Befestiger auf Abdichtung
Wichtig bei der Linienfixierung: der Schutz der Abdichtung vor möglichen scharfkantigen Profilenden mit Reststreifen der Abdichtungsbahn (Quelle: Bauder)

Flachdach

03. February 2022 | Teilen auf:

Mit Teller, Schiene und Schraube

Bei der mechanischen Befestigung wird anders als bei Auflast die Abdichtung perforiert – und dies durch alle Lagen. Die Bemessungslast in Kombination mit der eingesetzten Abdichtungsbahn ist entscheidend für eine funktionierende Windsogsicherung.

Vorzugsweise im Industriebau mit überwiegenden Stahltrapez-Leichtdachkonstruktionen hat sich zugleich bedingt durch den Brandschutz und dessen Forderung nach reduzierten Brandlasten die lose Verlegung mit mechanischer Befestigung von Abdichtungen als wirtschaftliches Abdichtungssystem etabliert.Die Befestigungselemente sind für verschiedene Untergründe, bestehend aus selbstschneidender Schraube (Stahltrapezprofile),Schraube und Dübel (Beton), Betonschrauben,Schlaganker etc. und einem Lastverteilungsteller,der die Klemmwirkung erzeugt,erhältlich. Es sind nur für diesen Verwendungszweck geeignete und zugelassene Befestigungselemente zu verwenden.Insbesondere bei weniger druckfesten Untergründen/Dämmstoffen müssen die Befestigungselemente trittsicher sein, damit bei Belastung der Teller die Schraubenköpfe nicht die Abdichtung zum Beispiel schädigen oder perforieren können.

Für die Ausführung der mechanischen Befestigungen von Abdichtungen haben sich drei Ausführungsarten bewährt:

lineare Befestigung –mit Einzelbefestigern
Linienbefestigung –mit biegesteifen Metallschienen/-bändern/Verbundblechen
Feldbefestigung –mit im flächig berechneten Rasterangeordneten Einzelbefestigern

Diese drei Befestigungssysteme können durch:

Nahtbefestigung mit Tellerankern (lineare Befestigung)

Nahtbefestigung mit Mittenbefestigung (halbiert oder gedrittelt)

nahtunabhängige Feldbefestigung

Linienbefestigung (Schienen, Metallbänder und andere)

unterseitige Befestigungen (Klettsystem, induktive Befestigung) ausgeführt werden.

Lineare Befestigung – mit Teller

Die lineare Befestigung oder sogenannte Saumbefestigung kommt vornehmlich innerhalb der Naht- oder Saumüberdeckung zum Einsatz. Bei stark windsogbeanspruchten Eck- oder Randbereichen kann eine zusätzliche Zwischenbefestigung in der Bahnenmitte bzw. im Bahnendrittel erforderlich werden. Eine über die Flächenbereiche gleichmäßige Verteilung der Einzelbefestiger stellt auch für die Einleitung der Windsogkräfte in die Abdichtung eine gleichmäßige Belastung gegenüber der Saumbefestigung oder Schienenbefestigung dar. Bei dieser Variante der mechanischen Befestigung in einer vollflächigen Unterlage, gegebenenfalls auch je nach Einteilung bei Stahltrapezprofilen, ist der Ausführende nicht an die Vorgaben durch Bahnenbreiten gebunden. Jedoch soll sich der Ausführende darüber im Klaren sein, dass seine soeben sorgfältig ausgeführte Abdichtung mehrmals pro Quadratmeter, in Abhängigkeit der Flächenbereiche, von diesen selbstdichtenden Einzelbefestigern durchdrungen wird.

Bemessungslast ist immer Grundlage

Bei allen oben genannten mechanischen Befestigungssystemen ist die Bemessungslast in Abhängigkeit von den eingesetzten Abdichtungsbahnen (Qualität deren Trägereinlagen, Verstärkungen oder Kaschierungen) und Einzelbefestigern entscheidend für die Funktionsfähigkeit der Windsogsicherung. Ist der Untergrund schwierig und nicht eindeutig definierbar, wie beispielsweise bei Hohlkörperdecken, Bimsbeton, Stegzementdielen oder Gasbeton-Deckenplatten, bieten die Außendienstler der Hersteller Hilfestellung an, um die örtliche Bemessungslast insbesondere bei Sanierungen zu bestimmen. Die in den Fachregeln enthaltenen Tabellen zur Windsogsicherung von Abdichtungen sind bei der Angabe der Befestigeranzahl auf eine Standardbemessungslast von 0,5 kN je Einzelbefestiger ausgelegt. Im Einzelnachweis der Windsogberechnung werden jedoch oftmals, abhängig von der oben genannten Bahnenqualität, geprüfte Einzelbefestiger mit weit höheren Bemessungslasten eingesetzt, die eine rentablere Verlegung aufgrund der geringeren Befestigeranzahl ermöglichen.

Tabellenangaben im Regelwerk enthalten

Für die Sicherungsverfahren Auflast und mechanische Befestigungen sind im aktuellen Regelwerk Tabellenangaben als Planungs und Ausführungsgrundlagen enthalten. Sie berücksichtigen alle bauaufsichtlichen Regelungen für die üblichen Gebäudeformen mit geschlossener Unterlage bis 25 m Höhe und den Randbedingungen der Windzonen.

Vor- und Nachteile Lose Verlegung mit Auflast

Vorteile:
Bei loser Verlegung mit mechanischer Befestigung entsteht eine flächige Trennung der Abdichtung vom Untergrund/von der Unterlage – dadurch keine Übertragung von Bewegungen und Spannungen aus dem Untergrund oder aus dem alten Abdichtungsaufbau(bei Sanierung mit Verbleib der alten Abdichtung) auf die neue Abdichtungslage möglich.
• Bei loser Verlegung mit mechanischer Befestigung erfolgt ein flächiger Dampfdruckausgleich– Blasenbildung durch Feuchtigkeit unterhalb der Abdichtung ist konstruktionsbedingt nicht möglich
.• Lose Verlegung mit mechanischer Befestigung lässt die Flexibilität/Eigenbeweglichkeit der Abdichtung weitestgehend zu.
• Keine Auflasten erforderlich – geeignet zur Lagesicherung auf Dächern mit leichter Unterlage (Holzkonstruktionen, Stahltrapezprofile, Statik)
• Fixierung aller Schichten des Abdichtungsaufbaus sowie Randfixierung in einem Arbeitsgang

Nachteile:
• Befestigung von Abdichtungen mit Gefälledämmung: gegebenenfalls unterschiedlich lange Befestiger erforderlich
• Dampfsperre wird bei mechanischer Befestigung durchdrungen
• Bei Fehlverschraubungen insbesondere bei Stahltrapezprofilen neben den Obergurten wird die Dampfsperre unnötig durchlöchert.

Hans-Peter Eiserloh



zuletzt editiert am 20.06.2022