Eine Metallabdeckung auf einer Mauer mit einer Leiter im Vordergrund und einem Garten im Hintergrund.
Geklebte Attikaabdeckungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Ein neues Tool gibt jetzt auch Sicherheit. (Quelle: Enke-Werk)

Flachdach 2026-01-05T12:33:44.105Z Attikaabdeckungen – standsicher geklebt

Flachdach: Blechabdeckungen für Mauern und Attiken sind übliche Standardbauteile in der Baupraxis. Für die Halterung der Abdeckbleche haben sich in den letzten Jahrzehnten diverse Haltersysteme etabliert. Aber auch verklebte Systeme erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Was dabei zu beachten ist und wie Sie den Nachweis über die Standsicherheit erbringen können, erfahren Sie in einem zweiteiligen Beitrag.

Rillenhalter und Attikaschienen sind quer angeordnete linear wirkende Strukturelemente mit einem wirtschaftlich möglichst großen Abstand. Bei üblichen Längen der Abdeckbleche von 3.000 Millimetern werden Halterabstände von 1.000 bis 1.500 Millimetern angestrebt. Diese relativ großen Abstände erforden stabile, biegesteife Abdeckbleche, in der Regel Aluminium mit 2 bis 3 Millimetern Blechdicken. In der Praxis oft gewünschte dünne Abdeckbleche circa 0,7 bis 1 Millimeter, zum Beispiel aus Titanzink, Kupfer, Aluminium, Edelstahl oder Cortenstahl, sind mit diesen Haltersystemen und Abständen bei genauer Betrachtung nur schwer standsicher zu realisieren.

Ein Stapel von Metallwinkeln, die auf einer weißen Oberfläche angeordnet sind. Die Winkel haben eine glänzende, silberne Oberfläche und sind präzise gestanzt.
Übliche, typische Haltersysteme von Mauer-/Attikablechabdeckungen: gekantete Rillenhalter und Schienenhalter mit Einschubwinkeln für die Blenden waren Gegenstand eines Fachbeitrags von Dr. Heller in DD/H 04.2025. (Quelle: ibh)
Ein Metallprofil mit einer schwarzen Gummidichtung, das auf einem weißen Hintergrund liegt.
Quelle: ibh

Geklebte Abdeckbleche

Die Klebung von Abdeckblechen wird bereits seit den 1960er-Jahren im Dachdecker- und Bauklempnerhandwerk erfolgreich praktiziert. Neuere Untersuchungen zu den Eigenschaften der Klebstoffe und spezielle statische Nachweistools zeigen, dass geklebte Attikasysteme auch für nahezu jede Windlastzone und Bauwerkshöhe anwendbar sind. Besonders vorteilhaft gegenüber den linearen Haltern ist die vollflächige Wirkung der Klebung, was auch die Anwendung und Nachweisführung sehr dünner Abdeckbleche ermöglicht. Der vorliegende Fachbeitrag bezieht sich auf Kaltkleber auf Bitumenbasis. Enkolit ist aktuell das, nach eigenen Aussagen, einzige Kaltklebesystem mit circa 100 Jahren Erfahrung und geprüften Eigenschaften bzw. Langzeitfestigkeiten. Die folgenden Ausführungen haben das Ziel, die Spezifik geklebter Attiken aufzuzeigen und die Nachweise der Standsicherheit derartiger kompletter Attikasysteme zu erläutern. Auch soll die Klebung als mögliche Art der Lagesicherung von Attiken im Bewusstsein von Planern, Statikern, Dachdeckern, Blechnern und Baufirmen verankert werden.

Windlasten maßgeblich

Die Windlasten sind die massgebenden Einwirkungen auch für die Dimensionierung eines geklebten Attikasystems. Wichtige Basisinfos sind hierbei der Standort des Gebäudes (Windzone), eine eventuelle exponierte örtliche Lage sowie die Höhenlage der Attika (oft die Bauwerkshöhe). Folgende charakteristische Lasten bzw. Lastkombinationen sind zu beachten:

  • Windsoglasten auf die Attikakrone –> wsk,fd
  • Windsoglasten auf die Blenden außen (innen) –> wsk,wa
  • Winddrucklasten auf die Blenden außen (innen) –> wsd,wa
  • Unterwind infolge wsd,wa (Sonderfall bei offenen Überdeckungen)

Infolge der geringen Neigung circa 3 bis 7 Grad verhalten sich die Attikaabdeckungen (Krone) unter Windlast wie Flachdächer –> wsk,fd. Die Lasten auf die Blenden entsprechen den Lasten auf vertikale Wände bzw. Fassade. Winddrucklasten –> wsd,wa auf die Blenden werden in der Regel vernachlässigt.
Große Blendenbreiten (circa > 200 mm) generieren große Windsoglasten –> wsk,wa auf die Blenden, die an Eckbereichen der Attika entstehen. Sie müssen mit den Soglasten auf die Krone überlagert werden und sind maßgebend für die Zug- und Scherwirkung auf die Klebung.
Für die Nachweise der Standsicherheit sind die charakteristischen Lasten mit der Teilsicherheit = 1,5 zu multiplizieren –> Designlasten wsd.
Um die Größenordnung der auftretenden Lasten, zu verdeutlichen hier zwei Beispiele aus der Praxis:

Windzone 2 (zum Beispiel Weimar, Bauwerkshöhe 25 m)

  • Windsog Wand, Fassade wsd = -1,89 kN/m2
  • Windsog Flachdach, Attikakrone wsd = -3,38 kN/m2

Windzone 3 (zum Beispiel Rostock, Bauwerkshöhe 25 m)

  • Windsog Wand, Fassade wsd = -2,73 kN/m2
  • Windsog Flachdach, Attikakrone wsd = -4,88 kN/m2

(Vereinfachter Windlastansatz nach DIN EN 1991-1-4, Flachdach Ansatz scharfkantig, Eckbereich) (Gefühlter Größenvergleich –> 1 kN = circa 100 kg)

Zug, Scheren und Schälen

Die Klebung von Abdeckblechen unterliegt folgenden maßgebenden Beanspruchungen: Zug, Scheren und Schälen.

Für die Nachweise der Standsicherheit sind diesen Beanspruchungen entsprechende Tragfähigkeiten bzw. Festigkeiten gegenüberzustellen. In der Praxis existieren nur sehr wenige Gutachten, Versuche oder Detailuntersuchungen zur Ermittlung dieser Parameter. Es wurden diverse Versuche zum Haftverbund von Enkolit Kaltkleber durchgeführt. Zum Beispiel wurden bei einer Klebung von Stahl auf Stahl circa zwei Stunden nach Auftragung des Klebers Haftzugfestigkeiten von mindestens 20 kN/m2 gemessen. Bei OSB-Prüflingen (Grobspanplatten) wurde nach drei Wochen eine Haftzugendfestigkeit von circa 180 kN/m2 festgestellt. Unter Beachtung bestimmter Fraktilfaktoren wird immerhin ein charakteristischer Wert von Rk = circa 85 kN/m2 empfohlen. Zum Vergleich beträgt der charakeristische Windsog auf die Attikakrone in Windzone 3 bei einer Bauwerkshöhe 25 Meter wsk = 3.25 kN/m2. Hervorzuheben sind Versuche, nach 30 Jahren Standzeit wurden Haftfestigkeiten zwischen Zinkblech und Zementmörtel zwischen 240 und 750 kN/m2 gemessen. Bei Zugbeanspruchungen ist demzufolge ein extrem hohes Sicherheitsniveau zu erreichen. Im Vergleich mit üblichen Haltersystemen sind bei geklebten Blechen besondere Beanspruchungen zu beachten und nachzuweisen (Quelle: ibh).

Ganz anders sieht der Sachverhalt bei den Beanspruchungen Scheren und Schälen aus. Die Scherbeanspruchung ist die Schwachstelle des Klebesystems. Bei Prüfungen des Richard Grün Instituts wurden geklebte Zink-, Kupfer- und Alubleche auf Beton, Kalksandstein und Spanplatten geprüft. In Abhängigkeit der Verschiebung liegen die Scher-Haftfestigkeiten bei circa 0,2 bis 3 kN/m2.
Ähnliche Versuche wurden durchgeführt, um die Schälkraft pro Längeneinheit in Abhängigkeit der Verschiebung zu ermitteln. Hier liegen die Schälfestigkeiten bei circa 0,32 bis 0,58 kN/m.
Für die im Folgenden erwähnten Nachweise der Standsicherheit der Klebefuge wurden die kleinsten charakteristischen Minimalwerte der anfänglichen Festigkeiten angesetzt:

  • Zugbeanspruchung fuk_kleb = 33 kN/m
  • Scherbeanspruchung fvk_kleb = 0,20 kN/m2
  • Schälbeanspruchung fsk_kleb = 0,32 kN/m

Die maßgebenden Designwerte werden zusätzlich mit dem pauschalen Teilsicherheitsfaktor gammaM = 1,5 abgemindert.

Tragverhalten, Verformungen

Infolge der geringen Scherfestigkeit kommt der sogenannte „Schwimmeffekt“ der Klebefuge in das Visier der Untersuchungen. Das Verschieben (= Wegschwimmen) kann in der Praxis durch zwei Randbedingungen ausgelöst werden. Im Normalfall beträgt der Kleberverbrauch bei ebenem Untergrund circa 2 bis 3 kg/m2. Bei einer Dichte von circa 1,1 g/cm3 bei 20 Grad beträgt die Schichtdicke circa 2 bis 3 Millimeter. Unebene Ankergründe erforden gegebenenfalls dicke Klebefugen. Bei hohen sommerlichen Temperaturen über 50 Grad können nicht abgelüftete dicke Klebemassen abrutschen, schwimmen. Um dies zu vermeiden, ist der Kleberverbrauch in der Praxis auf 5 kg/m2 = circa 4.5 Millimeter Schichtdicke begrenzt. Ein zweiter maßgeblicher Einfluss ist die Neigung der Klebefuge bzw. des geklebten Systems. Abgesehen von Sonderfällen, sind bei Attika- und Mauerabdeckungen Neigungen von 3 bis 7 Grad vorzusehen, um das Niederschlagswasser abzuleiten. Um ein Abrutschen (Schwimmen) zu vermeiden, sind bei geneigten Klebeflächen (auch geringe Neigung) grundsätzlich Fixierungen des Abdeckbleches notwendig. Dies wird erreicht durch die Anordnung von Haltern, Unterblechen, Haften, Haftleisten, Vorstoßblechen, Fugenblechen oder durch die bündige Anordnung des Abdeckbleches an eine vorhandene Attikaplatte.


Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 01. 2026.

Tobias Backhaus und Dr. Hanfried Heller

zuletzt editiert am 05. Januar 2026