Entwässerung: Die DIN 1986-100 definiert die Vorgaben für Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke und ist aktuell in der Fassung vom September 2016 gültig. Mittlerweile ist die Norm grundlegend überarbeitet und liegt seit Juni 2025 im neuen Entwurf vor – wir stellen die Unterschiede vor.
Mit der Neufassung der DIN 1986-100 liegt die Norm nun deutlich erweitert vor: Zum einen ist die bisherige DIN 1986-4 in der neuen Version aufgegangen, zum zweiten sind neue Abschnitte hinzugekommen, insbesondere zum Retentionsdach. Damit ist sie praxisnäher und stärker auf aktuelle Entwicklungen ausgerichtet.
Änderungen im Einzelnen
Weitere relevante Änderungen sind in den einzelnen Kapiteln zu finden:
- Kapitel 5: Der Abschnitt 10, bislang nur für Balkone und Loggien gültig, ist erweitert auf Laubengänge und Dachterrassen.
- Im Abschnitt 6.5.1 „Lüftung der Entwässerungsanlage – Allgemeines“ wurden Festlegungen zur Nebenlüftung ergänzt.
- Kapitel 7 „Brandschutz“ wurde an die aktuellen gesetzlichen Vorgaben angepasst.
- Kapitel 13: Der Abschnitt „Rückstau“ ist neu geordnet mit neuer Struktur zur Rückstauebene.
- Kapitel 14: Hier ist im neuen Abschnitt 10 das „Retentionsdach“ aufgenommen.
- Anhang A: Die Werte zur Regenspende sind aktualisiert.
- Die Anhänge D, E und F sind neu hinzugekommen.
Weiterhin sind die Bemessungen für Versprünge und Verziehungen bei Schmutzwasser-Fallleitungen differenzierter dargestellt, dies betrifft aber die Dachentwässerung in der Regel nicht. Außerdem geht mit der Neufassung die Harmonisierung mit europäischen Normen einher (EN 752:2023).
Erweiterte Flächen in Kapitel 5
Bislang lautete die Vorgabe, Balkone und Loggien wie Dachflächen zu behandeln. Dies gilt nun für Laubengänge und Dachterrassen analog. Ein Aspekt: Das Entwässerungssystem (inklusive Notentwässerung) muss in der Lage sein, über eine Dauer von fünf Minuten einen „Jahrhundertregen“ abzuführen. Sind die Flächen schwellenarm oder schwellenlos ausgeführt, muss diese Abflussleistung allein von der Notentwässerung geleistet werden können.

Umfangreich geändert: Kapitel 14 „Bemessung“
Der Entwurf 2025 aktualisiert vollständig die Berechnungsgrundlagen. Neue Teile sind Retentions- und Klimaanpassungselemente. Hydraulische Nachweise sind mit Euro-Normen (EN 12056 / EN 752) harmonisiert. Die Harmonisierung führt zu neuen Begriffen, so fließen englische Termini in die Norm ein (wie „Design Flow Rate“). Für die Dimensionierung von Leitungen gibt es neue Vorgaben für Mindestgefälle und Nennweiten sowie für Abflussleistungen.
Im Abschnitt 14.2 „Regenwasseranlagen“ sind die Regendaten aktualisiert, neu sind Regenspende-Zonen und Überflutungsnachweise, Abflussbeiwerte liegen nach Dachart, Begrünung und Nutzung differenziert vor, mit einer Anpassung für Retentionsdächer. Für Druckströmungssysteme gibt es detailliertere Berechnungen und neu definierte Toleranzen. Die Abschnitte „Rinnen“ und „Notentwässerung“ enthalten nun auch Angaben für Retentionsdächer.
Ganz neu – als Abschnitt 14.4 – ist der Teil „Flachdachentwässerung mit gedrosseltem Abflussvermögen (Retentionsentwässerung)“. Damit liegt nun erstmals eine Normvorgabe zur Berechnung von Rückhaltevolumen und Notentwässerung vor. Als neue Berechnungsparameter führt die Norm dafür den Abflussbeiwert Ψret, die Anstauhöhe ha und den Drosselabfluss qd ein. Anhang A „Regenspende“ liegt deutlich erweitert vor, so sind unter anderem die KOSTRA-Regendaten von 2010 durch die von 2020 ersetzt worden. Die Anhänge D (Dichtheitsprüfung), E und F sind als praxisnahe Hilfen neu dazugekommen.
Retention: Mehr Bedeutung
Es gibt diverse Gründe für ein Retentionsdach: Ökologische oder ökonomische Aspekte, städtebauliche Vorgaben, Einleitbeschränkungen. Insbesondere zunehmende Starkregen werden häufiger dazu führen, Flachdächer mit Retention auszuführen. Die Norm setzt nun dafür einen Rahmen. Sie nennt klare Angaben zur Bemessung (und zur Statik des Daches – die Last durch das Regenwasser muss das Dach tragen können) und fordert aufgrund der geringeren Volumenströme kürzere Wartungsintervalle von drei Monaten (DIN 1986-3:2024-11).
Die Notentwässerung ist so zu dimensionieren, dass sie den gesamten (standortbezogenen) Jahrhundertregen entwässern kann und auf Höhe der Wasseroberkante installiert werden, die der maximalen Anstauhöhe für das berechnete Rückhaltevolumen entspricht. Flächenanteile mit Aufbauten wie Lichtkuppeln sind bei der Berechnung des Rückhaltepotenzials selbstverständlich auszuklammern. Hersteller, wie Loro, bieten Berechnungen gemäß Norm für Fachbetriebe als Service.

Sichere Retentionsdächer
Für die sichere Retention gibt es verschiedene zuverlässige Lösungen. Als einfache Variante lässt sich das Anstauen über ein Einsteckrohr regulieren. Für Retention mit Loro-X Variofit gibt es optional ein höhenvariables Wehr, über das sich die spezifische Anstauhöhe leicht einstellen lässt. Besonders elegant ist die Haupt-Not-Kombi-Retention des Herstellers, die die Haupt- und die Notentwässerung in einem Abfluss vereint. Ein vielseitig einsetzbarer Ablauf ist der Retentionsdrehschieber. Dieser ermöglicht eine präzise Einstellung der Abflussöffnung direkt auf dem Dach, abgestimmt auf die berechneten Anforderungen.
Damit bleiben Dachdeckerbetriebe variabel, da keine auftragsabhängigen Abläufe benötigt werden. Diese Abläufe gibt es sowohl für die Attika als auch für die Flachdachfläche. Zudem bietet die kaskadierende Entwässerung bei Staffelgeschossen die Möglichkeit, mit Rohr-in-Rohr-Systemen mehrere Geschosse effizient über einen einzigen Strang zu entwässern, sodass nicht für jedes Stockwerk eine separate Leitung notwendig ist."

