Das Dachdeckerhandwerk zeigte sich im Jahr 2025 wirtschaftlich stabil – getragen von vollen Auftragsbüchern, einer Schlüsselrolle bei der Installation von Photovoltaikanlagen und bei Dämmmaßnahmen. Die größte Herausforderung der Branche bleibt jedoch der Fachkräftemangel.
Das Wichtigste in Kürze: Die wirtschaftliche Lage im Dachdeckerhandwerk blieb 2025 stabil, auch wenn die Branche keine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr verzeichnen konnte. Private Bauherren bleiben die wichtigste Auftraggebergruppe – nicht zuletzt wegen der zentralen Rolle der Dachdecker bei Photovoltaik, Dämmung und Dachbegrünung.
Das Auftragsvolumen verteilte sich weiterhin auf eine schrumpfende Zahl von Betrieben. Die relativen Material- und Personalkostenanteile am Umsatz sanken 2025, während die Preiszuwachsraten bei Personalkosten aufgrund des Fachkräftemangels anzogen.
Die Zahl der Dachdeckerbetriebe mit Mitarbeitern sank im zehnten Jahr in Folge, während der Anteil der Soloselbständigen weiter wuchs und inzwischen rund ein Viertel der Branche ausmacht. Erstmals seit 2010 wurden weniger als 62.000 gewerbliche Beschäftigte gezählt.
Dachdeckerhandwerk in Zahlen:
- Gesamtumsatz 2025: 13,5 Mrd. Euro
- Aktive Betriebe (Statistisches Bundesamt): 13.372
- Tätige Personen insgesamt: 104.988
- Durchschnittsumsatz pro Unternehmen: rund 1.000.000 Euro
- Durchschnittsumsatz pro tätiger Person: 130.000 Euro
- Durchschnittliche Betriebsgröße: 5,5 Mitarbeiter
Das Dachdeckerhandwerk ist stark kleinbetrieblich geprägt: Fast die Hälfte der 13.372 Betriebe beschäftigt weniger als fünf Mitarbeiter, weitere knapp 30 % zwischen fünf und neun. Nur 102 Betriebe zählen 50 oder mehr Beschäftigte. Über die Hälfte der Betriebe erzielt weniger als 500.000 Euro Umsatz und erwirtschaftet damit nur 11,4 % des Branchenumsatzes – eine kleine Gruppe von 340 Unternehmen (2,5 %) mit Jahresumsätzen über 5 Mio. Euro steht dagegen für 27,7 % des Gesamtumsatzes.
Photovoltaik und Dachbegrünung als Wachstumstreiber
Die Installation von Photovoltaikanlagen bleibt ein zentrales Geschäftsfeld für Dachdeckerbetriebe. 2025 stieg die Zahl der installierten Anlagen auf Dächern und Grundstücken um 17,6 % auf einen neuen Höchstwert von 4,8 Millionen Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von rund 106.200 Megawatt (+11,8 %).
Auch Dachbegrünungen gewinnen als Klimaanpassungsmaßnahme an Bedeutung: 2024 wurden laut Bundesverband GebäudeGrün e. V. rund 9 Mio. Quadratmeter Dachfläche neu begrünt – größtenteils im Auftrag gewerblicher Bauherren. Zusammen mit der Dachdämmung, die angesichts steigender Heiz- und Kühlkosten weiter an Relevanz gewinnt, positioniert sich das Dachdeckerhandwerk zunehmend als Klimahandwerk.
Betriebswirtschaftliche Lage: Preise, Insolvenzen, Ertragslage
Die Ertragslage der Branche wurde 2025 leicht von „gut„ auf „gut bis befriedigend“ herabgesetzt. Die Preissteigerungsraten der wichtigsten Baumaterialien – außer Holz – lagen zum dritten Mal in Folge im niedrigen einstelligen oder negativen Bereich. Die Preise für Dachdeckungsarbeiten stiegen 2025 um 4,4 % gegenüber dem Vorjahr.
Die Insolvenzquote im Dachdeckerhandwerk bleibt auf niedrigem Niveau: Die SOKA-DACH zählte für 2025 insgesamt 105 Insolvenzeröffnungen – ein verlässlicher Indikator für die grundsätzlich solide wirtschaftliche Verfassung der Branche.
Fachkräftemangel bleibt größte Herausforderung
Zum Jahresende 2025 zählte die SOKA-DACH 15.241 Betriebe inklusive Soloselbständige (+143). Der Anteil der Soloselbständigen stieg auf 26,7 % – seit 2018 hat sich ihre Zahl auf 4.186 verdoppelt. Gleichzeitig sanken die Mitarbeiterzahlen um 1 %; in den letzten vier Jahren gingen saldiert 2.709 Produktivarbeitskräfte verloren.
Der demografische Wandel verschärft die Lage: Der Anteil der Mitarbeiter über 51 Jahre stieg seit 1985 von 9,9 % auf über 30 %, während sich der Anteil der unter 30-Jährigen im gleichen Zeitraum auf 23,8 % halbierte.
Lichtblick Ausbildung
Die Zahl der Auszubildenden im ersten Lehrjahr stieg 2025 um 10,8 %, über alle drei Lehrjahre um 4,1 %. Mit knapp 9.000 Nachwuchskräften erreicht die Branche die höchste Zahl seit über 20 Jahren. Auch der Frauenanteil wächst: 407 junge Frauen begannen 2025 eine Ausbildung am Dach – ein Plus von 17 gegenüber dem Vorjahr.
Swantje Küttner
