Eine Gruppe von vier Personen besichtigt eine historische Sammlung verschiedener Dachziegel im Dachgeschoss eines alten Holzgebäudes.
Ein erster Einblick in die Dachziegelausstellung (Quelle: René Heinitz/Dachdeckerinnung Meißen-Riesa-Großenhain)

Markt 2026-11-03T09:10:06.191Z Dachdecker-Geschichte zum Anfassen

Dachziegelausstellung: Über 1.300 historische Dachziegel werden in Meißen bald eine eigene Ausstellung bekommen. Initiator René Heinitz berichtet, wie aus einer Sammlung ein digitales Archiv samt App werden soll. Emilie Waliczek und Johannes Messer

Auf dem Dachboden des historischen Kornhauses in Meißen soll ein einzigartige Ziegelausstellung entstehen. Angekündigt im November 2025, ist das Projekt ein gutes Jahr später schon im Gange. Am Tag des offenen Denkmals durften über 300 Besucherinnen und Besucher erste Eindrücke in der Ausstellung sammeln.

Über 1.300 Ziegel aus etwa 220 Ziegeleien gehören bereits zur Ausstellung. Der Kernbestand geht auf die lebenslange Sammlung von Achim Wünsche zurück. Der Dachdeckermeister und Diplompädagoge vermachte seine Sammlung der Dachdecker-Innung Meißen-Riesa-Großenhain. „Achim Wünsche hat uns diese einzigartige Ziegelsammlung vererbt“, berichtet Dipl.-Ing. (FH) René Heinitz. „Die hat er sein Leben lang gesammelt und natürlich auch Recherche zu den ganzen Ziegeln angestellt.“

Motivation, Organisation und Finanzierung

Nach dem Tod ihres Mannes rief Ingrid Wünsche die Dachdecker Innung Meißen-Riesa-Großenhain an, mit der Bitte die Ziegel vom Dachboden zu räumen, da die Türen im darunter befindlichen Geschoss auf Grund der Last auf dem Dachboden nicht mehr richtig zu gingen. Daraufhin wurde die Sammlung von der Innung in das Schloss nach Klipphausen umgelagert, wo sie 10 Jahre lag. Doch der Innung war klar, dass die Ziegel ihren eigenen, besonderen Ausstellungsort verdienten - die Frage war nur wo. Schließlich fand das Ziegelprojekt seinen Standort am ZVDH-Gründungsort. Dass die Sammlung jetzt auf dem Kornhaus lagert, liegt an einem glücklichen Zufall. Heinitz hatte sich im Zuge der Dachsanierung des Kornhauses mit dem Vorsitzenden der Otto- und Emma-Horn-Stiftung Tom Lauerwald über die Ziegelsammlung unterhalten. „So bekam die Sammlung nach 10 Jahren Suche nun wohl den würdigsten Platz den man sich vorstellen kann", sagt Heinitz.



Wünsches Kollektion umfasst zusätzlich handgeschriebene Karteikarten mit Daten über jeden einzelnen Ziegel: Wo er her ist, wann er gefunden wurde, von wem er ist und aus welchem Ziegelwerk er kommt. Neben der Ziegelsammlung soll die Ausstellung auch die Geschichte des Dachdeckerhandwerks präsentieren. Hier stammt vieles aus Heinitz eigenem Familienarchiv. „Unsere Firma gibt es ja auch schon seit über 100 Jahren“, erklärt der Dachdecker und Bauingenieur „Da habe ich von meinem Großvater ganz viel geerbt.“ Alte Dachdecker-Werkzeuge, Teeröfen und Aufzüge sollen die verschiedenen Generationen des Dachdecker-Alltags im Laufe der Jahre veranschaulichen. „Feierabendziegel“, Dachziegel, auf denen Ziegelhersteller Notizen anfertigten, bevor diese gebrannt wurden, sind ebenfalls Teil der umfangreichen Sammlung.

Ein Mann in Arbeitskleidung hält ein gerahmtes, gemaltes Bild vor sich, das die 100-jährige Geschichte der Dachdeckerei Heinitz illustriert. Das Bild zeigt verschiedene Dachdecker-Szenen und die historischen Firmendaten. Im Hintergrund ist ein Firmengelände mit einem alten Lastwagen zu sehen.
René Heinitz feiert 100 Jahre Dachdeckerei Heinitz. (Quelle: René Heinitz)

Von Ausstellung zur vernetzten Plattform – Digitalisierung, Forschung und Perspektiven

Laut Heinitz soll die Ziegelsammlung bis Ende 2028 fertiggestellt werden. „Das wird ein langer Prozess, auch, weil die Dachdecker das natürlich nur ehrenamtlich machen", so der Diplom-Ingenieur (FH). Dennoch sind ihre Ziele klar: Erhalt, Archivierung, Digitalisierung und Forschung. In Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft Riesa-Meißen-Großhain arbeiten wissenschaftliche Mitarbeiter für das „WIR-Projekt“ an einem digitalen Archiv. „Die 1.300 Ziegel einzuscannen ist sehr aufwändig“, betont Heinitz. „Wir müssen eine Rundum-Fotografie für jeden einzelnen Ziegel machen. Einmal rund um die Achse, damit daraus ein digitales 3D-Objekt wird.“

Ziegel-App geplant

Entstehen soll daraus eine Dachziegelapp: von der reinen Ziegelerkennung bis hin zu einer Dachdecker-App. Das Vorhaben wird durch ein Schüler-Projekt des Sankt-Afra-Gymnasiums unterstützt. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten daran, per„Fingerabdruck“ die Ziegel sichtbar zu machen – anhand von Tonstruktur oder Schliff. „Darüber könnte man dann auf die ursprüngliche Tongrube oder das Ziegelwerk schließen“, erklärt Heinitz. So wird die Geschichte jedes Ziegels sichtbar und abrufbar.

Ein Innenraum eines historischen Dachbodens mit einer stabilen Holzregalkonstruktion, die mit einer Vielzahl an unterschiedlichen, antiken Dachziegeln gefüllt ist. Im Vordergrund befinden sich Metallgitterboxen, während im Hintergrund Arbeiter bei der Instandsetzung zu sehen sind.
Über 1.300 verschiedene Ziegel gehören bereits zum Bestand der Ausstellung. (Quelle: René Heinitz/Dachdeckerinnung Meißen-Riesa-Großenhain)
Zwei Handwerker arbeiten auf einem historischen Dachboden an einer Holzkonstruktion, während im Hintergrund zahlreiche Dachziegel auf Lagerregalen gestapelt sind.
Freiwillige helfen beim Aufbau der Ziegelausstellung. (Quelle: René Heinitz/Dachdeckerinnung Meißen-Riesa-Großenhain)
Drei Männer in Arbeitskleidung stehen zusammen in Kornhaus. Der Mann auf der rechten Seite hält eine Kaffeetasse in der Hand, während alle drei freundlich in die Kamera lächeln. Im Hintergrund sind Holzwände und Konstruktionselemente einer Scheune zu sehen.
Ehrenamtler helfen mit Freude am Ziegelprojekt! (Quelle: René Heinitz/Dachdeckerinnung Meißen-Riesa-Großenhain)

Ein Herzensprojekt für Dachdecker

Die Idee der Ziegelausstellung kommt gut an. „Es haben mich schon unheimliche viele Leute angerufen, die uns gerne Ziegel bringen wollen“, erzählt Heinitz. Der Ansturm sei so groß, dass der Platz im Kornhaus nicht ausreiche.
Dass es sich um eine Herzensangelegenheit handelt, wird auch daran deutlich: 34 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer arbeiten tatkräftig an der Realisierung der Ausstellung und setzen sich dafür ein, die Geschichte des Dachdeckerhandwerks sichtbar zu machen. Heinitz persönliches Highlight ist die Urform der Betondachsteine: eine rautenförmiger Betondachstein: „Wir haben ja nicht bloß Ziegel, sondern auch Betonsteine. Die finde ich sehr schön. Weiter haben wir sehr viele Biberschwanzziegel, wobei der älteste von 1611 ist."

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 11. 2026.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann an folgendes Spendenkonto spenden: DE 33 8505 5000 0500 1718 40 Sparkasse Meißen.

Zwei Zimmerer führen eine Dachstuhlsanierung an einem alten Holzgebäude durch und montieren neue hölzerne Dachsparren in einem weitläufigen Dachgeschoss.
Die Realisierung des Projekts bedarf viel Arbeit. (Quelle: René Heinitz/Dachdeckerinnung Meißen-Riesa-Großenhain)

zuletzt editiert am 03. November 2026
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