Der aktuelle Krieg im Nahen Osten und die darauf beruhende Gefahr für die weltweite Energieversorgung zeigt die ersten finanziellen Folgen auch im Dachdeckerhandwerk. Durch die Blockade der Straße von Hormus, der weltweit wichtigste Engpass für Erdöl- und Flüssigerdgas-Exporte, sind die Folgen des Krieges an den Zapfsäulen zu spüren. Experten gehen davon aus, dass die hohen Energiepreise zunächst so bleiben werden.
Für Dachdeckerbetriebe gehört Mobilität zum Alltag. Ob Anfahrt zur Baustelle, Transport von Material oder kurzfristige Einsätze bei Sturmschäden – ohne Fahrzeuge läuft kein Auftrag. Genau deshalb treffen steigende Spritpreise diese Branche besonders hart. Wenn Diesel und Benzin deutlich teurer werden, steigen die Kosten unmittelbar mit jeder Fahrt.
Preissteigerungen rechtssicher an Kunden weitergeben
Dennoch gibt es durchaus Dachdecker, die bereits seit Jahren auf Lastenräder - mit oder ohne E-Antrieb - setzen.
Vor diesem Hintergrund möchten wir auf die Möglichkeit aufmerksam machen, wie Dachdeckerbetriebe unvorhergesehen Preissteigerungen rechtssicher an ihre Kunden weitergeben können.
Um auf steigende Kraftstoffpreise zu reagieren, ist zunächst eine realistische Kalkulation entscheidend. Höhere Betriebskosten spiegeln sich in den Angebotspreisen wider, auch wenn das gegenüber Auftraggebern erklärungsbedürftig ist.
Mit Preisgleitklauseln sich rechtlich absichern
Der ZVDH hat 2021 bereits angesichts der seinerzeit stark angestiegenen Preise für Holz und Dämmstoffe alle Handlungsoptionen in einem Infoblatt zusammengefasst, insbesondere die Möglichkeiten der Vereinbarung von sogenannten Preisgleitklauseln.
Preisgleitklauseln sind vertragliche Regelungen, die dazu dienen, Preisänderungen aufgrund von Materialkosten- und Lohnschwankungen bei längerfristigen Bauvorhaben zu berücksichtigen. Sie helfen vor allem Unternehmern, sich gegen das Risiko steigender Kosten abzusichern, wenn die Preise für Baumaterialien oder andere Ressourcen zwischen Vertragsabschluss und Projektbeginn oder Projektabschluss erheblich steigen. Hierbei handelt es sich um eine gute Möglichkeit, um sich rechtlich abzusichern, falls Preise sich spontan ändern.
Die Formulierung einer Stoff- bzw. Preisgleitklausel sollte klar, eindeutig und verbindlich sein. Der ZVDH empfiehlt, in jedem Fall juristischen Rat einzuholen. Gerade bei Bauvorhaben mit Verbrauchern ist es wichtig, dabei sicherzustellen, dass die Klausel rechtlich zulässig und für beide Vertragsparteien nachvollziehbar ist. In Allgemeinen Geschäftsbedingungen geht dies in der Regel nicht.
Der Dachdeckerbetrieb sollte daher sein Angebot stets als „freibleibend“ kennzeichnen. So hat der Dachdeckerbetrieb das letzte Wort, ob der Vertrag erst mit seiner Auftragsbestätigung zustande kommt.
Bei öffentlichen Aufträgen kann der Auftragnehmer von sich aus keine zeitliche Preisbindung oder eine Preisgleitklausel vorgeben.
Energiepreise bleiben weiterhin hoch
Deutlich mehr Unternehmen in Deutschland planen mit höheren Preisen. Der ifo Indikator kletterte im März auf 25,3 Punkte, nach 20,3 Punkten im Februar. Das ist der höchste Wert seit März 2023. „Der Preisdruck in Deutschland nimmt wieder spürbar zu“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Die hohen Energiepreise dürften die Inflation in den kommenden Monaten erhöhen.“
