Mehr und mehr kehrt die alte Handwerkskunst der Bleiverarbeitung zurück an die historischen Bauwerke. Vom Dachhandwerker wird dabei überdurchschnittliche Geschicklichkeit verlangt. Wir beschreiben die Arbeiten am Kirchturm von St. Josef in Koblenz, wo bewährte Techniken angewandt wurden.
Viele Jahrzehnte wurden Maßnahmen zum Substanzschutz von Natursteinen vernachlässigt oder unsachgemäß mit Dünnblechen und Silikonabdichtungen ausgeführt. Erst erhebliche Schäden in immer kürzeren Zeitabständen haben dazu geführt, die alte, viele Jahrzehnte überdauernde Bleideckung wieder zu entdecken. Besonders in England ist diese Handwerkskunst noch weit verbreitet und längst etabliertes Leistungsgut in dieser besonderen Bausparte.
Diskrepanzen gibt es hierzulande noch häufig zwischen den Fachplanern und dem historischen Denkmalschutz wegen optischer Veränderungen an der Bausubstanz, die nicht selten zur Ablehnung führen. Eindringende Feuchtigkeit in die Bausubstanz, Verschmutzungen durch Tauben, Ablagerungen wie Moose und Flechten zeigen nach vielen Jahren ihre Wirkung.
Kommt man zum Konsens der Interessen, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, Walzblei regelkonform und gleichzeitig individuell kunstvoll auf allen erdenklichen Untergründen, Steinformen, Ornamenten oder Silhouetten durch handwerkliches Geschick anzuformen. Allerdings bedarf es für die perfekte Bleiverarbeitung eines sehr langen und geduldigen Ausbildungsweges.
Bleiklempnerei ist ein Spezialgebiet
Zahlreiche Arbeitsproben sowie die Anwendung spezieller Werkzeuge zur Material schonenden Bearbeitung gehören zum Rüstzeug eines guten Handwerkers. Anders als bei den meisten anderen Arbeitsgebieten der Klempner und Dachdecker ist die Bleiklempnerei ein Spezialgebiet, das nur von Fachkräften ausgeführt werden kann, die sich mit der Materie intensiv auseinandersetzen. Überdurchschnittliche Geschicklichkeit sowie ein Gefühl für die Verformung beim Treiben, Stauchen und Schweißen der Walzbleiprofile müssen bei den Handwerkern vorhanden sein und diese Arbeiten müssen dann auch regelmäßig praktiziert werden.
Zu einer perfekten Bleiverarbeitung gehört natürlich auch das Bleischweißen. Dies wird mit Walzbleistreifen als Lot, einem speziellen Schweißgerät und einem Schweißgasgemisch ausgeführt. So entstehen im Gegensatz zum Weichlöten materialgerechte, absolut homogene und stabile Nahtverbindungen. Abgeschlossen werden diese Arbeiten mit Bleifugen im Mauerwerk oder Putz. Die hoch verdichtete Bleiwolle in den Fugen ist bei fachgerechter Ausführung absolut wartungsfrei im Gegensatz zu dem leider bei Nichtfachleuten beliebten "Silikonwahnsinn".
Auch an dem Glockenturm der St. Josef-Kirche in Koblenz wurde im Vorfeld intensiv über die Notwendigkeit der Bleiabdeckung diskutiert. Überdeutlich ließen sich die Witterungseinflüsse der letzten Jahrzehnte ablesen. Die vorhandene Bleiabdeckung war mit sehr aufwändig in den Stein eingearbeiteten Haftprofilen aus verzinkten Bandeisen befestigt. Wegen unzureichender Verarbeitung des Bleis und der Fugen waren die Abdeckungen nicht mehr funktionstüchtig. An den Spuren der alten Befestigungen war auch zu erkennen, dass Korrosion in solch extremen Freilagen eine andere Rolle spielt. So waren alle verzinkten Bandeisen mehr oder weniger stark von Rost befallen (siehe auch Kasten: Materialverträglichkeit). Verstärkt waren diese Schäden auf der Wetterseite (Hauptwetterrichtung) vorhanden.
Fachwissen einbeziehen
Bei der Planung solcher Arbeiten empfiehlt es sich, Fachwissen mit einzubeziehen, um zu vermeiden, dass die ersten Fehler bereits in der Leistungsbeschreibung bestehen.
Das bauleitende Architektenbüro katalogisierte die Turmfassade in Gerüstetagen, so dass eine Zuordnung der dahinter liegenden Steingesimse äußerst übersichtlich gegeben war.
Unumgänglich sind Fotos oder Zeichnungen zur Darstellung der Steinformen, um dem Anbieter den Schwierigkeitsgrad der Arbeiten unmissverständlich darzulegen. Auch ist der Bieterkreis bei umfangreichen Arbeiten auf Spezialisten mit entsprechenden Referenzen zu begrenzen. Nicht selten wird die Bleiklempnerei auch von erfahrenen Klempnern unterschätzt.
Eine ausführliche Leistungsbeschreibung ist Voraussetzung für die kalkulatorische Umsetzung der durchzuführenden Arbeiten. Hierin einzubeziehen sind die Beschreibungen der Zuschnitte, Formen der Untergründe, Trennlagen, eventuell die Unterteilungen der Profile; insbesondere die Hafte (die unsinnigerweise nach unserem Regelwerk auch mit verzinkten Blechen ausführbar sind).
Richtige Bleidicke wählen
Ebenfalls lückenhaft ist unser Regelwerk bezüglich der sinnvollen Materialdicken von Walzbleideckungen, -abdeckungen und Haften. So wird für die Walzbleidachdeckung eine Materialdicke von 2,25 Millimeter gefordert. Für Walzbleiabdeckungen besteht weder bezüglich der Abgrenzung (wann hört eine Abdeckung auf, wo beginnt die Eindeckung?) noch bezüglich der Bleidicke eine Forderung. Dies führt oftmals dazu, dass zu dünne Bleibleche verwendet werden. Auch die Haftbleche bedürfen einer besonderen Stabilität, nicht nur für die Lagensicherheit der Bleche sondern auch hinsichtlich der Bearbeitung durch hammerschlägiges Treiben des Bleis um die Haften.
Lothar Henzler
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 11/2010.