Gruppenfoto der Teilnehmer des Unternehmerforums im Dachdeckerhandwerk vor Sifatec LKW
Die Teilnehmer des Unternehmerforums im Dachdeckerhandwerk waren sich einig: Dieses Format muss weitergehen. Die Veranstaltung wurde initiiert von der GFW-Dach mbH, Gesellschaft zur Förderung des westfälischen Dachdeckerhandwerks, unter Leitung von Geschäftsführer Jürgen Gerbens (kniend Mitte) und Moderatorin Barbara Beyer (BeNeCo, kniend links). (Quelle: DDH)

Markt

22. June 2022 | Teilen auf:

Verantwortung motiviert

Wittlich: Eine gute Mitarbeiterführung kann gewährleisten, als Chef nicht immer morgens der Erste und abends der Letzte sein zu müssen. Tipps, diesen Spagat zu meistern, bekamen die Teilnehmer beim Unternehmerforum der GFW. Weitere interessante Themen führten zu konstruktivem Gedankenaustausch in Open Space.

Das vierte Unternehmerforum der Gesellschaft zur Förderung des westfälischen Dachdeckerhandwerks (GFW), zu dem Geschäftsführer Jürgen Gerbens und Barbara Beyer, BeNeCo Beratung und Coaching, nach Wittlich geladen hatten, entpuppte sich einmal mehr als Ideen- und Motivationsschmiede für die Teilnehmer. Die Open-Space-Methode erwies sich als bestes Instrument, den Teilnehmern den passenden Rahmen für Dialoge auf hohem Niveau zu bieten. Dafür sammelten die Moderatoren Fragen der Teilnehmer, um diese zu ordnen und dann in einzelnen Gruppen zu diskutieren. „In Kaffeepausen entstehen die besten Ideen und Problemlösungen“, erklärte Barbara Beyer die Idee, die hinter dieser Methode steckt. 

Jürgen Gerbens und Barbara Beyer
Jürgen Gerbens und Barbara Beyer waren die Initiatoren und Moderatoren des Unternehmerforums. (Quelle: DDH)

Impulse online 

Als erster Impulsgeber wurde vor der Diskussionsrunde Michael Zimmermann, Vizepräsident des ZVDH, online zugeschaltet. Die Vorträge standen nicht zwangsläufig in Zusammenhang mit den gesammelten Fragen. „Trotz aller Krisen, die wir schockiert wahrnehmen, leben wir in einem der besten Länder in einer der besten Zeiten“, motivierte Zimmermann seine Zuhörer. Das Handwerk, gerade das Dachdecker-Handwerk, erlebe einen Aufschwung wie nie. Ein Grund sei unter anderem die komplett falsch ausgerichtete Energiepolitik der letzten Jahre. „Wir brauchen 100 % erneuerbare Energien, und hier spielt der Dachdecker eine wichtige Rolle.“ Derartige Chancen seien aber auch mit Verpflichtungen verbunden. „Und was kommt vom ZVDH?“ DDM Söhren Unverzagt erbat sich Hilfe in der Fachregel für die Montage von Photovoltaik und Solar. 

„Ich habe noch keinen anderen Berufszweig gesehen, der so für sich brennt, wie das Dachdeckerhandwerk.“

Lena Bauer

Bildschirmfoto mit zwei Teilen: Redner Michael Zimmermann links und Auditorium rechts
ZVDH-Vizepräsident Michael Zimmermann war online zugeschaltet. Er stand Rede und Antwort: „Wir müssen jetzt einen Vorsprung erarbeiten, der schwer aufzuholen ist.“ (Quelle: DDH)

Tisch 1 bis 3 

Eines der Reizthemen war natürlich der Anstieg der Materialpreise. Dachdeckermeisterin Karin Oster vertrat am ersten Diskussions-Tisch die Frage, was man tun kann, um resourcenschonend und günstiger einzukaufen. Mehr noch als die Preisfrage stand hier das Problem der Ökologie im Vordergrund. Noch stehen Kosten und Optik dagegen, mehr Recycling-Materialien aufs Dach zu bringen. „Aber was uns heute blockiert, kann uns morgen bewegen“, erklärte Beyer. Passend zum Thema und zufällig in der Nähe, fand sich Simon Schlögl von Materialrest24 am Rednerpult ein. „500.000 Handwerksbetriebe haben 15 Millionen ungenutzte Artikel am Lager. Das ist ein Materialwert von 4.500 € pro Betrieb – defensiv geschätzt“, sagte Schlögl. Hier finden Ökonomie und Ökologie ein seltenes Zusammenspiel. Ein solches wünsche man sich auch mit dem Handel. Der aber reagiere sehr zögerlich. 

Simon Schlögl vor Bildschirm mit Banner von Materialrest 24
Simon Schlögl hat mit Materialrest24 eine Online-Börse für übriggebliebene Werkstoffe gegründet. (Quelle: DDH)

Digitalisierungsmanager Markus Klamann informierte über Sinn und Zweck und die Wichtigkeit von Kundenmagneten. Ein unwiderstehliches Angebot, ein bestimmtes Thema oder eine Problemlösung können ein solcher sein. Klamann stellte einen von ihm produzierten Videoratgeber vor und erklärte den Mehrwert für den Dachdecker. Neben der Zeitersparnis für lange Erklärungen beim Kunden wäre dann sichergestellt, wer ein wirkliches Interesse an der Dienstleistung habe. Wegen des großen Gesprächsbedarfs und der vorangeschrittenen Zeit mussten Tisch zwei und drei auf den nächsten Morgen verschoben werden. Beim gemeinsamen Abendessen wurden die Themen weiter vertieft. 

Auditorium sitzend im halbrundem Stuhlkreis
Die Open-Space-Methode lässt Überraschungen zu. Unterschiedliche Menschen erarbeiten komplexe Fragestellungen ohne abrufbare Antworten. (Quelle: DDH)

„Wie gehe ich mit den permanenten Unterbrechungen um“, fragte Lena Bauer ihre Tischnachbarn. Bürobesprechungen an festen Tagen mit festen Uhrzeiten, stille Stunden oder das Beauftragen eines Call-Centers waren einige der dargestellten Möglichkeiten. Auch das Neinsagen müssten Unternehmer in ihr Portfolio aufnehmen. Ergänzend dazu standen Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterführung am letzten Tisch im Mittelpunkt des Gesprächs. Wichtiger als das Gehalt ist die Verantwortung, war man sich am Tisch einig – Verantwortung motiviert. Dazu kommt die Leidenschaft. Freddy Dornhöfer: „Wir müssen transportieren, dass man Leidenschaft sehen kann. Ich kann sie sehen, wenn ich abends durch die Stadt gehe und sehe, was die eigenen Hände erschaffen haben.“

Diskussionsrunde am Tisch
Jeder am Tisch ist der Richtige. Die Unvoreingenommenheit gegenüber Fragen und Antworten sowie Fragenden und Antwortenden ist essenziell. (Quelle: DDH)

Volles Board

Richtig voll wurde das Board in der letzten Diskussionsrunde. Zettel reihte sich an Zettel mit Ideen zum Bürokratieabbau. Die Handwerker müssen endlich Druck aufbauen, und dafür brauchen sie die Hilfe der Innungen. Man müsse die Belastung öffentlich machen. Es brauche auch dringend Leitfäden für die Betriebsinhaber, um durch den Bürokratiedschungel zu finden. Kaum einer sei noch in der Lage, das Dickicht zu durchschauen, geschweige denn alles richtig zu machen. Vor allem stünden hier die kleinen Betriebe auf verlorenem Posten, da die Meister einfach nicht die Zeit hätten, alle Formulare immer parat zu haben. Es sei Sache der Innungen, die Belastung öffentlich zu machen. Leider helfe hier keine Handwerkskammer und kein Verband, beschwerten sich einige Teilnehmer. Dachdeckermeister Maik Stöber wies auf das Portal handwerkmachtmobil.de hin, mit dem der Versuch gestartet worden war, Abhilfe zu schaffen.

Diskussionsrunde im Freien
Der letzte Tisch wurde kurzerhand nach draußen verlegt. Erhitzt waren nicht nur die Wetterlage, sondern auch die Gemüter beim Thema Bürokratieabbau. (Quelle: DDH)

Über staatliche Fördermittel und Liquidtität hatte zwischenzeitlich Anderas Dittrich, Förderspezialist KMU, berichtet. Er klärte über Voraussetzungen und Arten der staatlichen Gelder auf. Man müsse allerdings auf die Banken zugehen, da sie lieber eigene Produkte verkaufen. Unternehmer und Buchautor Stefan Heiler überraschte die Zuhörer mit seiner Art, eine Firma zu führen.

Ein ganz analoger Abschluss

Auf Einladung von Carlo und Pia Simon fuhren die Teilnehmer am Nachmittag zur Firma Sifatec nach Bengel, um sich anzuschauen, was sich der innovative Dachdeckermeister zusammen mit seiner Familie aufgebaut hat. Seine Idee des barrierefreien Absturzgeländers für das Flachdach hat er perfektioniert und bietet zusammen mit seinen drei Söhnen, ebenfalls alle Meister, den kompletten Aufbau-Service.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 08.

Wandergruppe auf dem Moselsteig
Kaiserwetter auf dem Moselsteig: Pia (r.) und Martin (hinten r.) Simon waren als ortskundige Führer mit dabei. (Quelle: DDH)
zuletzt editiert am 22.06.2022