischen Materialwerten als ungeeignet zu betrachten. Notwendige seitliche Haltelatten an den Sparren sowie weitere Stützhölzer zur Lagesicherung der Wärmedämmung sind nicht vorhanden.

Die Decke im Wohnraum ist ungedämmt und diffusionsoffen, sodass ein direkter Wärmeabzug in Verbindung mit gesättigter Luftfeuchtigkeit durch diese in den Dachboden gelangt. Die Holzkonstruktion mit Sparrenlage, Pfetten und Hilfslatten im Dachboden sind dadurch nass. Schädliche Schimmel- und Pilzbildungen liegen bereits vor.

Es fehlt der luftdichte Anschluss


Die Dampfbremsbahn findet ihren losen Abschluss an den An- und Abschlüssen von Wänden, Mauerwerk sowie an den Drempeln, ohne dass eine luftdichte Verbindung mit den angrenzenden Bauteilen hergestellt ist. Die Dachdurchdringen wurden durch Einschnitte in die Dampfbremsbahn realisiert. Hier fehlt ebenfalls der luftdichte Anschluss. Darüber hinaus weisen unverklebte Löcher und Einschnitte in der Dampfbremsbahn auf weitere Fehler bei der Verarbeitung hin. Als Folgeerscheinungen sind massive Tauwasserbildungen an den Holzkonstruktionen, unter der Dampfbremsbahn und im Dachschichtenpaket zwischen Wärmedämmung und Dampfbremsbahn sowie unter der dachseitigen Unterspannbahn und den Dacheinbauteilen vorhanden.
Diese signifikante Tauwasserbildung hat ein Ausmaß erreicht, bei dem ein kontinuierlicher Wassereinlauf in der Wohnung zu verzeichnen ist. Dies manifestiert sich in einer Tropfenbildung, die den Eindruck erweckt, als würde es „in der Wohnung regnen.“

Fazit: Kompletter Rückbau

Die Dacheindeckung mit dem kompletten Dachschichtenaufbau ist bis zur Sparren-konstruktion zurückzubauen. Demontiertes Material ist fachgerecht zu entsorgen. Die verbleibende Holzkonstruktion, die von Pilzen und Schimmel befallen ist, muss einer grundlegenden Überarbeitung unterzogen werden, um sämtliche schädliche Rückstände und Sporen zu beseitigen. Eine neue geeignete Dampfbremsfolie ist unter den Sparren einzuziehen und luftdicht an allen An- und Abschlüssen, Dacheinbauteilen und sonstigen Elementen anzuschließen.


Gemäß den aktuellen Vorgaben muss eine Wärmedämmung gewählt werden, die den aktuellen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) entspricht. Die Wärmedämmung ist ohne Wärmebrücken gemäß den jeweiligen Herstellervorgaben zu verlegen. Die Dachunterspannbahn ist auszutauschen.
Der weitere Dachaufbau kann gemäß den Vereinbarungen aus dem Bauvertrag, unter Berücksichtigung der Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks, wieder aufgebaut werden.

Ein Maßband wird verwendet, um die Dicke einer Dachkonstruktion zu messen, die mit einer grünen Folie abgedeckt ist.
Die Verklebung der Überlappungen war mangelhaft ausgeführt. (Quelle: Falko Ansperger)
zuletzt editiert am 16. Juni 2026
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