Interview: Hör- und sichtbar – Rooftop setzte auf der „DACH+HOLZ“ in Köln ein Zeichen in Sachen Netzwerken im Dachdeckerhandwerk. Auch in den sozialen Medien sind die sieben Betriebe aktiv. Doch was steckt inhaltlich dahinter? Im Interview mit DDH geben die Mitglieder Einblicke in ihre Ziele, ihre Projekte und die Vorteile ihrer Zusammenarbeit.
DDH: Schon wieder ein Verein – diesmal Rooftop. Was sind eure Mitglieder und Ziele, über das Netzwerken hinaus? Und warum als Verein?
Felix Moll: Rooftop ist der Zusammenschluss von sieben Dachdecker- & Zimmererbetrieben: DeinDach, das ZEP-Team, Unverzagt Bedachungen, Bauer Bedachungen, Moll Bedachungen und die beiden Holzbauer DHD und Durach. Unser Ziel ist es, Projekte zu entwickeln, die das Dachdeckerhandwerk fördern, modernisieren und für junge Menschen attraktiver machen. Der Verein fungiert als gemeinsamer Titel, unter dem die Mitglieder über Unternehmensgrenzen hinweg agieren können. Unsere Zusammenarbeit hat unfassbar viel Energie freigesetzt. Dennoch wollten wir das steuerlich und organisatorisch klar geregelt haben. Der Fokus liegt allerdings nicht auf monetärer Gewinnorientierung, sondern darauf, das Handwerk wieder sexy zu machen.
DDH: Ein Beispiel für die Zusammenarbeit?
Florian Hemmersbach: Wir tauschen uns intensiv, gegenseitig über unsere Unternehmensstrukturen aus. Beispielsweise haben wir bei der DeinDach einmal im Monat eine Vorarbeiterrunde, bei der wir uns mit den Vorabreitern intensiv austauschen. Ziel dieser Treffen ist es, sie umfassend zu informieren, sie für unsere aktuellen Vorhaben mitzunehmen und klar unsere Erwartungen an ihre Leistung zu kommunizieren. Genau diese Erfahrungen der richtigen Kommunikation teilen wir dann regelmäßig mit den anderen Betrieben im Verein. In dem konkreteren Beispiel mit Eugen Penner (ZEP-Team), um auch hier von deren Erfahrungen zu profitieren. Solche Gespräche helfen enorm, um eine positive Atmosphäre im Betrieb zu schaffen und die Mitarbeiter entsprechend zu unterstützen.
DDH: Warum wollt ihr nicht weiterwachsen und wie geht ihr mit interessierten Anfragen um?
Andrej Bauer: Die Vereinsmitglieder haben sich entschieden, keine weiteren Mitglieder aufzunehmen. Stattdessen überlegen wir, ein Konzept für „Rooftop-Freunde“ oder „Sponsoren“ auszuarbeiten, die beteiligt sein können, jedoch kein Mitspracherecht erhalten. Uns ist es wichtig, agil und dynamisch zu bleiben. Schnelle Entscheidungen mit einer kleinen Gruppe sind entscheidend für unseren Erfolg. Diese Struktur ermöglicht eine flexible und effiziente Arbeitsweise, die durch eine größere Mitgliederanzahl beeinträchtigt werden könnte.
DDH: Eure Mitgliedsbetriebe sind alle groß. Warum gibt es keine kleinen Dachdeckerbetriebe bei euch?
Eugen Penner: Die Mitglieder von Rooftop haben ähnliche Unternehmensgrößen und Strukturen, was die Kommunikation erleichtert. Während einige Betriebe bereits über 50 Mitarbeiter verfügen, gibt es auch kleinere Mitgliedsbetriebe. Generell liegt der Fokus darauf, Lösungen für gemeinsame Probleme zu entwickeln, etwa in Bereichen wie Personalmanagement oder Betriebsführung. Es war jedoch nie Ziel, kleinere Betriebe auszuschließen – die Auswahl der Mitglieder basiert rein auf bestehender persönlicher Zusammenarbeit und einer harmonierenden Dynamik. Kurz gesagt: Es hat sich einfach so ergeben.
DDH: Wie stellt ihr sicher, dass eure Arbeit bei zum Beispiel Instagram einen nachhaltigen gesellschaftlichen Mehrwert erzeugt – jenseits von bunten Posts?
Sören Unverzagt: Rooftop nutzt Social Media wie Instagram primär als „Trigger“, um Aufmerksamkeit für das Handwerk zu schaffen. Wir präsentieren die Inhalte modern und zugänglich, bieten jedoch den konkreten Austausch persönlich oder telefonisch an. Die Absprachen unter den Rooftop-Mitgliedern sind geprägt vom gegenseitigen Vertrauen, einer direkten Kommunikationskultur und dem gemeinsamen Ziel, das Handwerk zu stärken. Konkrete Beispiele wie ein Azubi-Tausch, die Vorarbeiterrunden und die kollektive Messeorganisation zeigen, wie konstruktiv und zielorientiert die Zusammenarbeit ist. Die Stärke des Netzwerks liegt darin, Ressourcen und Wissen unkompliziert zu teilen. Dabei steht nicht der reine Social-Media-Erfolg im Vordergrund, sondern die positive Darstellung des Dachdeckerberufs als innovative und lohnende Karriereoption – das braucht Zeit und wird eine Weile dauern.
DDH: Auf der DACH+HOLZ wart ihr ein Blickfang. Werdet ihr zukünftig auf anderen Messen präsent sein? Was sind eure nächsten Aktionen?
Denis Brückner: Der Messeauftritt auf der DACH+HOLZ war ein voller Erfolg, auch wenn er dank hoher Investitionskosten in „tiefroten Zahlen“ endete. Der Austausch, der nach der Messe begann, hat die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben und interessierten Unterstützern intensiviert. Für die Zukunft denken wir über kleinere Aktionen oder eine erneute Messebeteiligung in zwei Jahren auf der DACH+HOLZ 2028 nach.
DDH: Dennoch haben einige Besucher euren Auftritt auf der Messe eher kritisch gesehen und als reine „Sauf-Veranstaltung“ wahrgenommen.
Tim Durach: Ja, unser Stand hatte Bier und Musik, aber das war nur der Rahmen, um die Atmosphäre aufzulockern. Nach fünf Minuten Musik und einem Bier kamen die Leute miteinander ins Gespräch – über wichtige Themen im Handwerk, Herausforderungen und Kooperationen. Wir sehen Messen als Orte der Begegnung, die mehr bieten müssen als nur trockene Informationen. Das Feedback von denjenigen, die tatsächlich mit uns gesprochen haben, war durchweg positiv. Noch wichtiger ist, dass die Resonanz nach der Messe anhält: Firmenbesuche, Kooperationen und ein intensiver Austausch finden statt – weit über das Event hinaus. Unsere Botschaft bleibt: Handwerk darf Spaß machen – und muss verknüpft werden mit Innovation und Energie.
DDH: Wie definiert Rooftop seine Rolle langfristig und welche Herausforderungen seht ihr für die Initiative?
Florian Hemmersbach: Langfristig will Rooftop weiterhin Projekte initiieren, die das Handwerk modernisieren und eine neue Generation von Fachkräften begeistern. Der Verein ist sich der Herausforderungen bewusst, sowohl in Bezug auf Nachwuchsgewinnung als auch auf die Wahrung einer agilen Projektstruktur. Wir möchten zeigen, dass das Dachdecker-Handwerk nicht nur ein Beruf, sondern eine Bewegung ist, die Energie und Innovation verkörpert.
Genau das haben die gestandenen Dachdecker-Betriebe über Jahre hinweg verschlafen, das muss man so deutlich sagen. Wenn mehr junge Menschen sehen: Meine Zukunft ist Handwerk und nicht Versicherung, Bankkaufmann, Feuerwehr oder Polizei oder was auch immer. Dann haben wir gemeinsam etwas richtig gemacht. Dafür steht Rooftop.
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