Speyer: Zwischen Ausstellungsstücken der Raumfahrtgeschichte diskutierten die rheinland-pfälzischen Dachdecker im Technik Museum Speyer über 100 Jahre Fachregelwerk. Außerdem standen Cyber-Sicherheit und betriebliche Zukunftssicherung auf der Agenda.
Bei bestem Dachdeckerwetter lud der Landesverband Mitte September zum Verbandstag nach Speyer ein. Austragungsort war das Technik Museum mit seiner Ausstellung „Apollo & Beyond“ und dem originalen Space Shuttle „Buran“ – eine Kulisse, die den Technikbezug des Handwerks anschaulich unterstrich. Für die Dachdecker war die Veranstaltung mehr als nur eine gesellige Zusammenkunft: Das Programm bündelte aktuelle Branchenthemen von der Entwicklung des Fachregelwerks bis zur Cyber-Absicherung von Betrieben.
Der Freitag stand ganz im Zeichen von Anreise und persönlicher Begegnung. Am Abend eröffneten Landesinnungsmeister Johannes Lauer und Obermeister Mario Hölzig (Dachdecker-Innung Vorderpfalz) den Weindorf-Abend im Technik Museum. Musikbegleitung, ein Kinderprogramm und ein lockeres Beisammensein rundeten den Auftakt ab.


Nach dem Empfang am Samstagmorgen startete die öffentliche Tagung im Aussteller-Parcours der Eventhalle „Hangar 10“. Landesinnungsmeister Johannes Lauer ließ es sich nicht nehmen, an seinem Geburtstag die rund hundert Gäste persönlich zu begrüßen. Er dankte Obermeister Mario Hölzig und seinem Team für die gute Vorbereitung und Durchführung des Events sowie den Sponsoren für ihre finanzielle Unterstützung. „Es ist der höchste Feiertag für unsere Dachdecker aus Rheinland-Pfalz, lassen Sie uns das gebührend feiern“, betonte Lauer. Unter den Gästen waren neben der Oberbürgermeisterin von Speyer, Stefanie Seiler, auch ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk, der ehemalige BBZ-Geschäftsführer und Ehrenmitglied Artur Wierschem, BBZ-Geschäftsführer Rolf Fuhrmann sowie der technische Leiter des BBZ, Martin Krick.
In ihrem Grußwort stellte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler die Leistungen des Dachdeckerhandwerks heraus: „Sie sorgen für nachhaltige Lösungen und liefern mit Gründächern und PV-Anlagen Antworten auf die Folgen des Klimawandels. Es geht konkret um die Räume, in denen wir leben. Dafür braucht es die Fachleute, die uns schützen – mit Produkten, die bezahlbar sind. Gerade deshalb wollen wir ihre Rahmenbedingungen verbessern“, versprach Seiler.

Nachfolgeregelung nicht auf die lange Bank schieben
Die aktuellen Themen des Verbands skizzierte anschließend ZVDH-Vizepräsident Felix Schneider anschaulich: „Es gibt laute Themen und leise. Die lauten sind die Probleme bei Materialpreisen oder Verfügbarkeit. Die leisen sind zum Beispiel die Betriebsnachfolge und Weiterbildung." Besonders beim Thema Nachfolge mahnte Schneider, die Planung nicht auf die lange Bank zu schieben: In Rheinland-Pfalz gibt es aktuell rund 450 Dachdecker-Innungsbetriebe. Vier von zehn Betriebsübergaben scheitern jedoch. Vor diesem Hintergrund warb Schneider nachdrücklich für die Beteiligung an einer aktuellen ZDH-Umfrage zur Betriebsnachfolge.
Fachregelwerk: Ein Diamant, der geschliffen wird
Im ersten Fachvortrag blickte Jan Redecker, ZVDH-Geschäftsführer Technik, auf ein Jahrhundert Fachregelwerk zurück und wagte zugleich einen Ausblick nach vorn. Er sieht Parallelen zum Technik Museum: „Beide, Regelwerk und Ausstellung, werden getragen von einer Community, die technikbegeistert ist – mit dem Ziel, Technik zu bewahren und zu erweitern.“ Die Zeitreise des Regelwerks führte von 1.400 Seiten Papier über browserbasierte Lösungen und App-Angebote bis zur KI-Anwendung. Redecker gab Einblicke in die Historie und forderte die Mitglieder auf, den KI-Fachassistenten noch stärker zu nutzen.
„Zur Beta-Version brauchen wir mehr Feedback, unsere Auswertungen zeigen, dass das noch zu wenig ist. Das Fachregelwerk ist ein Diamant, der geschliffen wird – als klarer Leitfaden für uns Dachdecker“, so Redecker. Anschließend skizzierte er die gemeinsame Planung mit dem Institut für Dach- und Fassadentechnik (IDFT). Ziel sei es, bestehende Lösungen für Anwendungen und Produkte weiter zu verbessern.

Schutzgerüst für die Daten
Digitalisierung ist im Dachdeckerhandwerk längst Alltag – von der digitalen Aufmaßerfassung bis zur Betriebssoftware. Mit der zunehmenden IT-Durchdringung steigen jedoch auch die Risiken durch Cyberangriffe, Datenverlust oder Erpressungssoftware. Im zweiten Vortrag beleuchtete Kai Lütcke (Signal Iduna) das Thema Cyber-Sicherheit und gab Praxistipps zur Prävention. Er warnte: „Fast immer sind es Phishing-Mails, die Gefahren bergen; Angriffsmethoden werden mit KI noch authentischer – und damit gefährlicher.“ Sein Rat: Mitarbeiter regelmäßig und systematisch über die Risiken aufklären.
Wie ein erfolgreicher Hacking-Angriff in der Praxis ablaufen kann, demonstrierte Marcel Frenzel (Perseus Technologies GmbH). Er stellte zudem die Vorteile einer Cyber-Versicherung vor.

Um den Mitgliedern einen Anreiz zu geben und das Thema im Verband stärker zu verankern, unterzeichneten anschließend Stephan Orth, Oliver Reiner und Johannes Lauer einen Rahmenvertrag mit Signal Iduna. Ziel der Vereinbarung ist es, den Mitgliedsbetrieben des Landesinnungsverbandes einen Versicherungsschutz im Bereich Cyber-Versicherung zu ermöglichen. Damit wurde das Thema Cybersicherheit nicht nur fachlich beleuchtet, sondern zugleich eine konkrete Vereinbarung für die Mitgliedsbetriebe auf den Weg gebracht.
Ein besonderes Highlight war die Ehrung von Luca Schäfer, Landessieger der Handwerksjugend im Dachdeckerhandwerk – Landessieger Rheinland-Pfalz (2025). Johannes Lauer würdigte seine Leistungen, Oliver Pees überreichte im Namen der DEG ein Geschenk. Geschäftsführer Andreas Unger schloss den Vormittag mit organisatorischen Hinweisen Nach der Mittagspause (12.30–13.30 Uhr) folgte von 13.30 bis 17 Uhr ein offener Rahmen aus Aussteller-Parcours, weiteren Vorträgen sowie Kaffee und Kuchen Gelegenheit für die Dachdecker, das Gehörte direkt mit Ausstellern und Industriepartnern zu besprechen.
Das Highlight des Tages bildete ab 19 Uhr der Festabend in der Ausstellung „Apollo & Beyond" mit Blick auf den Speyerer Dom, musikalischer Begleitung, Kinderprogramm und einem Auftritt von Kabarettist CHAKO Habekos und verschiedenen Danksagungen, Nachtmuseumsführungen und einer fulminaten Lasershow. Der Sonntag klang mit einem gemeinsamen Abschluss und einem optionalen Rahmenprogramm aus – ein Verbandstag mit viel fachlicher Substanz, Blick in die technologische Zukunft des Dachdeckerhandwerks und einem deutlichen Fokus auf betriebliche Sicherheit und Nachwuchsförderung.
Zum Abschluss des offiziellen Programms richtete sich der Blick bereits auf das kommende Jahr: Ralf Winn, Obermeister der Dachdecker-Innung des Kreises Neuwied, lud die rheinland-pfälzische Dachdeckerfamilie herzlich zum 80. Landesverbandstag vom 13. bis 15. August 2027 nach Neuwied ein.
