Serie Sachverständige: Elementarschäden an Dächern und deren Aufbauten stellen ein wachsendes Anliegen für Hauseigentümer und Betreiber dar. Was aber passiert nach einer Schadensmeldung? Ist es immer ein Fall für die Versicherung?
Gerade Dachaufbauten, wie zum Beispiel Solaranlagen, sind direkt den Naturelementen ausgesetzt und können durch verschiedene Witterungsbedingungen und Naturereignisse erheblich beschädigt werden. Ein umfassendes Verständnis möglicher Risiken und geeignete Vorsorgemaßnahmen gegen Witterungsschäden sind entscheidend, um die nachhaltige Funktion und Langlebigkeit von Dächern sicherzustellen.
Häufig Sturm
Zunächst ist es wichtig zu definieren, was unter Elementarschäden zu verstehen ist. Diese Schäden resultieren aus Naturkräften, die nicht vom Menschen beeinflusst sind. Dazu zählen unter anderem Stürme, Hagel, Blitzschlag, Überschwemmungen, Erdbeben, Schneelast und extreme Temperaturen. Jede dieser Naturgewalten kann auf unterschiedliche Weise Solarzellen, das Rahmengestell, Lüfter, Fenster, Lichtkuppeln oder die gesamte Dachkonstruktion beeinträchtigen.
Stürme sind eine der häufigsten Ursachen für Schäden. Deckmaterialien bei Steildächer können herausgerissen werden, Abdichtungen durch Windsog abreißen. Zur Bewertung des Schadens ist hier auch das Baujahr und die zu dieser Zeit vorgeschriebenen Befestigungs regeln zu beurteilen. Die generelle Verklammerungspflicht bei Dachziegeln und Dachsteinen nach Windlastberechnung gilt zum Beispiel seit 2011. Solaranlagen sind der Windlast ganz besonders ausgesetzt. Bei starken Windböen besteht die Gefahr, dass schlecht befestigte Module losgerissen werden. Zudem können umherfliegende Trümmerteile die Glasoberfläche der Solarpaneele beschädigen oder zerstören. Um solche Szenarien zu vermeiden, ist es unerlässlich, dass die Anlagen fachgerecht installiert und regelmäßig auf ihre Befestigung überprüft werden. Moderne Solaranlagen sind zwar auf eine gewisse Windbeständigkeit ausgelegt, dennoch können extrem starke Stürme diese Widerstandsfähigkeit übersteigen.
Hagel und Blitz
Hagel ist ein weiterer gravierender Risikofaktor. Hagelkörner können Tageslichtsysteme, Dachbahnen, Dacheindeckungen oder die Glasabdeckungen von Solarmodulen schwer beschädigen oder sogar komplett durchschlagen. Die Auswahl von Solarpaneelen mit gehärtetem Glas und einer höheren Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Einwirkungen kann das Risiko mindern. Auch die Materialwahl bzw. -qualität bei Einbauteilen ist entscheidend. Ergänzend ist zu beachten, dass innovative Techniken und Materialien kontinuierlich weiterentwickelt werden, um die Hagelresistenz zu verbessern. Blitzschläge, obwohl weniger direkt sichtbar in ihrem Einfluss, können erhebliche Schäden verursachen. Ein direkter Treffer kann eine elektrische Anlage überlasten und unbrauchbar machen. Auch wenn Solaranlagen selbst keine Blitzableiter sind, sollten sie in ein umfassendes Blitzschutzsystem des Gebäudes integriert werden. Dies reduziert die Gefahr nicht nur für die Solaranlage, sondern schützt auch die elektrische Einrichtung des Hauses.
Sonderregel RWA
Rauch-Wärme-Abzugsanlagen können Leben retten. Daher sind Vorschriften für die Prüfung und Instandhaltung von RWA gesetzlich geregelt, während die Pflege der Hohlkammerplatten in den Herstellervorschriften zu finden ist. Die Vorschriften finden sich in:
- Landesbaurodnung
- Musterbauordnung
- DIN 18232 – Wartung von RWA Anlagen
- DIN 18234 - Brandbeanspruchung
- Arbeitsstättenschutzgesetz
Eine halbjährliche Sichtprüfung wird von den Brandschutzversicherungen gefordert und muss durch den Betreiber der Anlage durchgeführt werden. Die Prüfung kann auf dem Wartungsbericht notiert werden.
Neben den Regeln zur Sicherung der technischen Funktion bei RWA müssen die Oberflächen aller Lichtbänder einer regelmäßigen Reinigung unterzogen werden. Diese Verpflichtung entsteht aus der Arbeitstättenverordnung, $ 3 (1) bzw 3 (2) sowie den Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A1.6 „Fenster, Oberlichter, lichtdurchlässige Wände“.
| Instandhaltungsmaßnahme | Zeitintervall zwischen zwei Sichtkontrollen/Wartungen/Instandsetzungen | Qualifikation |
|---|---|---|
| Sichtkontrolle |
längstens 6 Monate |
eingewiesene Person (Betreiber) oder Fachkraft für NRA |
| Wartung |
längstens 1 Jahr |
Fachkraft für NRA |
| Instandhaltung |
nach Erfordernis |
Fachkraft für NRA |
Starkregen und Schnee
Überschwemmungen richten in der Regel auf Dächern relativ geringen direkten Schaden an, können jedoch Probleme verursachen, wenn das Wasser aufgrund schwerer Niederschläge nicht ordnungsgemäß abfließt. Eine ordentliche Dachentwässerung ist entscheidend, um Staunässe zu vermeiden, die zu einer übermäßigen Belastung oder einer Schwächung der Dachstruktur führen kann. Daher wurde im April 2023 die Erstellung eines Entwässerungskonzeptes verpflichtend eingeführt. Ebenso stellen Schneelasten ein potenzielles Risiko dar. Eine übermäßige Schneelast kann die Tragstrukturen belasten und potenziell beschädigen. Eine ordnungsgemäße Planung, einschließlich der Dachneigung und der Materialauswahl, kann dazu beitragen, das Risiko zu minimieren. In schneereichen Gebieten ist es sinnvol, teilweise Pflicht, Systeme einzuplanen, die einen Teil des Schnees bei übermäßiger Last abtransportieren.
Solaranlagen bei Erdbeben und Temperatur
Erdbeben, obwohl in Deutschland selten, sind in seismisch aktiven Gebieten eine ernstzunehmende Gefahr. Hier ist es essenziell, dass die Montagesysteme von Solaranlagen flexible Bewegungen zulassen, ohne dass die Struktur selbst Schaden erleidet. Verwendung von biegsamen, aber robusten Materialien bei Halterungen kann zu einer erhöhten Widerstandsfähigkeit gegen Erdbeben beitragen. Das Risiko von Schäden durch extreme Temperaturen, sei es extreme Hitze oder Kälte, sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden. Diese Belastungen können zur Materialermüdung oder zur Verformung von Modulen führen. Bei der Planung einer Solaranlage sollten daher Materialien und Komponenten berücksichtigt werden, die auf die spezifischen klimatischen Bedingungen der Installationsumgebung abgestimmt sind.
Regelmäßige Inspektion und Wartung von Dächern
Um die Risiken von Elementarschäden zu minimieren, ist eine regelmäßige Inspektion und Wartung von Dächern und deren Aufbauten unerlässlich. Dabei sollten alle Dachstrukturen inspiziert werden, um frühzeitig potenzielle Schäden oder Abnutzungen zu identifizieren. Moderne Überwachungssysteme können zudem helfen, Leistungsverluste oder Unregelmäßigkeiten sofort zu erkennen und zu adressieren. Abschließend bleibt festzuhalten, dass Elementarschäden ein kalkulierbares Risiko darstellen, das durch qualitativ hochwertige Materialien, sorgfältige Installation und regelmäßige Wartung erheblich reduziert werden kann. Viele Versicherungen bieten zudem spezialisierte Policen an, die spezifische Risiken abdecken. Das Verständnis dieser Risiken und der präventiven Maßnahmen, die zur Verfügung stehen, stellt sicher, dass Dachkonstruktionen mit all ihren Ein- und Aufbauten auch eine langfristige Investition bleiben.
Bewertung eines Schadens
Jeder Dachdecker kennt das Problem. Der Kunde ruft an und meldet einen Sturmschaden. Natürlich möchte man seinem Kunden gerecht werden und dessen Wünsche erfüllen. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass Versicherungsbetrug kein Bagatelldelikt sondern eine Straftat ist. Keinesfalls darf man die Rechnung dem Kunden zuliebe als Beseitigung eines Sturmschadens oder ähnlich deklarieren. Zu prüfen wären:
- Schadenstag
- Witterung am Schadenstag
- Regelgerechte Ausführung der aufgefundenen Konstruktion
- Wartungsprotokolle
- Altersgrenze bzw. Lebensdauer
Wenn ein klärendes Gespräch mit dem Kunden zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis kommt, sollte man davon absehen, den Auftrag anzunehmen - auch wenn es zu Unstimmigkeiten führt. Versicherungen sind in vielen Fällen dazu übergegangen, ö.b.u.v. Sachverständige mit der Bewertung von gemeldeten Schäden zu beauftragen. Letztlich ist das ein guter Dienst für alle, denn eine Gebäude- oder Elementarversicherung ist kein Sanierungsfonds.



