Eine Personengruppe vor Werbefahnen auf einer Messe
Das Team der Gernert Dachtechnik GmbH besuchte im Frühjahr die DACH+HOLZ. (Quelle: Gernert Dachtechnik GmbH)

Porträts 2026-06-24T10:03:52.066Z Erfolg mit der Familie

Betriebsübergabe: Mit einer fließenden Übergabe von der zweiten an die dritte Generation zeigt die Gernert Dachtechnik GmbH – oder besser: die Familie Gernert – wie ein erfolgreicher Dachdeckerbetrieb in die Zukunft geführt wird: Gemeinsam, mit schrittweiser Übergabe und unter Berücksichtigung aller individuellen Stärken und Wünsche.

Dass viele Betriebe in den kommenden Jahren vor dem Problem stehen, geeignete Nachfolger zu finden, ist kein Geheimnis. In manchen Handwerksunternehmen wirkt es dagegen schon fast logisch, wie sich der Übergabe-Prozess vollzieht. Ein herausragendes Beispiel ist die Gernert Dachtechnik aus Waldbröl: Hier übernimmt die nächste Generation Schritt für Schritt Verantwortung. Damit alles reibungslos klappt, haben sich die Familienmitglieder intensiv ausgetauscht und abgestimmt.

Dachtechnik Gernert: 65 Jahre Tradition

Ein Blick zurück: 1961 gründet Erhardt Gernert eine Zimmerei, ab 1970 verlegt er den Betrieb an den jetzigen Standort in Waldbröl. Seine Schwester Edith Floto kümmert sich um die Buchhaltung. 1979 kommen Klempnerei und Dachdeckerei hinzu. Ein Jahr später tritt sein Sohn Reiner Gernert in das Unternehmen ein, sein Bruder Stefan Gernert folgt 1987. Ab 1994 ist auch Anke Gernert, Ehefrau von Reiner Gernert, an Bord. 2014 erreicht der Innungsbetrieb die Einstufung als „Präqualifiziertes Bauunternehmen der DQB“. 2021 wird Moritz Gernert, Sohn von Stefan Gernert, nach abgeschlossener Lehre Teil des Betriebes. Vor wenigen Monaten wechselte auch dessen Schwester Lena Gernert als Quereinsteigerin in den Familienbetrieb.

Kein Schnitt, sondern Lernen und weitergeben.

Seit rund 30 Jahren führen die Brüder Reiner und Stefan Gernert das Handwerksunternehmen als Geschäftsführer. Aktuell kümmert sich Reiner Gernert vor allem um Angebote, Akquise, Abrechnung, Stefan Gernert ist im Schwerpunkt auf den Baustellen vor Ort. Anke Gernert verantwortet als Büroleiterin insbesondere Finanzbuchhaltung und Lohnabrechnung. Mit einem Alter von über 60 Jahren kommt für Reiner Gernert nun das Ausscheiden aus dem Berufsleben in Sicht – und die Familie überlegt, wie der Übergang optimal für alle zu managen ist.
„Ich wollte von klein auf Dachdecker werden“, sagt Moritz Gernert, „ich kenne den Beruf, seit ich als kleiner Junge mit in der Firma war.“ Seine Ausbildung zum Gesellen absolvierte er in einem befreundeten Betrieb, nach dem Abschluss in der Meisterschule in Mayen ist er heute Dachdeckermeister. „Den Betrieb leiten kann mein Sohn also bereits heute“, freut sich Stefan Gernert. Auch für den Übergang im Büro wurde eine familien-interne Lösung gefunden: Lena Gernert verließ ihren Beruf als medizinische Fachangestellte und stieg in den kaufmännischen Zweig ein. „Meine Arbeit als MFA mochte ich, aber die Zufriedenheit hatte nachgelassen und so kam der Wunsch nach einem Berufswechsel. Das bedeutet zwar deutlich mehr organisatorische und kaufmännische Arbeit, aber der Reiz, Teil des Familienbetriebes zu sein, gleicht das mehr als aus“, sagt sie. Damit die Umbruchphase gut läuft, das Wissen weitergegeben werden kann und die kommende Generation nicht ohne Anlauf in die Verantwortung tritt – mit der höheren Gefahr von Fehlentscheidungen – nimmt die Familie auch in Kauf, dass das Büro für diese Phase  eher überbesetzt ist.
Die Übergabe der technischen Leitung erfolgt ebenso schrittweise. „Wir haben zwar keinen exakten Zeitplan, wann welche Funktion genau abzugeben ist. Aber dass ich in drei Jahren nicht mehr vorne stehen werde, ist schon klar. Ob ich dann noch stundenweise an Bord bin oder bereits ganz aussteige, wird sich zeigen“, blickt Reiner Gernert nach vorn. Moritz Gernert kümmert sich also mehr und mehr um Angebotserstellung, Kunden- und Lieferantenkontakte, Mitarbeiterplanung, Baustellenbesichtigungen – und Baustellen. Für Stefan Gernert ist der Ausstieg noch etwas weiter weg. „Aber rauf aufs Dach: Das wird in den nächsten Jahren sicher eine Aufgabe, die mehr von unseren Jüngeren geleistet werden wird“, meint er.

Hilfe der HWK

Der Betrieb mit neun weiteren Mitarbeitern – auch ein Azubi ist im Team – zeigt sich insgesamt sehr familiär. Daher ist der Eintritt der beiden jungen Gernerts von der Belegschaft sehr positiv aufgenommen worden. „Unsere Leute kennen Moritz schon lange und freuen sich, dass es für uns als Firma so weitergeht“, resümiert Stefan Gernert, „da ist bereits viel Vertrauen vorhanden“. Der Familiengedanke setzt sich sogar in der Crew durch, beispielsweise sind mit Patrick Baum und seinem Sohn Robin Baum – der seinen Meister gemeinsam mit Moritz Gernert erreicht hat – eine weitere Familie mit zwei Generationen im Betrieb. Lange Betriebszugehörigkeit ist typisch für das Unternehmen, die Hälfte der Mitarbeiter ist seit mehr als 20 Jahren an Bord. „Ohne unser Team wäre Gernert Dachtechnik heute nicht das, was es ist“, fügt Anke Gernert hinzu, „denn gerade im Handwerk kommt es zu allererst auf die Menschen an, die sich hier tagtäglich einbringen und die Arbeit leisten. Reiner Gernert freut sich über die Reaktionen der Partner: „Überall, wo wir vom Übergabe-Plan berichten ist die Resonanz positiv: Auftraggeber, Lieferanten, Geschäftsfreunde – sie erkennen unseren langfristigen Ansatz und halten weiter zu uns als Partner“.
Klingt nach Harmonie und blindem Verständnis. Auch wenn nicht in jedem Punkt immer völlige Einigkeit herrscht, so gelingt es den Gernerts, Entscheidungen stets gemeinsam zu fällen. „Für die konkrete vertragliche Umsetzung haben wir uns selbstverständlich Experten-Rat geholt. Hier ist zuerst die Handwerkskammer Köln zu nennen, die uns mit Erika Hülshoff eine weitsichtige Fachfrau zur Seite gestellt hat. Mit ihr haben wir eine fachlich und menschlich ideale Moderatorin gefunden“, berichtet Anke Gernert, „bei der sauberen Ausformulierung halfen uns außerdem Steuerberater und Fachanwalt.“
Die Tochter von Reiner und Anke Gernert hat sich für eine Karriere außerhalb des Betriebs entschieden. Unausweichliches Schicksal ist es also nicht, wenn sich hier die dritte Generation gemeinsam für die Fortführung des Betriebs entscheidet. Umso mehr zeigt es jedoch: Stimmen die Vorzeichen, sind die Chancen ideal, einen erfolgreichen Betrieb sicher weiterzuführen.

Ein schneebedeckter Lkw mit aufmontiertem Kran, tief eingeschneit an einem Wintertag; das Fahrzeug ist teilweise unter einer dicken Schneeschicht verborgen, im Hintergrund kahle Bäume und eine verschneite Landschaft.
Schon im Jahr xx arbeiteten die Gernerts mit moderner Technik. (Quelle: Gernert Dachtechnik GmbH)
zuletzt editiert am 24. Juni 2026
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