Flachdach: Voraussetzung für eine standsichere Verklebung ist die korrekte Einhaltung der Verlegeanleitung des Herstellers. Dabei sind die vollfläche Klebung und die Klebstoffmenge besonders wichtig.
Grundvoraussetzung für eine standsichere Verklebung ist die korrekte Einhaltung der Verlegeanleitung des Herstellers. Dabei sind die folgenden Kriterien besonders wichtig:
- vollflächige Klebung
- Verarbeitungstemperatur Klebstoff und zu verklebende Werkstoffe ≥ 5° C und ≤ 50° C
- Auftrag mit Rillenspachtel in eine Richtung für das problemlose Ablüften
- Klebstoffmenge bei ebenem Untergrund 2 ... 3 kg/m2, maximal 5 kg/m2
- Bei Breite der Klebefläche > 30 cm Klebstoff beidseitig auftragen. Einhaltung der max. Klebstoffmenge 5 kg/m2
- Rillenverlauf beidseitig in die gleiche Richtung
- Zusammenfügen der Bauteile mit Druck, evtl. mit druckverteilenden Hilfsmitteln, spätestens 30 min nach Auftrag
- Auch bei minimaler Neigung der Klebefläche Fixierung des geklebten Bleches gegen Abgleiten
- Zwischen den Abdeckblechen der Attika (Blechlänge i.d.R. 3000 mm) sind unter die Blechfugen min. 100 mmbreite Stossbleche, Unterbleche, Fugenbleche anzuordnen.
Klebesysteme o h n e Halter (Unterbleche)
Die Klebung von Mauer- und Attikaabdeckungen ohne statisch fixierte Unterbleche ist durchaus anwendbar unter Beachtung folgender Randbedingungen:
- Horizontale Krone, Neigung der Klebefläche = 0°
- Geringe Windlasten (Windzone 1, geringe Bauwerks- bzw. Bauteilhöhe)
- Kleine Blendenhöhen ca. 50 ... 60 mm
- Mindestbreite der Attikawand zur Erzeugung einer min. Klebefläche
Ursache für diese Anwendungssituation ist die relativ geringe Scherfestigkeit der Klebung. Bei den ohnehin erforderlichen Stossblechen kann mit einer konstruktiven Fixierung dieser Bleche (Stahlnagel, Flachkopfnagel, Schraube + Dübel) auf dem Untergrund eine Schwimmwirkung verhindert werden. Die genannten Randbedingungen sind nicht relevant, wenn eine vorhandene Attikaplatte bündig an der Innenkante des Abdeckbleches anliegt. Das Abgleiten des geklebten Abdeckbleches wird damit komplett verhindert. Mit diesen Ansätzen ist eine seit Jahren praktizierte Enkolit-Klebung von Mauerabdeckungen konstruktiv abgesichert.

Klebesysteme mit Haltern (Unterbleche)
Die Standardanwendung geklebter Attikableche ist die Kombination Klebung + fixierte Unterbleche. Die Unterbleche sind in diesem Fall nicht nur Stossbleche unter den Fugen der Abdeckbleche, sondern je nach statischer Anforderung über die Länge verteilte Zusatzbleche. In dieser Kombination kommt die extreme Haftzugfestigkeit in der Fläche der Klebung zur Wirkung.
Die Scher- und Schälbeanspruchungen werden von den Unterblechen = Halter und deren VBM aufgenommen. In DDH 04.2025 wurde bereits aus der Vielfalt der Haltersysteme von Attikablechen auf die grossen Vorteile der Halteraus abgekanteten Blechen = Kanthalter hingewiesen. Zusammen mit der Klebung werden diese Vorteile noch verstärkt.
Für alle Komponenten gibt es diverse Varianten, geometrische und Werkstoffparameter, die gültigen Regelwerken (Normen, Zulassungen, Prüfzeugnisse) entsprechen müssen. Also, ein komplexer Sachverhalt für die erforderlichen Nachweise der Standsicherheit, den ein Dachdecker, Verarbeiter neben seiner praktischen Arbeit kaum bewältigen kann.
Folgende Varianten der Abdeckbleche (Kronenbleche) sind in die Nachweise der Standsicherheit integriert:
- Aluminium ==> 1.0, 1.5, 2.0 und 3.0 mm
- Titanzink ==> 0.7, 0.8 und 1.0 mm
- Kupfer ==> 0.8, 1.0 und 1.5 mm
- Cortenstahl ==> 1.0, 1.5, 2.0 und 3.0 mm
- Edelstahl ==> 1.0, 1.5, 2.0 und 3.0 mm
- Stahl verzinkt ==> 1.0, 1.5, 2.0 und 3.0 mm
In der Kombination der Unterbleche mit den geklebten Abdeckblechen sind nahezu alle Attikasysteme in jeder Windzone und Bauwerkshöhe realisierbar.
Unterblech = Halter unter Abdeckblech ungeklebt vs. geklebt
In der Praxis erreichen uns immer Anfragen, was aus statischer Sicht das Besondere eines Halters ist im Vergleich mit ungeklebten und geklebten Abdeckblech. Hier spielt das Prinzip der Abtragung der Windsoglast auf die Attikakrone die massgebende Rolle.
Abdeckblech ungeklebt
Das Abdeckblech kann die Windlast nicht direkt in der Fläche aufnehmen. (Sonderfall: Das Abdeckblech ist direkt auf den Halter bzw. Attikaplatte geschraubt). Die gesamte Windsoglast auf das Abdeckblech wird umgelenkt als Zugkraft auf die Blenden und damit in die Kantung der Halter und in die Verbindungsmittel VBM Halter / Attikaplatte. Dies bringt eine maximale Biegewirkung auf die Halter.
Abdeckblech geklebt
Ein Grossteil der Windsoglast auf die Krone wird direkt in die flächige Klebung eingeleitet. Der Restbereichauf der Innen- und Aussenseite der Attika wird umgelenkt auf die Blenden. Dieser Sachverhalt ist besonderswirksam bei breiten Kronen grösser ca. 400 mm. Die sehr hohe Haftzugfestigkeit der Klebung bringt hier ein besonders hohes Sicherheitsniveau unter Windzuglast. Die Unterbleche (Halter) und ggf. VBM können dann wesentlich geringer dimensioniert werden. Unter Beachtung der Schälbeanspruchung der Klebung am Rand wird die massgebende Klebefläche für die Zugbeanspruchung konstruktiv reduziert bzw. der Restbereich für den Einfluß auf die Halter vergrössert.
Hohe Haftzugfestigkeit der Klebung bringt erhebliche statisch-konstruktive Effekte
Die vollflächige Klebung von Kronenblechen von Mauer- und Attikaabdeckungen hat gegenüber ungeklebten Systemen diverse Vorteile. In Kombination mit Unterblechen (Haltern) bringt die hohe Haftzugfestigkeit der Klebung erhebliche statisch-konstruktive Effekte. Insbesondere die geringere Dimensionierung der Halter (Vorstossbleche) bringt wirtschaftliche Vorteile. Bei Haltern in 2-teiliger L-Kantung ergeben sich auch Kosteneinsparungen bei den Verbindungsmitteln der Halter.
Es sind Attiken in jeder Windzone und Bauwerkshöhe plan- und realisierbar. Die Klebung ermöglicht die Anwendung dünner Abdeckbleche z.B. Titanzink, Kupfer oder Cortenstahl. Infolge des vollflächigen Verbundes von Blech und Untergrund ergeben sich reduzierte Trommelgeräusche, Dröhneffekte, Flattern und Schwingungen bei Wind und Niederschlägen. Evtl. nicht planmäßige Einzellasten (Personen, Blumenkästen, Lagerung von Werkzeugen und Bauteilen usw.) definieren sich nicht in Durchbiegungen oder Beulen von und in Abdeckblechen. Auch der Korrosionsschutz der Blechunterseite und das Ausschliessen des Nistens von Insekten sind hier zu erwähnen.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 02. 2026.
Tobias Backhaus und Dr. Hanfried Heller