Teilnehmer einer Vortragsveranstaltung dehnen sich mit nach oben ausgestreckten Armen nach Vorgabe eines Übungsleiters, der auf der Bühne steht
Einigen Teilnehmern war es einfach zu heiß. Den anderen half auch diesmal ein kleines Workout von Marc Bischoff gegen die Verspannungen durch das lange Sitzen – AOK-Power vor der Mittagspause. (Quelle: DDH)

Markt 2026-07-03T08:11:29.070Z Die Dachdecker, das Beispielgewerk

Mainz: Der Dachtag der Dachdecker Rheinland-Pfalz in den Räumen der Handwerkskammer Rheinhessen fand das erste Mal unter der Regie von Dachdeckermeister Rainer Koch statt. Vorgestellt wurden die aktuellen Neuerungen aus der Flachdachrichtlinie, und es gab einen Einblick in eine energetische Dachsanierung am Steildach – ganz praktisch am Bauvorhaben des Referenten demonstriert.

Der RLP-Dachtag 2026 war wieder eine Team-Leistung der fachtechnischen Abteilung des Landesinnungsverbands des Dachdeckerhandwerks RLP. „Die besten Lösungen entstehen im gemeinsamen Austausch, nicht allein im Kämmerchen“, erklärte Torsten Kleis, Vorstandsmitglied des LIV. Er übernahm kurzfristig die Moderatorenrolle in Vertretung von Rainer Koch, technischer Referent, der aus privaten Gründen verhindert war.

Bevor der Dachtag fachlich startete, richteten Johannes Lauer, Landesinnungsmeister, und Anja Obermann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Rheinhessen, Worte berufspolitischer und handwerklicher Natur an die Teilnehmer. Lauer: „Es ist ein Dachtag mit Zäsur, der erste, der nicht vom langjährigen LIV-Vorstandsmitglied Herbert Gärtner organisiert worden ist.“ Stattdessen hat die „fachtechnische Abteilung“ des LIV unter Rainer Koch, Andreas Schmitz und Torsten Kleis das Programm des diesjährigen Dachtags auf die Beine gestellt. 


Anja Obermann zeigte sich erfreut, wieder Gastgeberin für die Dachdecker zu sein, und stellte fest, dass es ein ganz besonderes Gewerk sein muss, da die Dachdecker in der Presse für sämtliche Themen als Berufsgruppe immer als Beispiel herangezogen werden – zum Beispiel beim Wetter oder auch der Rente.

Pfützen erlaubt

Andreas Schmitz übernahm für Rainer Koch den Vortrag über die Flachdachrichtlinie. „Erst einmal überfordert das Werk, aber bei genauer Betrachtung vereinfacht es die Arbeit“, erklärte Schmitz einleitend. Er erwähnte die angepasste Gliederung und die Positionierung der Abbildungen in den einzelnen Abschnitten statt im Anhang. Sie zeigen einen möglichen Lösungsansatz. Der Dachdecker- und Zimmerermeister betonte, wie wichtig die Grundregel ist. Sie sollte nicht überlesen werden, da sonst wichtiges Hintergrundwissen fehlt. Er verwies nochmals auf die Relevanz modaler Hilfsverben und stellte deren unterschiedliche Bedeutung hervor.

Neben der Definition der Unterschiede zwischen Behelfs- und Notabdichtung wird dem kritischen Punkt Gefälle neuer Raum gegeben: „Das Gefällethema gefällt uns am besten. Wir dürfen in begründeten Fällen gefällelos bauen. Pfützenbildung ist möglich und zulässig.“

Schmitz thematisierte die erhöhten Überdeckungen bei Bitumenbahnen mit Polyestervlies-Einlage, Maßnahmen zur Verhinderung einer Überflutung von Türschwellen und die zwingend notwendige Berechnung der Entwässerungslösungen. Abschließend sprach er über Vorschriften für Fügeflächen von Flüssigkunststoff auf Tür- und Fensterelementen. „Aber Vorsicht. Lesen Sie unbedingt die Zulassungen der Hersteller, hier finden sich oft andere Zahlen“, warnte Schmitz.

Fest am Rand

Daniel Knaup, Sika, sprach über die Befestigungsvarianten für die Windsog- und Horizontalbefestigung bei Kunststoffbahnen. Die Vorgaben aus der Flachdachrichtlinie und der DIN schreiben bei Linienbefestigung drei Befestiger pro Meter, vier bei Einzelbefestigung vor. „Wir fordern in diesem Fall mehr als die Regeln, also auch hier: Beachten Sie die Herstellervorgaben.“ Knaup konkretisierte diverse Vorgaben, die in den Regeln nicht angesprochen werden, wie zum Beispiel die Kontraktionskraft, die von der Randbefestigung aufgenommen werden muss. Er zeigte Bilder von Schäden, die durch fehlerhafte Horizontalbefestigung entstanden sind: Teller in der Horizontale, falsches Anbringen der Schweißschnur oder schräges Anbringen der Schiene.

Warum hat der Bau Angst vorm Kleben?

Tim Klüsener, Innotec, bewarb die Klebetechnik für das Dachdeckerhandwerk, die im Industriesektor bereits an der Tagesordnung ist. Er sprach Unterschiede innerhalb einzelner Produktgruppen an und wies darauf hin, dass jedes Klebematerial spezielle Vorbereitung und fachliche Schulung braucht. Im Fassadenbereich ist die Klebung mit Zugfestigkeiten bis 208 N/mm² laut Klüsener mittlerweile das sicherste System. Matthias Große, Haushaut, plädierte für einen flexibleren Umgang mit dem Thema Dachrand: „Es muss nicht immer die vollflächige Abdeckung der Attika sein.“ Er zeigte Ausführungsbeispiele von Dachrandprofilen, die flexibel zu montieren sind, und wies dabei darauf hin, dass der Ausdehnungskoeffizient von Metall beim Einbau oft nicht ausreichend berücksichtigt wird.

Am eigenen Haus

Mit einem kurzen Vortrag über Nachhaltigkeit und DNGB-Labels ebnete Christian Deckert von Alwitra den Weg für den Vortrag seines Kollegen. Helmut Remmels stellte sein eigenes Bauvorhaben vor: ein Projekt mit Warmdachaufbau und hybrider Dämmung. Das 38° geneigte Steildach aus dem Jahr 1971 war ungedämmt, mit Asbestzement-Dachplatten gedeckt und hatte gemäß Statik nur 34 kg/m² Reserve für den neuen Dachaufbau. Durch die hybride Dämmlösung konnte Remmels Dicke und Gewicht reduzieren und hatte somit genügend Reserve für die Photovoltaik-Anlage. Er dichtete das Dach mit einer Kunststoffdachbahn ab und befestigte darauf Modultragprofile, die er in der alten, neu genagelten Schalung verschraubte. Die Berechnung erfolgte durch den Hersteller. Laut Fachregel dürfen Anlagen keine Kräfte und Lasten in die Abdichtung einleiten. Die verwendeten Profile aber tragen ihre Last durch die Verschraubung in die Konstruktion ab. Die Verschweißung dient nur der Dichtigkeit, erläuterte Remmels.

Sicherheit ist nicht verhandelbar

Oliver Müller, LuxTop, informierte über die Neuerungen der DGUV I 201-056, die von 24 auf 94 Seiten erweitert wurde. Seit 2013 gelten dauerhaft befestige Anschlageinrichtungen nicht mehr als PSA, sondern benötigen eine bauaufsichtliche Zulassung. Die Dachlandschaften haben sich geändert, somit gelten auch andere Anforderungen. Für die Planung der Sicherheitssysteme sind Häufigkeit und Dauer der zu erwartenden Begehungen wichtig. Alle Einrichtungen – auch Geländer – sind in verschiedenen Intervallen zu warten. Die Auswahl der Absturzsysteme ist abhängig davon, welche Personen – geschult oder ungeschult – wie oft auf der Dachfläche unterwegs sind. Müller wies darauf hin, dass Schulungen für Monteure (Stufe 1) und aufsichtsführende Personen (Stufe 2) sowie Montagedokumentation obligatorisch sind.

Verantwortlich für PV

Druckfrisch konnte Rolf Fuhrmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des ZVDH und Geschäftsführer des Bundesbildungszentrums des Deutschen Dachdeckerhandwerks e. V., das aktuelle Urteil des OLG Koblenz vorstellen. Dieses bestätigt, dass die Planung, Installation, Inbetriebnahme und Wartung von Photovoltaik-Anlagen Tätigkeiten zulassungspflichtiger Handwerke sind und daher grundsätzlich eine Eintragung in die Handwerksrolle voraussetzen. Über die zuvor erfolgte Anpassung des Abgrenzungsleitfadens von DHKT und DIHK hatten wir bereits berichtet.
Fuhrmann hob zugleich die gute und praxisgerechte Zusammenarbeit mit dem Elektrotechnikerhandwerk hervor. Durch eine klare Zuordnung der jeweiligen Tätigkeiten und eindeutig definierte Schnittstellen sei eine rechtssichere und partnerschaftliche Zusammenarbeit gewährleistet.


Damit Dachdeckerbetriebe die für ihre Arbeiten erforderlichen arbeitsschutzrechtlichen Kenntnisse mit elektrotechnischem Bezug besitzen und die Zusammenarbeit mit dem Elektrotechnikerhandwerk fachgerecht umsetzen können, ist eine entsprechende Unterweisung erforderlich. Diesem Bedarf trägt der inzwischen bundesweit etablierte Lehrgang zur elektrotechnisch unterwiesenen Person (EuP) Rechnung.

Porträt einer lachenden Frau mit Mikrofon vor hellem, neutralem Hintergrund. Sie trägt eine grüne Bluse und eine Brille, wirkt freundlich und spricht oder singt in Richtung Publikum. Das Bild vermittelt eine positive, kommunikative Stimmung und eignet sich für Themen wie Vortrag, Präsentation oder öffentliche Rede.
Anja Obermann begrüßte als Hausherrin die Teilnehmer des Dachtags. (Quelle: DDH)
Gruppenfoto einer Personengruppe (vorwiegend Männer) auf einer Bühne vor einer Projektionsleinwand mit ersichtlichen Sponsorenlogos; informelle Veranstaltungsszene, freundliche Stimmung und lässige Business-/Freizeitkleidung.
Die Gastgeber und ihre Referenten: Landesinnungsmeister Johannes Lauer, Tim Klüsener, Alexander Wolf, Matthias Große, Andreas Schmitz, Torsten Kleis, Schriftführer des LIV, Sven Reintjes, Rolf Fuhrmann, stv. Hauptgeschäftsführer des ZVDH, Andreas Unger, Geschäftsführer LIV, Marc Bischoff und Oliver Müller. (v. l.) (Quelle: DDH)
zuletzt editiert am 03. Juli 2026
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