Eine große Gruppe von Menschen sitzt in einem Konferenzraum und hört einem Vortrag zu.
Der Fachtechnische Tag des Dachdecker-Verbands Nordrhein ist regelmäßig „ausverkauft.“ (Quelle: DDH)

Markt 2026-04-24T08:49:46.050Z Qualitätssicherung liegt beim Dachdecker

Ratingen: Der Fachtechnische Tag des Dachdecker-Verbands Nordrhein hat mit 260 Teilnehmern erneut seine hohe Anziehungskraft bewiesen. Ein stark besetztes, praxisnahes Programm und intensive Fachgespräche, die bei den Teilnehmern auf großes Interesse stießen, machten die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg. Im Mittelpunkt standen aktuelle technische Fragen, neue Regelwerke und konkrete Lösungen für den betrieblichen Alltag, allen voran die neue Flachdachrichtlinie.

Über die Entwicklung der Gefahrstoffverordnung nach dem Nationalen Asbestdialog referierte Philip Witte, Referent Technik und Kommunikation des ZVDH. Sie fordert vom Auftraggeber einen Nachweis, dass Arbeiter vor potenziellen Gefahrstoffen geschützt sind. Informationen muss der Bauherr bereitstellen oder mit zumutbarem Aufwand beschaffen. Auftragnehmer prüfen diese und veranlassen bei Unklarheiten ergänzende Untersuchungen – die Haftung geht dabei vom Auftraggeber auf den Handwerker über. Der ZVDH bietet ein Download-Dokument zur Sanierung problematischer Abfallstoffe. Schutzmaßnahmen bei Arbeiten mit Asbest basieren zukünftig auf der modularen Bewertung der neuen TRGS 519.

Zwei Männer stehen vor einer Präsentationsfolie während eines Business-Vortrags.
Durch den Tag führte Franz-Josef Rossbroich, der die Veranstaltung souverän und pointiert moderierte. Er kündigte auch Philip Witte (r.) an. (Quelle: DDH)

Flüssigkunststoffe: Klare Standzeiten (W1 bis W3)

Flüssigkunststoff-Abdichtungen und -Beschichtungen sind bereits seit über 35 Jahren erfolgreich im Einsatz, wusste Dachdeckermeister Franz-Josef Rossbroich. Er bewies es anhand eines Fotos des Sachverständigen-Kollegen Sven Könsen. „Wissen über Materialeigenschaften und geschulte Mitarbeiter sind da unabdingbar“, mahnte Rossbroich. FLK werden nach Verarbeitung oder nach Chemie und Bindemittel typisiert. Sicherheit spielt bei der Verarbeitung eine zentrale Rolle. Er stellte die verschiedenen Merkmale und Risiken einzelner Systeme heraus.

Die Qualitätssicherung liegt beim Verarbeiter; bei Generalisten wie Dachdeckern kann dies problematisch sein, so der Sachverständige. Wichtig ist, Dokumentationen zu erstellen, da fehlende Unterlagen häufig bei Problemen auffallen. Hier sind Strafen bis 3.500 Euro bei Verstößen möglich.


Ein Vorteil der FLK-Systeme liegt darin, dass sie klare Standzeiten (W1 bis W3) bieten. Schäden resultieren meist durch Einfluss von Umwelttemperaturen, mangelhafte Schulung und unzureichend vorbereitete Untergründe: „FLK haften physikalisch, deswegen ist ein Anrauhen glatter Oberflächen obligatorisch.“

Flachdachrichtlinie im Kontext der DIN 18531: Muss oder soll?

Thomas Sobireg, Dachdecker- und Klempnermeister, beleuchtete die neue Flachdachrichtlinie im Kontext der DIN 18531. Er behandelte wesentliche Neuerungen und Problemfelder. Während die DIN oft „sollte“ formuliert, wird in der FR eine verbindlichere Sprache wie „muss“ oder „soll“ verwendet, aus Sicht des Sachverständigen ein Vorteil für Verarbeiter. Wesentliche Änderungen betreffen den Wegfall von Anwendungs-, Eigenschafts- und Einwirkungsklassen. In der DIN werden aufgeklebte oder integrierte PV-Anlagen nicht mehr thematisiert. Die Fachregel hingegen sieht Lösungsmöglichkeiten vor, warnt jedoch vor Konfliktpotenzial im Schadensfall. Die dazugehörigen Abbildungen visualisieren den Text, sind nicht als technische Zeichnungen zu verstehen.


Einen Pluspunkt sieht Sobireg in der neuen, klaren Definition des Begriffs der Behelfsabdichtung, die nun nach planerischen Vorgaben erfolgen muss. Klare Vorgaben bezüglich Gefälle, barrierefreien Anschlüssen, Inspektionsintervallen und Wartungspflichten sind ebenfalls zentrale Themen.
Planungsdetails von barrierefreien Anschlüssen müssen frühzeitig mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Sobireg bestätigte, dass viele Fehler durch mangelhafte Untergrundvorbereitung entstehen. Missachtung von Gefällevorgaben oder unzureichende Abstimmungen mit Fensterbauern bei Anschlussdetails sind weitere Problempunkte.

Nachweisfreie Bauteile wurden alle simuliert

Bernd Redeker, Referent Technik des ZVDH, sprach über die nachweisfreien Konstruktionen mit der klaren Vorgabe: „Bitte schalten Sie Ihr Hirn nicht aus. Die nachweisfreien Bauteile wurden alle simuliert. Sie sind eine Hilfe, müssen aber auch für Ihr Bauvorhaben verifiziert werden.“ Eine Überprüfung der alten Wärmedämmung bzw. Innenbekleidung ist zwingend notwendig. Auch die Farbe der Eindeckung ist zu beachten, so Redecker. Mit Blick auf Gründächer warnte der Dachdeckermeister vor der Verwendung von PVC-Bahnen, die einen zu geringen sd-Wert aufweisen. Alle Konstruktionen mit geringem Fehlertoleranzbereich (orange markiert) sollten mit besonderer Vorsicht behandelt werden.

Schäden an Scharen

Thomas Sobireg betrat erneut die Bühne für den abschließenden Vortrag über Schäden an Metalldächern. Mithilfe einer Bilderstrecke aus seiner Tätigkeit als Sachverständiger kommentierte er die Schadensfälle. Der Anspruch an die in der Regel hochpreisigen Metalldächer ist höher als bei anderen Materialien. Entsprechend mehr Sorgfalt ist nötig. Man muss Erfahrung mitbringen und passendes Werkzeug haben. Sobireg empfiehlt, möglichst immer belüftete Unterkonstruktionen für Metalldächer zu wählen. „Ich habe gerade vier Verfahren am Laufen, die alle simuliert wurden, aber nicht funktionieren, weil Verschattung nicht berücksichtigt wurde.“ Ein weiteres unterschätztes Problem sieht der Dachdecker- und Klempnermeister in der Missachtung der themischen Längenänderung von Metallscharen.
Des Weiteren rät er dringend davon ab, PV-Anlagen nachträglich auf nicht selbsttragenden Metalldächern zu montieren. Fotos von Schadensfällen beweisen, wie verletzungsanfällig die Scharen bei nachträglicher Montage sind. Dazu sind sie in der Regel hierfür nicht windsogsicher befestigt. Auch die dadurch entstehende Verschattung kann bauphysikalische Probleme hervorrufen.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 05. 2026.

Ein Vortragender hält einen Vortrag vor einer Projektionsfläche, auf der technische Details gezeigt werden.
Thomas Sobireg: „Wenn einer auf die Baustelle kommt und redet noch von K1 oder K2, wisst ihr sofort, der hat keine Ahnung.“ (Quelle: DDH)
Ein Mann hält einen Vortrag und trägt ein Mikrofon am Ohr.
„Es ist nicht alles Gold, was simuliert wird“, überschrieb Bernd Redecker seinen Vortrag. (Quelle: DDH)
zuletzt editiert am 24. April 2026