Friedrich Merz und Hermann Vogt sprachen über die Rohstoffpreise. Quelle: DDH
Diskutierten über die gestiegenen Rohstoffpreise: Friedrich Merz und Hermann Vogt (r.) Quelle: DDH

Markt

16. July 2021 | Teilen auf:

Leichte Erholung in Sicht

Rohstoffpreise: Die Holzpreise explodieren, was macht das mit unserem Handwerk? lautete das Thema einer Veranstaltung der CDU Arnsberg. Dachdeckermeister Hermann Vogt gab Einblicke in sein Unternehmen. Gastredner Friedrich Merz schlug den Bogen von der globalen Politik bis zum Mittelstand – und machte den Dachdeckern etwas Hoffnung.

Trockenheit, Stürme, Borkenkäfer und dann noch die Überschwemmungen – der deutsche Wald hat mehrere Probleme. Industrie und Dachdecker leiden unter den stark gestiegenen Preisen für Bauholz, während gleichzeitig der Export von Holz kräftig anzieht, vor allem Richtung China. Wie sehr die steigenden Rohstoffpreise die Dachdecker belasten, haben wir ausführlich in DDH 07 und 08.2021 sowie auf ddh.de erläutert.
Doch obwohl aktuell vor allem die Holzpreise fallen, ist die Situation an den Rohstoffmärkten immer noch angespannt. Und somit für die Dachdecker immer noch teilweise sehr problematisch. Dachdeckermeister Hermann Vogt aus Arnsberg äußerte sich bereits in DDH 07.2021 ausführlich zum aktuellen Thema. Vogt nutzte seine Beziehungen zum Bundestagsabgeordneten Friedrich Merz und lud, gemeinsam mit der CDU Arnsberg, zu einer Veranstaltung ein. Gäste aus Politik, Handwerk und Wirtschaft ließen sich auch vom Starkregen nicht abhalten und kamen zum Firmensitz von Vogt nach Hüsten/Arnsberg.

Rohstoffpreise: Abhängigkeit von China

Friedrich Merz ging gleich auf das Thema Rohstoffkrise ein: „Die Wälder liegen voller Borkenkäferholz, und dazu kommen noch die explodierenden Preise. Der amerikanische Häusermarkt und die chinesische Rohstoffindustrie bestimmen mittlerweile die Holzpreise im Arnsberger Wald mehr als die holzverarbeitende Industrie in unserer eigenen Region“, sagte Merz.

Fritz-Marius Sybrecht, Hauptgeschäftsführer des Innungsverbandes des Dachdeckerhandwerks Westfalen, als aufmerksamer Zuhörer. Quelle: DDH
Warnte vor zu viel Abhängigkeit von China: Friedrich Merz. Quelle: DDH

Der CDU-Politiker kritisierte die wirtschaftlichen Interessen in vielen Bereichen. „Doch das Problem der Holzpreise können wir so schnell auch nicht ändern. Wir haben uns in unserer Volkswirtschaft von China zu abhängig gemacht und jahrelang auf einen Player gesetzt“, kritisierte Merz. „Deutschland war jahrelang zu naiv mit dieser Staatsmacht. Das hat auch Corona gezeigt. Wir hatten keine Masken, keine Impfstoffe. Zum Beispiel gibt es in Europa nur noch ein Penicillin-Werk und das steht in Österreich. Ich warne davor, dass wir zu sehr anderen Staaten vertrauen. Allerdings ist die Rohstoffknappheit seit Jahren schon ein Problem, das trifft die Handwerker jetzt brutal“, so Merz.

Holzpreise verhageln die Bilanz

Hermann Vogt gab einen kurzen Einblick in sein Unternehmen. Der Meisterbetrieb (seit 1910) beschäftigt mittlerweile fast 50 Mitarbeiter und muss - wie viele Dachdecker - schon Aufträge ablehnen, so stark ist die Nachfrage seit Monaten. „Uns geht es wirtschaftlich sehr gut. Leider haben uns die explodierenden Rohstoffpreise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das geht so weit, dass wir froh sein müssen, wenn wir am Ende des Jahres eine schwarze Null stehen haben."

Die Preiserhöhungen liegen zwischen 100 und 300 %. „Das Deckmäntelchen der höheren Gewalt zieht einfach nicht mehr. Ob Wintereinbruch oder der Rückgang von Kerosin: Es gibt immer wieder Ausreden der Lieferanten, das können wir langfristig nicht mehr auffangen“, ergänzte Vogt. Hinzu kommt, dass die Holzpreise durch die Sägewerker in die Höhe getrieben werden (siehe auch Leserbrief von DDM Vogt, DDH 07.2021). Das ehemalige Vorstandsmitglied des Innungsverbands Westfalen kitisierte auch das Bunkern von Holz, diese Entwicklung sei ebenfalls nicht akzeptabel.

Alternativen zur Fichte

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es auch in der Holzindustrie und bei den Sägewerken eine zunehmende Konzentration gibt. Es wird künftig wohl im Baubereich weniger Holz zur Verfügung stehen.

Etwas Optimismus gab Friedrich Merz den Gästen mit auf den Weg: „Wir werden langsam eine Beruhigung der Märkte sehen. Es wird aber noch eine Weile dauern. Generell können wir erkennen, wie komplex die Weltwirtschaft funktioniert. Wir brauchen künftig andere Lösungen, und auch im Sauerland sollte man nicht nur Fichten anpflanzen dürfen“, betonte Merz.