Fünf Männer sprechen sitzend auf einer Bühne.
Diskussion der Klimahelfer: Von links Thomas Ranft, Ulrich Marx, Dr. Gunter Mann, Christian Schneider und Florian Häßner. (Quelle: DDH)

Nachhaltigkeit 2023-12-21T10:53:13.656Z Klimahelfer Dachdecker

Frankfurt: Sind Dachdecker Teil der Energiewende oder noch nicht? Welche nachhaltigen Maßnahmen können die Betriebe jetzt schon umsetzen? Eine Podiumsdiskussion beim 75. hessischen Landesverbandstag machte deutlich, wo es noch Optimierungsbedarf gibt.

Für das Jubiläum, 75 Jahre hessischer Landesverband, hatten die Veranstalter die Klassikstadt in Frankfurt ausgewählt – eine gute Wahl. Das Areal, im Stadtteil Fechenheim gelegen, ist ein beliebter Veranstaltungsort. Besonders Liebhaber klassischer Oldtimer kommen hier auf ihre Kosten. Bei Regenwetter begrüßte Landesinnungsmeister Stefan Schöffmann am Freitagmorgen die rund hundertzwanzig Gäste, unter Ihnen auch ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk, Vizepräsident André Büschkes sowie ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx und der Geschäftsführer des baden-württembergischen Verbands, Patrick Bieresser. Lob und Dank gab es für Obermeister Hermann Schmidt, der mit seinem Team den Verbandstag unterstützt hatte.

Schlechte Zahlen beim Neubau

Auf die aktuellen, alarmierenden Wirtschaftszahlen ging Landesinnungsmeister Stefan Schöffmann in seinem Grußwort ein. „Was ist los mit unserer Wirtschaft? Die Baugenehmigungen sind im ersten Halbjahr um 27 % zurückgegangen, die Bauwirtschaft ist in der Krise. Doch die Regierungsparteien stolpern von einer Panne in die andere. Wenn wir so arbeiten würden, wären wir schnell pleite“, so Schöffmann. Zudem kritisierte der Landesinnungsmeister die fortschreitende Bürokratisierung. „Zum Glück müssen wir uns als Klimahandwerker erst mal keine Sorgen machen. Dennoch sollten wir uns um die Themen Solar, Gründach und Drohnen kümmern, um das Gewerk noch attraktiver für junge Menschen zu machen“, appellierte Schöffmann.

Dachdecker seit Jahren schon Klimaschützer

Ministerpräsident Boris Rhein ließ es sich nicht nehmen, selber Grußworte vor Ort zu überbringen. „Mir ist wohl bewusst, dass ein starkes Hessen ein starkes Handwerk braucht. Aktuell brauchen wir eine starke Agenda und kein Heizungsgesetz, dass die Menschen verunsichert. Konkret: Mehr Technologie, mehr Allianzen, mehr erneuerbare Energien und eine Kombination aus Ökologie und Ökonomie. Hier sind die Dachdecker seit Jahren schon als Klimaschützer aktiv“, sagte Rhein. Als positives Beispiel nannte der Ministerpräsident die Kooperation der Dachdecker mit dem Elektrohandwerk.

Grußworte kamen auch von Susanne Haus, HWK Rhein-Main, und ihrem Vertreter DDM und Ehrenlandesinnungsmeister Ludwig Held. „Das Dachdeckerhandwerk braucht Unterstützung und Veränderung. Die Ausschreibungen müssen vereinfacht werden. Leistung muss sich wieder lohnen“, so Haus. „Der Fachkräftemangel beschäftigt uns alle. Im Campus für berufliche Ausbildung in Frankfurt und unserem Ausbildungszentrum in Weilburg gehen wir die Herausforderungen an, dafür steht das Dachdeckerhandwerk“, ergänzte Held. Tischlermeister Wolfgang Kramwinkel, Präsident der Arbeitgeberverbände des hessischen Handwerks, betonte die konstruktive und wertvolle Arbeit in der hessischen Handwerksfamilie.
Durchaus positive Anzeichen und Interesse am Handwerk bei Jugendlichen erkennt Dirk Bollwerk. „Junge Menschen wollen durchaus arbeiten, wollen sich sinnstiftend einbringen. Da bieten wir Dachdecker mit Solar und Gründach doch gleich die passenden Themen: Darum beschäftigt euch mit diesem Bereich, das sichert uns die Zukunft“, ergänzte der ZVDH-Präsident.
Wichtig und positiv ist, dass die Dachdecker für eine komplette Dachsanierung die passenden Angebote im Bereich Solar und Gründach mit anbieten können und müssen.

Das System Erde wird nicht bezahlt

Den Vergleich mit dem Nachwuchs nahm Moderator Thomas Ranft gleich mit auf. „Wir sind mittendrin im Massensterben, weil die Menschen sich wie partymachende Jugendliche verhalten. Wir bedienen uns am System Erde und bezahlen nicht“, warnte der Wetter-Experte. Kritik übte Ranft an der deutschen Verwaltungsmentalität: „Solar, Wind, alternative Energien – alles was wir brauchen wissen wir schon, leider passiert dennoch in Deutschland zu wenig“, kritisierte Ranft. Etwas Hoffnung gab er den Teilnehmern dennoch mit auf den Weg: „Sie sind nicht alleine. Jeder von uns muss sich verändern. Wir können auch in kleinen Schritten anfangen, aber warten Sie nicht zu lange damit.“ 

Stefan Schöffmann und Mike Lorenz, Vorstand des FEHR, Fachverband E-Handwerk Hessen- und Rheinland-Pfalz, erläuterten anschließend, wie anhand eines gemeinsam entwickelten Leitfadens der Einbau von Solarenergie schneller vorangehen kann. Klar ist: Das Ziel, die Energiewende, zu erreichen, kann nur gemeinsam gelingen. In dem Zusammenhang betonte Schöffmann die erfolgreichen Lehrgänge des BBZ Mayen zum PV-Manager und zur Fachkraft für Solartechnik (HWK), die in Weilburg angeboten werden.

Solar: Der Wille ist da, die Umsetzung dauert

Gespannt waren die Dachdecker, als Ranft dann ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx, Dr. Gunter Mann, Präsident Bundesverband Gebäude Grün, Soka-Dach Direktor Christian Schneider und den stellvertretenden Landesinnungsmeister Florian Häßner „in den Ring schickte“. Häßner warnte vor immer mehr fachfremden Firmen, die PV-Anlagen installieren, deren „Arbeit“ Dachdecker reparieren müssen. „Positiv ist, dass wir in den Gesprächen mit der Bundesregierung endlich gehört werden. Die Umsetzung hapert allerdings oft noch, es geht einfach noch zu langsam voran“, berichtete Ulrich Marx. Kritisch wurde angemerkt, dass Bauherren Gewerbesteuer für die Solar-Anlage bezahlen müssen. Eine kontroverse Auseinandersetzung wollte nicht recht aufkommen, einig waren sich alle Teilnehmer: Nur mit einer Kombination aus verstärkter Nachwuchswerbung, Kooperationen und Innovationswillen wird es gelingen, die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen und als Gewerk attraktiv zu bleiben.

Dachmobil für die Jugend

Nach der Mittagspause gab es eine Führung durch die Klassikstadt. Die Dachdecker bestaunten die Werkstätten, in denen Restaurierungsarbeiten und Reparaturen an klassischen Fahrzeugen durchgeführt werden. Anschließend stellte Geschäftsführer Norbert Hain ein Highlight in Sachen Nachwuchswerbung vor: Das neue Dachmobil, ein Pick-up mit Anhänger, der ab sofort durch Hessen zieht und mit seinen Infoständen und Virtual Reality-Attraktionen zeitgemäß für das Dachdeckerhandwerk wirbt. Nach seiner Einweihung waren die Infostände gleich gut besucht. Leon Hain erläuterte die zahlreichen Anwendungen geduldig.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 12.2023

zuletzt editiert am 11. Januar 2024