Porträt: Alles, was digitalisierbar ist, läuft im Dachdecker-Betrieb von David Leppert über Software und KI-Tools – von der Angebotserstellung bis zur Baustellendokumentation. Auslöser waren Qualitätsprobleme und verlorene Zettel. Heute sorgt eine durchdigitalisierte Büro- und Baustellenorganisation für transparente Abläufe und killt Zeitfresser.
Seinen Aufritt hatte David Leppert beim Landesverbandstag der baden-württembergischen Dachdecker im Mai 2026 in Ulm. Thematischer Schwerpunkt war das Thema Künstliche Intelligenz, vier Unternehmer berichteten aus der Praxis. Auf der Podiumsdiskussion positionierte sich der junge Dachdeckermeister aus Heilbronn deutlich für das papierlose Büro und die Anwendung von KI-Tools im Betrieb: „Vieles geht einfach verloren, wenn es nicht schriftlich vorliegt. Alles, was man digitalisieren kann, geht mit der KI besser“, so Leppert.
Der Wendepunkt kam bei ihm nicht über Nacht. Mit wachsender Mitarbeiterzahl und immer komplexer werdenden Anforderungen begann Leppert mehr Zeit am Schreibtisch zu verbringen. Materialdisposition, Angebotserstellung, Baustellenkoordination – das alles verlangte nach mehr Struktur und war zunehmend voller Fehler. „Ein Kunde wollte ein rotes Blech in der linken Ecke und statt einem roten stand am Ende in unserem Angebot ein gelbes dort. Zettel gingen verloren, Details wurden vergessen, und am Ende passte die Qualität nicht mehr. So konnte es nicht weitergehen“, berichtet er.
Vom Papierchaos zum digitalen Leitfaden
Es war der Kontrollverlust und das ständige Nacharbeiten, das Leppert in die digitale Welt zog. Heute verfügt sein Betrieb über eine vollständig integrierte digitale Infrastruktur. Baustellenberichte werden dokumentiert, Fotos hinterlegt, und alle Daten finden ihren Platz in zentralen Systemen. „Das sind einfache Klick-Abläufe: Fotos machen, beschreiben, vom Kunden abzeichnen lassen – fertig. So bleibt nichts mehr auf der Strecke“ erklärt er. Doch so leicht wie sich das Ergebnis anhört, war der Weg dorthin nicht.
Digitale Werkzeuge, die sich bewähren
Besonders knifflig: die Vernetzung der verschiedenen Programme. Baustellenplanung und -dokumentation laufen über Plancraft, die technischen Kalkulationen über MF Dach. Die beiden Systeme mussten zusammenfinden. Das läuft inzwischen weitgehend reibungslos und erspart doppelten Aufwand. „Es war nicht einfach, eine Lösung zu finden, aber letztlich haben wir uns durch eine GEAB-Datei für den Datentransfer entschieden. So können wir die Daten automatisiert in beide Systeme einspielen“.
Und dann ist da noch die KI, die Leppert inzwischen als unverzichtbares Werkzeug sieht. Sie hilft ihm nicht nur bei betriebswirtschaftlichen Analysen wie der Frage, ob eine größere Anschaffung sinnvoll ist, sondern liefert auch visuelle Unterstützung bei der Kundenkommunikation. Fotos von Dachflächen können hochgeladen und digital bearbeitet werden, um den Kunden zu zeigen, wie ihr Dach mit verschiedenen Ziegelarten aussieht – alles in wenigen Sekunden. „Ich denke, das ist gerade für Kunden eine große Hilfe. Viele sind unsicher und lassen sich durch fundierte Vorschläge überzeugen“, sagt David Leppert.

Feedbackschleifen bis das sitzt
Doch eine digitale Transformation ist nicht nur eine technische, sie ist immer auch eine menschliche. Das ganze Dachdecker-Team muss das wollen und gemeinsam erarbeiten. „Man kann nicht einfach ein System überstülpen und erwarten, dass alle sofort damit klarkommen. Man muss die Mitarbeiter schrittweise mitnehmen, erklären, testen und Feedback einholen“, so Leppert. Natürlich war das am Anfang etwas ruckelig und er musste die Rapportberichte der Mitarbeiter oft überprüfen. Durch wöchentliche Feedbackschleifen und einfache Benutzeroberflächen wie Multiple-Choice-Menüs fanden sich alle Mitarbeiter besser in den neuen Abläufen zurecht.
„Heute sind alle glücklich. Die digitale Zeiterfassung, die interne Nachrichtenfunktion – das können alle Mitarbeiter bedienen und es erleichtert den Alltag enorm“, bilanziert er. Selbst der ältere Dachdecker, der kurz vor der Pensionierung steht, kam gut mit der Umstellung zurecht. „Man muss die Systeme so gestalten, dass sie intuitiv bedienbar sind. Komplizierte Abläufe bringen nichts für Menschen, die auf der Baustelle Präzision leisten müssen“.
Besser die KI hört zu, als ein AB geht ran
Auch die Kundenkommunikation ist effizienter geworden: Geht ein Anruf außerhalb der Geschäftszeiten ein, nimmt ein KI-gestützter Sprachassistent das Anliegen entgegen. So einen Sprachassistenten haben bereits einige Dachdecker im Einsatz. Kritik an der Technik kontert Leppert trocken: „Lieber eine KI, die die Info entgegennimmt, als eine Mailbox, auf die keiner gerne spricht.“ Mehr noch: Kunden profitieren von umfassenden Dokumentationen und Angeboten, die über Drohnenaufnahmen, technische Berechnungen und detaillierte Protokolle hinausgehen. Diese Unterlagen liefern Klarheit und Transparenz, die Unsicherheiten verringern – absolut notwendig bei den heutigen Preisen, denn die Kalkulation für eine energetische Dachsanierung fängt bei einem Volumen von 80.000 Euro erst an.
Künstliche Intelligenz ist nicht mehr aufzuhalten
Für Leppert ist klar: Die Digitalisierung – und vor allem die KI – sind nicht aufzuhalten. „Moralisierung in Sachen KI ist leider typisch deutsch. Das können wir uns nicht leisten. KI ist längst Realität und wir sollten sie als Dachdecker nutzen. Betriebe, die nicht nachziehen, stecken irgendwann in Zeitfressern und Verwaltungskosten fest, während andere längst weitergezogen sind“ ist er sich sicher.
Als Lehrlingswart der Innung Heilbronn kümmert er sich auch um den Nachwuchs. Was David Leppert auszeichnet, ist – neben dem fachlichen Können – vor allem die Fähigkeit, Brücken zu bauen: zwischen Mitarbeitern und digitalen Prozessen, zwischen Kundenwünschen und technischen Lösungen. Dennoch macht der 33jährige nicht jeden Hype mit. Instagram dient zur Nachwuchsgewinnung, ist aber Nebensache: „Klar posten wir unsere Leistungen online aber dennoch: Ich bin Dachdeckermeister, kein Social-Media-Star, kein Technikguru. Ich will einfach, dass unsere Arbeit so gut ist, wie sie sein muss. Nicht mehr aber auf keinen Fall weniger“.
Mehr Effizienz ist für Leppert kein Selbstzweck, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Die digitale Infrastruktur eliminiert Fehler, spart Stunden im Büro und macht Projekte besser kalkulierbar – vom ersten Angebot bis zur Schlussrechnung. Jeder Klick ersetzt teure Suchzeiten, Doppelarbeit und Missverständnisse.