Wärmedämmung: Anfang des 20. Jahrhunderts wurde im westfälischen Lünen eine Stadtvilla erbaut, die seither vielfältige Umbauten erlebt hat. 2026 entschied sich die Eigentümerin, die heute stark gegliederte „Dachlandschaft“ des Gebäudes sanieren zu lassen. Der Lünener Meisterbetrieb Janz Bedachungen empfahl den Einsatz eines kombinierten Zwischen- und Aufsparrendämmsystems mit nichtbrennbarer Steinwolle sowie eine diffusionsoffene Abdichtung und eine Dachdeckung mit integriertem Solarsystem.
Der Rückbau der vorhandenen Dacheindeckung und Dämmung sowie die Ausführung des neuen Dachaufbaus mit integrierter Photovoltaik-Anlage konnten innerhalb von rund 2.000 Arbeitsstunden erfolgreich abgeschlossen werden. Trotz der kalten und nassen Witterung im März und April 2026 stand das Gerüst gerade einmal acht Wochen. „Das ist immer gut für die Kundenzufriedenheit“, betont Dachdeckermeister Markus Janz. Die Zufriedenheit leide, wenn die Arbeiten länger als geplant dauern, selbst wenn es dafür gute Gründe gibt. Seine Mitarbeiter hätten hier großartige Arbeit geleistet, obwohl das komplexe Dach über dem Mehrfamilienhaus es ihnen „nicht leicht gemacht“ habe.
Jahrzehnte alte Dachlandschaft
Jahre nach dem Bau der ursprünglichen Stadtvilla war seitlich ein längerer Anbau ergänzt worden. Zum Garten hin wurde das Dach zusätzlich teilweise angehoben. Dabei entstand ein circa 35 Quadratmeter großes Flachdach. Darüber hinaus war in das Walmdach eine große Schleppgaube straßenseitig und eine kleine Satteldachgaube an einer schmalen Seite integriert worden. Einen alten Kamin, der nicht mehr in Gebrauch war, galt es abzutragen, einen jüngeren im Flachdachbereich zu sanieren.
Die Giebelseiten des Walmdachs wurden schon bei der Errichtung des Gebäudes angeschrägt. So entstanden vier Grate. Da auf der linken Seite das Flachdach über Teilen des Obergeschosses an das Walmdach stößt, ist hier der Grat etwas kürzer. Durch eine nachträglich geschaffene Dachterrasse entstand eine weitere Kehle zum Satteldach des Anbaus. Zusätzlich galt es, Dachfenster auf der Rückseite des Hauses und die Glasüberdachung eines Balkons sowie eine vorhandene Solarthermie in der Planung zu berücksichtigen.
„Im Grunde eine typische Situation, wie wir sie auf größeren Bestandsgebäuden mit langer Geschichte vorfinden“, urteilt Dachdeckermeister Markus Janz. „Die Abdichtung an den zahlreichen aufgehenden Bauteilen überall sauber anzuschließen und eine ästhetisch saubere Deckung zu realisieren, verlangt Erfahrung. Für die beteiligten Auszubildenden gab es hier einiges zu lernen.“ Alle Steildachsanierungen im Bestand würden Herausforderungen bereithalten, so der erfahrene Unternehmer, aber dieses Projekt sei noch einmal über das übliche Maß hinaus anspruchsvoll gewesen.
Kombination von Zwischen- und Aufsparrendämmung.
Die Komponenten für Dämmung und Abdichtung der insgesamt rund 300 Quadratmeter Steildachflächen stammen sämtlich aus dem „Meisterdach“-System von Rockwool. Dieses umfasst neben nichtbrennbaren Aufsparrendämmplatten aus Steinwolle abgestimmte Dichtfolien sowie spezielle Systemkleber und Klebebänder. „Seit es das ‚Meisterdach‘ gibt, setzen wir es immer wieder ein“, erklärt Janz. Mit drei möglichen Verlegevarianten für Neubau und Sanierung sowie einer Auswahl an Dämmplatten mit verschiedenen Eigenschaften könne das System ideal an die Anforderungen jedes Bauvorhabens angepasst werden. So kann es als reine Aufsparrendämmung realisiert werden oder – wie in Lünen – als Kombination von Zwischen- und Aufsparrendämmung.
Markus Janz bevorzugt in der Sanierung generell Lösungen mit mineralischen Dämmstoffen: „Ältere Gebäude sollten aus meiner Sicht nur mit diffusionsoffenen Materialien gedämmt und abgedichtet werden. Für Steinwolle spricht zusätzlich eindeutig ihre Nichtbrennbarkeit. Vor allem unter Solaranlagen bedeutet diese ebenso wie die große Festigkeit der ‚Masterrock‘ Aufsparrenplatten ein Plus an Sicherheit.“
Im Falle der Steildachsanierung in Lünen wurden zwischen den Sparren 120 Millimeter Dämmung eingebaut. Darauf wurde eine Dichtbahn ausgerollt und mit den vorbereiteten Klebeflächen in den Überlappungen luftdicht verschlossen. Zur Verklebung an den aufgehenden massiven Bauteilen und am Mauerwerk empfiehlt der Hersteller den zugehörigen Kartuschenkleber. Die Fugen zwischen Dichtbahn und Sparren werden von allen Seiten mit systemeigenem Klebeband abgedichtet.
Durch den Einsatz der Dampfbremse „RockTect Meditop“ entsteht während der Bauphase eine Behelfsdeckung gemäß Fachregeln. „Für meine Kunden bringe ich das immer auf einen einfachen Punkt“, sagt Janz. „Unser Dach ist während der Bauphase an jedem Abend, an dem wir die Baustelle verlassen, regen- und windsicher. Das ist den Kunden verständlicherweise sehr wichtig.“
Auf den Sparren wurde noch einmal 140 Millimeter hoch verdichtete, nichtbrennbare Aufsparrendämmung mit einer aufkaschierten diffusionsoffenen Unterdeckbahn im Verband verlegt. Sie erfüllt die Anforderungen gemäß dem Regelwerk des ZVDH und besitzt einen sd-Wert < 0,1 m. Die Platten besitzen eine extra harte Oberlage und eine Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(m·K). Die Kaschierung ist ebenfalls mit Selbstklebestreifen ausgerüstet. Mit einer diffusionsoffenen Spezialbahn zur Unterdeckung von First- und Kehlanschlüssen gelingt auch die Abdichtung am First, auf Graten und Kehlen selbstklebend leicht.
Zur Befestigung empfiehlt der Dämmstoffhersteller Doppelgewindeschrauben, die die Konterlattung, Dämmung und Dichtbahn durchdringen. Die Anzahl der benötigten Schrauben ermittelt der Bemessungsservice. Klebeband wird rückseitig auf die Konterlatten geklebt und dient als Perforationssicherung. Dort, wo die Schrauben die Kaschierung der Dämmung durchdringen, dichtet das Klebeband sie sicher gegen das Eindringen von Wasser ab. So entsteht erneut eine Behelfsdeckung gemäß Fachregeln.
Zentral für die feuchtetechnisch überzeugende Funktion des „Meisterdachs“ ist der Einsatz einer Luftdichtungsbahn mit einem sd-Wert von 0,5 m, die einen minimalen Tauwasserausfall in der Heizperiode sicherstellt. Bei einer üblichen Dämmdicke über den Sparren kann sie in einer Ebene über den Sparren verlegt werden. Sie ist luftdicht zu verkleben und an alle aufgehenden Bauteile ebenso luftdicht anzuschließen. Markus Janz betont: „Gerade dort, wo an die Gründerzeitvilla jüngere Anbauten anschließen, musste in allen Ecken und Winkeln die Dampfbremse so angeschlossen werden, dass die Dachkonstruktion zukünftig zuverlässig zu jeder Zeit abtrocknen kann.“



Moderne Ziegel – klassische Optik
Die Bauherrin wollte die ursprüngliche Ästhetik des Gebäudes mit seinen roten Dachziegeln erhalten wissen. Deshalb empfahl Markus Janz die Arbeit mit einem Doppelmuldenfalz-Ziegel rot engobiert in der Kombination mit den passenden PV-Modulen. Auf circa 50 Quadratmetern Dachfläche wurden 62 Module in die Dachdeckung integriert, die pro Stunde bis zu 5,7 kWh Strom erzeugen können. „Damit werden die gesetzlichen Vorgaben für ein Mehrfamilienhaus dieser Größe erfüllt“, erklärt Janz. Auch wenn Indach-Systeme noch teurer seien als aufgeständerte Module, empfehle er seinen Kunden aus voller Überzeugung in die Deckung integrierte Systeme.
Nichtbrennbare Steinwolle und integrierte PV-Module bleiben auch in naher Zukunft die Favoriten des Lünener Dachdeckermeisters. „Unsere Dächer überdauern Jahrzehnte“, betont Janz, „und deshalb sind wir es unseren Kunden schuldig, sie detailliert und umfassend zu den Merkmalen von Dämmstoffen, Deckungen und eben auch verschiedenen PV-Lösungen zu beraten. Funktionssicherheit und Ästhetik müssen immer Hand in Hand gehen.“
Matthias Becker




