Dachdeckermeister auf Gründach mit Photovoltaik
Dachdeckermeister Jörg Ewald ist seiner Zeit lange voraus: Nachhaltigkeit und Klimaschutz hat er schon seit Jahren auf der Agenda. (Quelle: Jörg Ewald)

Nachhaltigkeit

16. December 2021 | Teilen auf:

Zwischen Klimaschutz, Politik und "Schwammstädten": Dachdecker Ewald berichtet

Wie funktioniert Nachhaltigkeit? Auf welche Weise engagiert sich die Politik? Was können DachdeckerInnen und KundInnen tun, um nachhaltiger zu bauen?  Dachdecker Jörg Ewald berichtet von seinen Erfahrungen in Sachen Klimaschutz und was eine "Schwammstadt" bedeutet:

Der Klimahandwerker ist in eine neue Dachwelt eingetaucht! Aber welcher Dachdeckermeister kann das von sich behaupten?

Vor ungefähr 30 Jahren fand der Landesverbandstag in Hannover statt und der Landesinnungsmeister sprach von ganz neuen Herausforderungen im Dachdeckerhandwerk. Ich bekam es ein wenig mit der Angst zu tun, weil ich erst kurze Zeit selbstständig war. Ich versuchte zu der Zeit eine möglichst hohe Recyclingquote zu erzielen, empfahl meinen Kunden starke Dämmwerte und hatte auch schon die ersten Gründächer erstellt. Es dauerte einige Wochen bis ich die starken Worte des Landeshäuptlings begriff. Die Lösung war, dass ich mich schon mitten im Prozess befand und mich neuen Herausforderungen widmen konnte. Schließlich wusste ich seit 1978, dass die Erde Fieber hat. Was dagegen hilft, hatte ich mehr oder weniger bewusst eingeleitet. Gründächer helfen Fieber-Symptome zu kühlen und Wärmedämmung hilft durch Vermeidung von CO² Eintrag weiteres Fieber zu verhindern. Ein paar Jahre später baute ich meine erste PV-Anlage und konnte anschließend nicht genug davon bekommen.

Die Dachwelt vergrößert sich

Die letzten Jahre waren klimapolitisch eine Katastrophe. Aber Jammern hilft nicht, und so stehen wir an der nächsten Kreuzung vor einer Ampel, wo vorher noch keine war. Gefühlt wird sie in der nächsten Legislaturperiode auf „Grün“ stehen, und ich hoffe einmal für uns, dass diese Farbe anhält, denn „nie gab es mehr zu tun“, also in Klimaschutz – oder?

Vorausgesetzt, aus der Ampel wird eine wirkliche Klimaschutzregierung. Die Dachwelt wird/muss sich in rasanter Geschwindigkeit verändern und auf dem Dach vergrößert sich der Umsatz. Dass mehr PV-Anlagen auf den Dächern gebaut werden, ist wohl klar. Eine Solarpflicht für Neubauten ist in den ersten Bundesländern eingeführt. Vor allem wird der „schlafende Riese“ Mieterprojekte geweckt. Dadurch werden die Anlagenleistungen im Schnitt größer.

Was wird mit den Gebäudehüllen geschehen? Wird der Neubau mit einem noch strengeren Dämmwert kommen? Wird Wärmedämmung als nachwachsender Rohstoff normal, die Fenster mit 0,5 W/m²K und jedes neue und auch jedes sanierte Gebäude ein Plusenergiehaus?

Schwammstadt statt Schwamm drüber

Die ersten Städte haben sich den Zusatznamen „Schwammstadt“ gegeben. Man könnte meinen, „Schwamm drüber, wir bauen eine neue Stadt“. So ähnlich kann man es interpretieren. Diese neue Politik findet unter- und oberirdisch statt. Der Boden soll den Regen, vor allem die Starkregenereignisse, schnellstmöglich aufnehmen und nur wenig oder gar nichts an die Kanalisation abgeben. Somit laufen nicht gleich alle Keller voll und Autos schwimmen durch die Straßen. Was fehlt? - Das Dach! Ein neues Gebäude muss ein Flachdach bekommen. Nur dort kann das erste Regenwasser aufgefangen werden. Am effektivsten ist das Retentionsdach. Dadurch kann Starkregen zeitverzögert nach unten abgegeben werden.

Aber der Bestand der Gebäude ist die andere Herausforderung. Der Dachdecker muss jedes zu sanierende Dach klimapolitisch beurteilen und dem Kunden ein Gründach, eine Solaranlage oder besser beides empfehlen. Nur so können Klimaschutzziele erreicht werden und uns zugutekommen.

Keine Angst, nicht jeder Dachdecker muss nun Solarier oder Dachgärtner werden. Er muss sich aber reindenken können, um mit dem sanierten Dach die richtigen Voraussetzungen für das nachfolgende Gewerk zu schaffen. Die Konterhölzer für eine Solaranlage müssen möglicherweise für die nachfolgende Modulmontage größer dimensioniert werden. Die Anschlusshöhen für ein Gründach müssen passen, und nicht die Wurzelfestigkeit vergessen… aber ähnliches wird sich zum Beispiel auch in der Fassade verändern, mit BIPV.

Vielleicht kommen noch ein paar Extras hinzu, z.B. die Regenwasserversickerung, Zisterne oder Rigole. Schließlich bauen wir die Fallrohre an die Wände. Oder die Nistkästen, damit ein Gebäude noch Nischen hat und der Waschbär beim Nestraub verzweifelt. Auch kleine Windkraftanlagen sind schon auf Dächern zu finden.

Und nicht vergessen: PV-Anlage, Gründächer und Dämmschichten sind ökonomisch. BauherrInnen verdienen damit Geld. Nicht zu vergessen die Förderungen aus unterschiedlichen Töpfen.

Dachdecker: Willkommen in der Dachwelt der Zukunft.

Wie kann man die zahlreichen Vorschläge von Jörg Ewald am besten fördern lassen? Der Steuerbonus BAFA BEG EM KFW 262 BEG EM Steuerbonus §35C macht Nachhaltigkeit nicht nur attraktiv, sondern auch günstiger. Mehr dazu gibt es auf der Seite Heinz Ewald GmbH Bedachungen.

 

zuletzt editiert am 16.12.2021