Porträt: Als Ausbildungsbotschafter geht Karl-Heinz Schwarzbach in die Schulen und wirbt für seinen Beruf. Auf karriere-schwarzbach.de können sich Jugendliche direkt für ein Vorstellungsgespräch bewerben – auch für eine 4-Tage-Woche. Der Chef schlägt vor, das Team entscheidet gemeinsam.
Überrascht und erfreut waren wir, als sich Karl-Heinz Schwarzbach neulich bei uns nach mehreren DDH-Exemplaren erkundigte. Der Dachdeckermeister aus Reutlingen nimmt DDH mit in die Berufsschulen. Seit rund zwei Jahren wirbt er als Ausbildungsbotschafter für seinen Beruf. Das geht natürlich besser und anschaulicher mit dem Branchenblatt für Dachdecker. „Die Handwerkskammer Reutlingen ehrt regelmäßig den Lehrling des Monats. Wir bewarben uns mit unserem Berliner Azubi Nick, der sehr gute Noten hat – und es hat geklappt. Nachdem er Lehrling des Monats wurde, war uns beiden klar, dass wir das gemeinsam fortführen wollen. Und seitdem wechseln wir uns mit den Besuchen an den Schulen ab“, berichtet Schwarzbach.

Großes Interesse von Mädchen
„Es macht Spaß, vor Ort im Kontakt mit Jugendlichen die Vorzüge des Dachdeckerhandwerks zu vermitteln. Und ich muss sagen, die Mädchen haben mehr Interesse, sind offener als die Jungs“, berichtet Schwarzbach. Aus der 8. Klasse der Tübinger Schule kamen tatsächlich zwei Mädchen zum Dachdeckerbetrieb und machten ein Praktikum. Vielleicht ergibt sich daraus später ein Ausbildungsvertrag? Die gute Resonanz liegt bestimmt auch daran, dass Karl-Heinz Schwarzbach eine positive Ausstrahlung hat und nicht den Charme des klassischen, allwissenden Unternehmers verströmt. Im Gegenteil: Mit seinen 35 Jahren weiß er, wie er die Jugendlichen anspricht – locker, auf Schwäbisch.
Doch die Nachwuchssuche muss natürlich digital funktionieren. Dafür ließ sich der Unternehmer die Seite karriere-schwarzbach.de erstellen. „Mit der Seite möchten wir von der Generation Facebook bis zu den jungen Bewerber:innen auf Instagram möglichst viele Interessierte ermutigen. Dafür braucht es einfach eine moderne Webseite, die so einfach wie möglich aufgebaut ist. Denn die Jugendlichen wollen sich nicht erst durch 15 Formulare durchkämpfen, wenn es zunächst um einen ersten Kontakt geht“, so Schwarzbach. Und es funktioniert: 2023 hat Schwarzbach über die Bewerbungsseite bereits drei Mitarbeiter gefunden, und alle drei sind gut.

Mit wenigen Klicks zum Kontakt
Es funktioniert schon, aber als Unternehmer muss man bei der Nachwuchssuche Geduld mitbringen und einen langen Atem. „Es ist keine Sache von einer Woche, sondern ein längerer Prozess. Beide Seiten brauchen einfach eine Zeitlang, um abzuklopfen, ob es menschlich und fachlich passt. Die Zeit müssen sich beide nehmen, sonst kann es Probleme geben“, ist sich Schwarzbach sicher.
Gleichberechtigung im Team
Auf der Bewerbungsseite wirbt der Betrieb auch mit der aktuell viel diskutierten 4-Tage-Woche. Dazu hat Karl-Heinz Schwarzbach eine klare Meinung: „Wenn es ein Kandidat möchte, dann bekommt er die 4-Tage-Woche bei uns. Aber mein Standpunkt ist: Eine 5-Tage-Woche bei 40 Stunden halte ich für ideal. „Außerdem wirbt die Website mit leistungsbezogenen Prämien, 13. Gehalt, regelmäßigen Team-Events wie Bowling, Rafting oder Krimi-Dinner und ganz wichtig: faire Gleichberechtigung: „Keine Probezeit! Du fängst bei uns nicht wieder von vorne an, dir deinen Status zu erarbeiten. Wer es in unser Team schafft, genießt unser uneingeschränktes Vertrauen.“
Tauben unter den Solar-Modulen
Seit es 2022 die Solarpflicht in Baden-Württemberg gibt, häufen sich natürlich auch beim Dachdeckerbetrieb aus Reutlingen die Anfragen der Bauherren zu Solar-Anlagen. „Das meiste sind allerdings Hilferufe von Kunden, bei denen Solarbauer auf alten Dächern PV-Anlagen ‚draufgehauen‘ haben und die wir wieder in Ordnung bringen sollen“, lächelt Schwarzbach.
Ein Problem, mit dem der Dachdecker immer häufiger konfrontiert wird, sind Tauben unter den PV-Anlagen. „Unter die Module bauen die Tauben ihre Nester. Das interessiert die Solarbauer nicht. Mindererträge und gelöste Kabelverbinder sind mögliche Schäden. Zudem kann der aggressive Taubenkot das Glas verändern“, weiß Schwarzbach. Also muss der Dachdecker wieder aufs Dach und die Module immer mal kontrollieren.
Gesamtwirtschaftlich blickt der Unternehmer immer noch positiv auf die allgemeine Lage, trotz drohender Baukrise. „Das registrieren wir und beobachten den Markt. Zum Glück ist die Sanierung weiterhin stabil, und wir als Dachdecker sind ja widerständig. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir mal die letzten 5 Jahre keine Krise hatten: die Holz- und Baupreise, EPS-Entsorgung, Kennzeichnungspflicht bei Bitumen, der Ukraine-Krieg.“
Dazu kommt noch die Auszeichnungspflicht: „Früher hat ein Nagel genügt, heute müssen es drei Schrauben sein, mit Zertifizierung. Wir müssen und können mit den steigenden technischen Anforderungen klarkommen. Denn das sind wir Dachdecker ja gewohnt.“
Idee: Dach-Check-Förderung
Zum Trendthema Nachhaltigkeit fällt Schwarzbach ein gutes Beispiel ein. „Ich finde zum Beispiel, nachhaltig ist, wenn man öfter mal eine Dach-Wartung durchführt und mit der Sanierung ein Dach länger am Leben hält. Denn meistens kommen wir, wenn es schon zu spät ist. Das sollte mehr gefördert werden.
Die Österreicher machen es vor: Wenn der Fernseher kaputt geht, übernimmt die Regierung die Reparatur-Kosten.“ Die Palette der geförderten elektrischen und elektronischen Geräte ist sehr groß und reicht von Küchen- und Haushaltsgeräten, IT- und Kommunikationsgeräten bis zu Unterhaltungs- und Freizeitelektronik. Das Beispiel passt auf Dächer nicht exakt, aber könnte ein Vorstoß bei den kommunalen Politikern sein. Ein Recht auf Reparatur soll in Deutschland voraussichtlich 2024 in Kraft treten.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 01.2024.