Digitalisierung: Viele Dachdeckerbetriebe testen KI – und ärgern sich über mittelmäßige Ergebnisse. Dabei liegt dies nicht nur an ChatGPT, sondern auch an der Fähigkeit, der KI präzise zu sagen, was sie tun soll. Wer lernt, klare Prompts zu formulieren, macht aus einem Spielzeug ein echtes Arbeitswerkzeug für den Handwerksalltag.
Bei dem Einsatz von KI zeigt sich schnell: Die Ergebnisse sind nur so gut wie die Anweisungen, die man der KI gibt. Genau hier setzt Prompting an. Wer als Dachdecker versteht, wie man effizient und strukturiert mit ChatGPT & Co. arbeitet, erhält deutlich präzisere, nützlichere Ergebnisse und spart Zeit.
Was ist ein Prompt?
Ein Prompt ist die Eingabe, mit der du der KI sagst, was sie tun soll. Das kann ein einzelner Satz sein („Formuliere eine kurze Info-Mail“) oder eine detaillierte, präzise Anleitung mit Rolle, Ziel, Ton, Format und Einschränkungen.
Je klarer, vollständiger und kontextreicher ein Prompt ist, desto besser fällt die Antwort aus. Eine KI „rät“ nicht – sie berechnet Wahrscheinlichkeiten. Wenn du ihr sagst, wer sie sein soll, für wen sie schreibt und wie sie antworten soll, werden die Ergebnisse sofort professioneller.
Was ist ein Prompt-Framework?
Ein Prompt-Framework ist eine feste Struktur für gute Prompts – vergleichbar mit einer Checkliste. Statt jedes Mal neu zu überlegen, nutzt man eine definierte Reihenfolge. Das macht Prompts reproduzierbar, sicherer und qualitativ deutlich besser.
Bewährtes Grund-Framework (für ChatGPT, Custom GPTs & Co.)
1. Rolle
Wen soll die KI spielen? Zum Beispiel: erfahrener Handwerksmeister, professioneller Texter, Spezialist für energetische Flachdachsanierung, VOB/B-Experte, HR-Assistent, Marketingprofi?
2. Ziel
Was soll herauskommen? Ein Entwurf, eine Analyse, ein Textbaustein, eine Liste oder ein konkreter Plan?
3. Zielgruppe
Für wen ist der Inhalt gedacht? Privatkunden, Gewerbekunden, Azubis oder Mitarbeitende?
4. Format / Struktur
Wie soll der Output aufgebaut sein? Absätze, Stichpunkte, Tabelle, PDF, HTML-Seite oder Programmcode?
5. Ton / Stil
Sachlich, nahbar, technisch, locker oder präzise?
6. Einschränkungen
DSGVO-konform (keine personenbezogenen Daten), Fachsprache ja/nein, maximale Länge, nur Fakten, keine Emojis.
7. Kontext / Inhalt
Konkrete Stichpunkte, Baustellendetails, Servicebeschreibungen, typische Probleme, Ziele, relevante Normen, Vorschriften oder Hintergrundwissen.
Mit dieser Struktur ist ein Prompt klar, vollständig und ergebnisorientiert.
Beispiel für einen guten Prompt
„Du bist ein Marketingtexter für einen Handwerksbetrieb. Ziel: Social-Media-Post. Zielgruppe: Privatkunden. Thema: Reinigung von Dachabläufen. Format: 3 kurze Absätze, 5 Hashtags, Call-to-Action. Ton: fachlich, freundlich. Einschränkungen: keine echten Daten. Kontext: Herbstbeginn, viel Laub, Hinweis auf professionellen Service.“
Der Unterschied zum einfachen „Schreib mal einen Post“ ist erheblich.
Welche Prompt-Engineering-Techniken sind sinnvoll – und warum?
1. Rollenvergabe („Role Prompting“) – maximale Qualität
Gibst du der KI eine klare Rolle, agiert sie mit passendem Fachwissen und Ton. Ein „Marketingprofi“ schreibt anders als ein „HR-Sachbearbeiter“. Das erhöht Relevanz, Stiltreue und Präzision deutlich.
2. Few-Shot Prompting – mit Beispielen arbeiten
Du kannst der KI Beispiele geben, die zeigen, wie das Ergebnis aussehen soll: „Beispiel 1 (gut): … / Beispiel 2 (schlecht): … / Formuliere bitte nach Stil von Beispiel 1.“ Die KI erkennt Muster und übernimmt deinen gewünschten Stil.
3. Schritt-für-Schritt-Denken („Chain of Thought light“)
Statt direkt nach der Lösung zu fragen, kannst du schreiben: „Gehe die Aufgabe Schritt für Schritt durch und fasse das Ergebnis kompakt zusammen.“ Das führt zu logischeren, strukturierteren und fehlerärmeren Antworten.
4. Grenzen setzen und Format vorgeben
Maximale Länge, Fachsprache ja oder nein, nur Stichpunkte, keine Emojis – klare Vorgaben machen die Ergebnisse präziser und besser steuerbar.
5. Varianten erzeugen („Tree of Thought“)
Lass dir mehrere Lösungen erstellen: „Erstelle drei Varianten. Bewerte sie hinsichtlich Zielerreichung und wähle die beste aus.“ So kommst du schneller zu einer optimalen Lösung.
6. Prompt-Iterationen – gemeinsam zum Ziel
Statt den ersten Entwurf zu übernehmen, kannst du gezielt nachschärfen:
„Mach es technischer.“ „Erkläre es kundenfreundlicher.“ „Kürze den Text um 30 %.“
So entwickelst du das Ergebnis Schritt für Schritt weiter.
7. Meta-Prompting – die KI optimiert deinen Prompt
Wenn du unsicher bist, lass dir helfen:
„Verbessere meinen Prompt für bessere Ergebnisse. Ziel: Social-Media-Post. Hier ist mein Prompt: …“
Oder: „Verbessere meinen Prompt. Ziel: Situation deeskalieren und einen lösungsorientierten Ansatz entwickeln.“
Warum diese Techniken so wirkungsvoll sind
KI ist keine Magie. Sie arbeitet nur so gut, wie sie geführt wird. Gute Prompts:
- liefern schneller brauchbare Ergebnisse
- reduzieren Nachbearbeitung
- minimieren Fehler
- sorgen für konsistenten Stil
- machen KI zu einem echten Assistenten
- steigern die Effizienz spürbar
Fazit
Prompting ist keine Kunst, sondern Handwerk: klare Struktur, saubere Rollenbeschreibung, vollständiger Kontext, gute Beispiele und präzise Vorgaben – immer DSGVO-konform.
Wer das beherrscht, verwandelt ChatGPT vom „netten Tool“ in einen echten Produktivitäts-Booster für den gesamten Betrieb. Sitzt die Basis, werden alle weiteren KI-Anwendungen schneller, besser und deutlich leichter steuerbar – egal ob beim Schreiben, Planen oder Automatisieren.
