Arbeiter mit Helm und Warnweste geht mit besenähnlichem Sensor über Flachdachfläche Quelle: NIS
Im Trockenortungsverfahren (HV-SLD) zeigen Spannungsschwankungen Störungen der Abdichtungsebene an. Quelle: NIS

Technik

30. June 2021 | Teilen auf:

Vom Dachdecker zum Roof-Manager

Flachdach: Professionelle Dachwartungskonzepte für Flachdächer gehen weit über den üblichen, klassischen Wartungsvertrag hinaus. In einer dreiteiligen Serie beschreiben wir die modularen Ansätze des professionellen Roof Managements (RM) und welche Chancen sich für das Dachdeckerhandwerk ergeben.

Die häufigste Schwachstelle eines Gebäudes ist das Flachdach. Ursachen für Undichtigkeiten können Verarbeitungsfehler, mechanische Einflüsse sowie Verschleiß sein. In der Folge kann es zu Wassereintritten führen und, je nach Schwere des Wassereintritts, über kurz oder lang den gesamten Flachdachaufbau schädigen oder gar zu einem Versagen der Tragkonstruktion führen. Dies ist insbesondere dann ein Thema, wenn Holz oder Holzwerkstoffe in der unbelüfteten Konstruktion eines Warmdaches verbaut sind. Die Integrität einer Dachabdichtung, also ihre wasserdichtende Funktion, ist dabei, neben der Beachtung von bauphysikalischen Effekten im Flachdachaufbau, maßgebend und über die Nutzungsdauer sicherzustellen. Mit geeigneten Maßnahmen im Rahmen eines professionellen Roof Managements können sogar über die eigentliche Nutzungsdauer hinaus, Aussagen zur Funktionsfähigkeit eines Dachaufbaues getroffen werden. Wassereintrittsstellen sind in den seltensten Fällen optisch zu lokalisieren und können oft auch weit entfernt von einer sichtbaren Tropf- und Feuchtstelle sein. Um die wasserdichtende Funktion festzustellen, können zerstörungsfreie Dichtigkeitsprüfungen und Leckageortungen dabei von Bedeutung für den Bauherren aber auch den Dachdecker sein. 

Die Schadstellen werden markiert und vom Techniker kartographiert. Quelle: NIS

Sicherung der Eigenqualität

Dichtigkeitsprüfungen und Leckageortung sind Maßnahmen, die im Dachdeckerhandwerk aus unerfindlichen Gründen noch relativ wenig verbreitet sind. Dabei können diese Maßnahmen die Arbeit des Dachdeckers erleichtern und die Qualität seiner Arbeit erhöhen. Dichtigkeitsprüfungen kommen im Rahmen von Abnahmen, zu Status-Quo-Feststellungen nach einer Sanierung oder Reparatur sowie vor dem Aufbau beispielsweise einer Solaranlage oder eines Gründachaufbaus zum Einsatz. Sie können aber auch der Eigenqualitätssicherung für den verlegenden Dachdecker dienen. Gerade bei der Verschweißung von Kunststoffbahnen können unter schwierigen Baustellenbedingungen nicht komplett geschlossene Nähte sowie auch mechanische Beschädigungen durch unsachgemäßes Handeln von Fremdgewerken auftreten. Dabei sind z.B. kapillare Undichtigkeiten häufig auch mit der Prüfung durch die Prüfnadel nicht eindeutig festzustellen. Verfahren mit Vakuumprüfsystemen können nur bei Kunststoffdachbahnen eingesetzt werden und werden in der Praxis bei Verdacht einer Leckage nur punktuell eingesetzt. Weitere Möglichkeiten zur Dichtigkeitsprüfung sind Rauchgas- oder Tracergasverfahren. Auch wenn die Analysemethoden sich gleichen, so unterscheiden sich die Anlässe. Die Dichtigkeitsprüfung ist ein Teil der Qualitätssicherung für den Dachdecker und wird als Bestätigung eines abnahmefähigen Gewerkes eingesetzt. Auch als Zustandsbeschreibung der Dachabdichtung vor dem Aufbau von Photovoltaikanlagen oder einer Dachbegrünung ist die Dichtigkeitsprüfung sinnvoll. Eine Leckageortung wird in der Regel bei einem vorliegenden Feuchteschaden ohne erkennbare Eintrittsstelle durchgeführt und kann aufwändige Sanierungsarbeiten erleichtern. Um Zeit und Kosten für unangenehme Nacharbeiten zu vermeiden sollte der Dachdecker im eigenen Interesse der Auftraggeber solcher Dichtigkeitsprüfungen sein. Somit ist er auch immer der Eigentümer des Prüfprotokolls und der Informationen. Werden Schadstellen festgestellt kann er diese vor Übergabe überarbeiten und dem Bauherren ein sauberes Protokoll übergeben.

Dichtigkeitsprüfung mitels Flut

In der Vergangenheit wurde häufig versucht, die Dichtheit einer Flachdachabdichtung durch Fluten der Dachfläche zu überprüfen. Nicht nur, dass hierfür eine Unmenge Trinkwasser verbraucht wird; vielmehr ist mit dieser antiquierten Methode keine qualifizierte und zuverlässige Dichtigkeitsprüfung durchzuführen. Allein aus der möglichen Feststellung, dass es auf der Dachunterseite nach einem gewissen Zeitraum nicht tropft, kann nicht geschlossen werden, dass die Dachabdichtung auch tatsächlich dicht ist. Vielmehr kann beispielweise eine vollflächig verschweißte, bituminöse Dampfsperre auf der Betontragdecke ein Durchtropfen verhindern. Ist die Dachabdichtung nicht dicht, dann ist mit dem Fluten auch bereits der Schaden eingetreten. Im Sinne eines professionellen Roof Managements ist die technische Dichtigkeitsprüfung oder Leckageortung vorzuziehen. Ein wesentlicher Bestandteil eines professionellen Roof Managements ist die zerstörungsfreie Dichtigkeitsprüfung und Leckageortung mit den SLD (Sensor Leak Detection) -zertifizierten Messverfahren und somit Grundlage für die Vermeidung kostenintensiver Nacharbeiten oder späteren Sanierungsarbeiten. Abgestimmt auf die jeweilige Flachdachkonstruktion sowie die speziellen Rahmenbedingungen werden nach den europäischen SLD-Standards ausgereifte und zerstörungsfreie Messverfahren zur Leckageortung eingesetzt. Die nach RAL-GZ 717 „Flachdachsysteme und -services“ gütegesicherten Messverfahren können als Varianten des Impulsstromverfahrens sowie des Hochspannungsverfahrens beschrieben werden. Dabei kommen das Nass-Ortungsverfahren (LV-SLD / Low Voltage - Sensor Leak Detection ) meist nur bei der Leckageortung, also bei vorhandenen Schadstellen zum Einsatz. Hingegen eignet sich das Trocken-Ortungsverfahren (HV-SLD / High-Voltage Sensor Leak Detecion) ideal für die Dichtigkeitsprüfung bei neu gelegten und sanierten Flächen ohne Auflast, in Kombination mit der Spot- und Nahtprüfung zur Feststellung des Status-quo. Grundsätzlich können alle nichtleitenden Dachabdichtungen mit einem der oben genannten elektronischen Ortungsverfahren überprüft werden. Physikalisch betrachtet, werden hier die Grundlagen des Ohm`schen Gesetzes eingesetzt. Diese beschreiben, dass die Elektronen immer den Weg des geringsten Widerstands, also über den besten Leiter, in diesem Falle also das Wasser, bzw. die Feuchtigkeit, finden.

Den ganzen Artikel lesen Sie in DDH 8.2021.