Verklebung Bitumenbahn.
Auch die Verklebung mit Bitumen ist möglich. (Quelle: Eiserloh)

Flachdach

28. November 2022 | Teilen auf:

Windsogsicherung Flachdach: Klebeverbindungen mit PU

Windsogsicherung am Flachdach: Welche Menge an Klebstoff ist richtig, welche Untergründe müssen wie beschaffen sein? Jetzt mehr erfahren.

Klebstoffe sind multifunktional: Es können Dampfsperren, für die Verklebung geeignete Dämmstoffe, Kunststoff- sowie Polymerbitumen-Kaltselbstklebebahnen punkt-, streifenweise oder vollflächig auf der klebefähig vorbereiteten Unterlage mit unterschiedlichsten Klebstoffen aufgebracht werden. Für die Abdichtung mit Flüssigkunststoffen gilt ein vollflächiges Aufbringen, mit Einlage aus Kunststofffaservlies auf die vorbereitete Unterlage. Eine ausreichende Windsogsicherung gilt als lagesichere Verklebung, wenn die Verklebung nach den Tabellen der Fachregel für Abdichtungen ausgeführt und der Untergrund für die Verklebung als zweckmäßig überprüft wurde.


Für verklebte Abdichtungen muss der Untergrund ausreichend fest, tragfähig und klebfähig sein

Erforderlichenfalls ist eine Haftbrücke aufzubringen. Bei einer Kaltverklebung sind die Angaben der Hersteller zu beachten.

Die Klebefestigkeit jeder einzelnen Abdichtungslage oder Schicht muss in der Lage sein, die einwirkenden Windlasten lagesicher ableiten zu können. Diese Tabellen gelten für geschlossene Gebäuden bis zu einer Gebäudehöhe von 25 m und sichern erfahrungsgemäß ausreichend gegen Windsog. Darüber hinausgehende Gebäude, Gebäude in Hanglagen und Gebäude mit Innendruck bedürfen in jedem Fall eines Einzelnachweises.

Ein Einzelnachweis der Windsogsicherung ist in technischer Sicht vorrangig gegenüber den Tabellenwerten der Fachregel für Abdichtungen, Anhang I: Windsogsicherung von Dächern mit Abdichtungen mit einer Neigung kleiner 5°. Die Ergebnisse von Einzelnachweisen können von den Werten der Tabellen abweichen. Weitere für die Verarbeitung wichtige ergänzende Angaben zu dem Auftrag von Klebstoffen bezüglich deren Mengen, Klimabedingungen und Aushärtezeiten sind den jeweiligen Herstellerverlegevorschriften zu entnehmen. Bei Dämmstoffen, die auf oberseitig thermisch zu aktivierenden Bitumen-Dampfsperrbahnen verklebt werden, hat der Hersteller der Bitumen-Dampfsperrbahn die Eignung für diese Verklebung, die Anwendungsgrenzen und die aufnehmbaren Windsogkräfte anzugeben.

Bei der Verarbeitung von kaltselbstklebenden Bahnen, die mit einer unterseitigen Klebeschicht versehen sind, müssen diese die jeweiligen Windsogkräfte aufnehmen. Der Hersteller hat die Anwendungsgrenzen, insbesondere Temperaturgrenzen, und die aufnehmbaren Windsogkräfte anzugeben. Der Untergrund muss für eine Kaltselbstklebung geeignet und vorbereitet sein. Der Hersteller von kaschierten Hartschaum-Dämmplatten (Bitumenbahnen oder Aluminiumband) hat die Eignung für die Verklebung, die Anwendungsgrenzen und die aufnehmbaren Windsogkräfte der Kaschierung anzugeben.

Beispielhafte Angaben eines Herstellers zu der Abzugfestigkeit von Klebeverbindungen bezüglich seiner Bitumenbahnen:

Dynamische Abzugfestigkeit von Klebeverbindungen:

Dynamische Abzugfestigkeit von Klebeverbindungen:

  • auf bituminösem Untergrund 6.600 N/m² (673,00 kg/m²)
  • auf Stahlprofilblech-Untergrund 3.900 N/m² (397,68 kg/m²)
  • vollflächige Verklebung mit Heißbitumen 11.000 N/m² (1.121,67 kg/m²)
  • Zum besseren Verständnis: 1.000 N entsprechen etwa 100 kg, genau genommen 101,97 kg

Sorgfalt bei Aluminiumband- einlage

Vorsicht bei der Verlegung von Dampfsperren mit Aluminiumbandeinlage (V 60 S4 Al, G 200 S4 Al etc.) und Deckschichten aus Oxydationsbitumen bei kühlen Temperaturen und Windsogsicherung durch Verklebung. Die Klebehaftung der Oxydationsbitumen auf dem Aluminiumband ist bei kühlen Temperaturen äußerst gering, wie der ein oder andere in seiner täglichen Baustellenpraxis bereits – durch abplatzende Bitumenmasse – erfahren hat. In diesen Fällen ist wegen der wesentlich besseren Klebehaftung die Verlegung einer Dampfsperre mit Aluminiumband und Polymerbitumen-Deckmasse empfehlenswert.

Besondere Vorgehensweisen bei Verklebung mit PU-Klebstoffen

Die Hersteller der Klebstoffe geben die allgemeinen Verarbeitungsbedingungen wie Mindestverarbeitungstemperatur, klimatische Gegebenheiten, maximale Verarbeitungstemperatur, Mindestluftfeuchtigkeit, aufzutragende Menge, offene Zeit, Haltbarkeitsdatum etc. und die Aushärtezeit, bevor auf den verklebten Dämmplatten weitergearbeitet werden kann, auf den Gebinden an. Werden alle angegebenen Parameter eingehalten, steht einer ausreichenden Windsogsicherung – vorausgesetzt der Untergrund ist ebenfalls klebefähig – in der Regel bis maximal 25 m Gebäudehöhe durch Verklebung nichts mehr im Wege. Darüber hinausragende Gebäude benötigen einen Einzelnachweis und zusätzliche mechanische Fixierungen oder Auflasten. Gleichwohl hat der Ausführende vor Ort einige sich gegebenenfalls ergebende Probleme zu berücksichtigen. Hausinterne Versuche eines Herstellers von Abdichtungsmaterialien bei der Verklebung von Dämmstoffen mit PU-Kleber haben gezeigt, dass ein zu frühes Begehen der Wärmedämmung – während der Aushärtezeit – zu einer weitestgehenden Unterbrechung und fehlerhaften Klebeverbindung beiträgt. Mit der Zugabe von Feuchtigkeit kann die Kleberreaktion vorab gesteigert werden.

Angaben der Parameter für die Verklebung mit PU-Klebern und Bitumenkaltklebern

Praxisbeispiel: Frage: Wie vermittelt man seinen Mitarbeitern den Auftrag der richtigen Klebermenge vor Ort?

Antwort: Sinnvollerweise durch einen Probeauftrag am Lager oder an der Baustelle, denn nur so ist sichergestellt, dass eine ausreichende und kalkulierte Klebermenge aufgetragen wird. Einige Beispiele zu den unterschiedlichen Angaben der Parameter für die Verklebung mit PU-Klebern und Bitumenkaltklebern:

Es muss sich ein gleichmäßiger Klebstoffstrang von 8 mm Durchmesser ausbilden, empfohlene klimatische Bedingungen +15 °C bis +25 °C, maximal 40 °C, mindestens 45 % relative Luftfeuchtigkeit, höhere Temperaturen können dazu führen, dass Kleber in der Fläche verläuft und keine Haftung erfolgt.

Je nach Windsogberechnung nach DIN EN 1991-1-4 zum Beispiel drei Streifen à 25 ml je Meter Raupe

Frühestens nach zwei Minuten, spätestens nach acht Minuten die Dämmplatte andrücken, nicht klopfen oder abnehmen und wieder neu ansetzen, bei höherer Temperatur/Luftfeuchtigkeit reduziert, bei niedriger Temperatur/Luftfeuchtigkeit erhöht sich diese Zeit entsprechend.

Die Kleber haben praktisch keine Anfangshaftung und müssen während der Abbindezeit gegen Windsog gesichert werden.

PU-Kleber mit circa 40 g/m und entsprechender Streifenanzahl aufbringen

Kaltbitumen-Kleber mit circa 100 g/m und Streifen verkleben

Kaltbitumen-Kleber ab +10 °C bis +30 °C (die Untergrundtemperatur darf nicht unter 5 °C sein) verarbeitbar, auf keinen Fall bei Frost. Die Hautbildung des Bitumenklebers erfolgt nach etwa 60 Minuten (Abhängig von Luftfeuchtigkeit und Temperatur). Die Trocknung erfolgt nach circa 24 bis 48 Stunden. Werden Bitumendachpappen untereinander verklebt, kann die Trocknung drei bis vier Wochen dauern.

Angaben aus den Fachregel für Abdichtungen bezüglich des genügenden Auftrags von Heißbitumen: Bei Verwendung von Heißbitumen sind im Innenbereich (I) 10 %, im Innenrandbereich (H) 20 %, im Randbereich (G) 30 % und im Eckbereich (F) 40 % der Fläche zu verkleben.

Welches Windsogsicherungsystem ist denn nun das Richtige?

Die Entscheidung für das richtige Windsogsicherungssystem wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Bereits in der Planungsphase wird ziemlich frühzeitig deutlich, welches System zum Einsatz gelangt. Die Vorstellungen des Bauherrn etwa einer Begrünung, wirtschaftliche Gesichtspunkte einer möglichst kostengünstigen Lösung sowie vor allem das technisch Praktikable (etwa statische Beschränkungen) bringen hier die abschließende Entscheidung. Mithilfe von Gebäudegeometrie und den örtlichen Gegebenheiten kann bereits während der Planungsphase eine Windsogberechnung ausgeführt werden. Diese Berechnung offenbart sodann die Anzahl der Befestiger, die Klebstoffmengen, die Schüttdicken gängiger Auflasten oder auch das relevante Trockengewicht von Begrünungssubstraten.

Klebeverbindungen: Tipps für die Baustelle:

  • Haltbarkeitsdatum: Ist der Kleber noch tauglich oder ist gegebenenfalls das Haltbarkeitsdatum abgelaufen?
  • Mindestverarbeitungstemperatur: klimatische Gegebenheiten, Hitze, Kälte
  • Klebefähigkeit des Untergrunds: Walzfette auf Stahltrapezprofilen, Talkumpuder oder Besandung auf den zu verklebenden Unterlagen entfernen
  • Klebefähigkeit des Untergrunds: Walzfette auf Stahltrapezprofilen, Talkumpuder oder Besandung auf den zu verklebenden Unterlagen entfernen
  • heißer Sommer: sehr trocken, fehlende Luftfeuchtigkeit, beispielsweise Feuchtigkeit mittels Gartenspritze zuführen. Kleber benötigt zur Reaktion entsprechende Feuchtigkeit.
  • Aufschäumverhalten: Wann können die Platten frühestens in den Kleber verlegt werden?
  • „Offene“ Zeit: Wie lange können die Dämmplatten in den Kleber verlegt werden? Abbinden der äußeren Kleberschicht
  • Verarbeitung: gleichmäßiger und genügender Klebeauftrag nach Fachregel bzw. Herstellervorgabe, Dicke, Gewicht, Volumen des Klebstoffstrangs
  • Aushärtezeit: Wann können die Dämmplatten frühestens belastet, begangen werden? Unterschiede je nach Hersteller, Dicke des Kleberauftrags sowie Witterung, teilweise bis zu zwölf Stunden

Hans-Peter Eiserloh

zuletzt editiert am 28.11.2022