Verfahren für Seiteneinstiege in den Dachdeckerberuf, Unterstützung beim Lernen für Azubis und einfachere Abläufe dank digitaler Unterstützung. Die Berufsbildungstagung Nordrhein in Mettmann bot einen Überblick auf vielfältige Aktivitäten auf Landes- und Bundesebene.
Spätestens seitdem die Folgen des demographischen Wandels für die gesamte Arbeitswelt sichtbar geworden sind, zieht das Thema Berufsbildung wachsende Aufmerksamkeit nach sich. Die damit verbundenen Fragen und Aufgaben sind nicht weniger als elementar für den Fortbestand von Berufszweigen. Dabei stehen neben der Kernfrage, wie man aus einem schrumpfenden Pool von Schülerinnen und Schülern ausreichend Interessierte für den Beruf macht, auch weitere Herausforderungen im Blickfeld: Wie bindet man die Interessierten dauerhaft, wie verhilft man möglichst vielen - auch mit Unterstützung - zum Lernerfolg und wie bewältigt man die Anforderungen der Politik nach personalstarker Umsetzung der Energiewende? Vor diesem Hintergrund diskutierten Expertinnen und Experten der Berufsbildung im Dachdeckerhandwerk detaillierte Konzepte bei der Berufsbildungstagung des Landesverbandes Nordrhein in Mettmann. Markus Gerke, Landesreferent Berufsbildung, leitete begrüßend ein und brachte mit seinem Bericht über die Berufsbildungstagung des ZVDH im Januar das Plenum auf den aktuellen Diskussionsstand.
Qualifikation ohne formalen Abschluss?
Rolf Fuhrmann, Geschäftsführer des Bundesbildungszentrums (BBZ) in Mayen, stieg mit seinem Bericht tiefer in die Materie aktueller Ausbildungskonzepte ein. Fuhrmann stellte unter anderen den aktuellen Stand zum Berufsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz vor. Dabei geht es im Grundsatz um die Frage, wie Fähigkeiten von Menschen ohne formalen Berufsabschluss sichtbarer gemacht werden können. Ursprünglich von der europäischen Ebene ausgehend, wurde in Deutschland im Rahmen des Projekts „Valikom“ ein Verfahren entwickelt und erprobt, um diese nicht formell erworbenen Kompetenzen durch Kammern zu bewerten und zu zertifizieren. Fuhrmann unterstrich die Haltung des organisierten Dachdeckerhandwerks, wie auch beim Thema Teilqualifikation offen zu sein für neue Zugänge zu beruflicher Qualifikation, sofern sie nicht in Konkurrenz zur regulären dualen Ausbildung stehen und in übliche Prüfungsverfahren münden. Beim vorliegenden Gesetz soll dies über eine Mindestberufserfahrung geregelt werden, im Endeffekt vergleichbar mit einer Altersuntergrenze. Festhalten lässt sich nach den Erfahrungen des Projekts auch: die tatsächliche Nachfrage ist bisher überschaubar, ein Ansturm auf diese Form beruflicher Qualifikation wird auch in Zukunft nicht erwartet.
Junge Azubis gezielt unterstützen
Ein weiteres Projekt der Berufsbildung stellten Raban Meurer, Vorstandsmitglied im Dachdeckerverband Nordrhein und Regine Bültmann-Jäger von der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land vor. ASA flex steht dabei für die „Assistierte Ausbildung flexibel“ und umfasst verschiedene Unterstützungsleistungen für junge Menschen in Ausbildung und deren Ausbildungsbetriebe. Ein Manko des bisherigen Angebots machten die Vortragenden in der räumlichen Trennung zwischen Berufsschule und Zusatzangeboten aus. Meurer und Bültmann appellierten an die anwesenden Fachleute, die Angebote vor Ort zu unterstützen und auch der Arbeitsagentur gegenüber fordernd aufzutreten. Auch wenn das Pilotprojekt nur mit geringen Gesamtzahlen aufwarten konnte, resümierten Bültmann-Jäger und Meurer, sei die Initiative wertvoll: sieben von zehn betreuten Auszubildenden bestanden am Ende ihre Prüfung.
Neue Funktionen beim Digitalen Berichtsheft
Abläufe rund um die Ausbildung vereinfachen können elektronische Hilfsmittel. Sven Meyer, Fachtechnischer Berater des Landesverbandes, gab einen Überblick auf die Nutzung elektronischer Angebote und stellte fest, dass die Quoten der Nutzung noch viel Potenzial bieten. Ein Angebot mit diesem Ziel ist das Digitale Berichtsheft DDH .
Silke Hagen-Merten, Projektmanagerin bei Rudolf Müller, stellte dem Expertenkreis die jüngsten und geplanten Produktverbesserungen vor, darunter eine automatische Rechtschreibprüfung, ein Zeitstempel für Fachberichte und Nachfragen, der Zugriff für ÜBL-Ausbildende sowie farbige Markierungen bei der Überarbeitung und Nachfragen zu Einträgen.
Die Besten im Leistungswettbewerb
Einen stimmungsvollen Bericht zum Praktischen Leistungswettbewerb im Dachdeckerhandwerk lieferte Wilfried Bach, der anschaulich darstellte, mit welchen Maßnahmen die besten Dachdeckerinnen und Dachdecker des Landesverbandes fit gemacht wurden für die anspruchsvollen Wettbewerbe. Bach unterstrich dabei auch die langfristige Perspektive bei der Auswahl der Besten: Die Teilnehmenden seien, so Bach, auch die Kandidaten für spätere Tätigkeiten zum Beispiel in Prüfungsausschüssen.
